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Keine Entwicklung ohne Umweltschutz
Umweltschutz und Nachhaltigkeit müssen
stärker in die Armutsbekämpfung integriert werden, fordert
der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen.
(vv) - Auf dem "Millennium+5-Gipfel" im September in
New York stehen das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele
(MDGs) und die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen
auf dem Prüfstand. Der Gipfel bietet die Chance, die internationale
Armutsbekämpfung neu auszurichten und eine Reform der UN
anzustoßen. Aus Sicht des Wissenschaftlichen Beirats Globale
Umweltveränderungen (WBGU) werden bei der Armutsbekämpfung
Umweltprobleme vernachlässigt, obwohl sie in vielen Entwicklungsländern
die Armut verschärfen. Der WBGU übergab am Donnerstag
den Bundesministern Edelgard Bulmahn und Jürgen Trittin ein
Politikpapier. Darin schlagen die Wissenschaftler vor, wie diese
Defizite überwunden werden können.
Armutsbekämpfung und Umweltpolitik verknüpfen
Ohne Umweltschutz sind die MDGs nicht erreichbar. Umweltpolitik
ist nach Ansicht des WBGU Voraussetzung für Entwicklung und
müsse zentrales Element jeder langfristigen Strategie der
Armutsbekämpfung werden. Umgekehrt könne auch ohne Entwicklungspolitik
der Schutz der Umwelt nicht gelingen, weil Armut häufig zu
Raubbau an Umweltressourcen zwinge. Der WBGU empfiehlt daher,
die umweltpolitische Dimension der MDGs zu stärken und weiter
zu differenzieren.
Partnerschaften mit "Ankerländern"
eingehen
Große Entwicklungsländer wie Brasilien, China oder
Indien spielen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Dynamik eine Schlüsselrolle
für globalen Umweltschutz und für Armutsbekämpfung.
Viele dieser sog. Ankerländer greifen laut WBGU
zunehmend in das globale Geschehen ein. Ihnen komme für die
künftige internationale Zusammenarbeit daher eine wichtige
Rolle zu. Ankerländer könnten und sollten sich zunehmend
an den Kosten von Armutsbekämpfung und Umweltschutz beteiligen.
Doch Anreize und Kooperationsangebote durch die Industrieländer
etwa beim Klimaschutz blieben wichtig. Durch strategische
Partnerschaften mit den Ankerländern sollte verantwortliches
umwelt- und entwicklungs-politisches Handeln unterstützt
werden, empfiehlt der Beirat.
Entwicklungs- und Umweltpolitik reformieren
Nach Auffassung des WBGU kann nur eine übergeordnete Autorität
im UN-System den Mangel an Kohärenz verringern und die Durchsetzungsfähigkeit
von Zielen einer nachhaltigen Entwicklung stärken. Der Wirtschafts-
und Sozialrat (ECOSOC) könne diese Funktion nicht erfüllen.
Der WBGU empfiehlt daher, ihn durch einen Rat für Globale
Entwicklung und Umwelt zu ersetzen. Dieser Rat sollte auf
gleicher hierarchischer Ebene wie der Sicherheitsrat verankert
werden. Das neue Gremium soll den strategisch-politischen Rahmen
vorgeben und die Aktivitäten der multilateralen Organisationen
im Umwelt- und Entwicklungsbereich, einschließlich Weltbank
und IWF, koordinieren und auf das Leitbild einer nachhaltigen
Entwicklung ausrichten. Zudem sollte das UN-Umweltprogramm zu
einer UN-Organisation aufgewertet werden.
Tatenlosigkeit ist teuer
Mit 200-300 Mrd. US-$ jährlich kann nach Schätzungen
des WBGU in der globalen Armutsbekämpfungs- und Umweltschutzpolitik
Wesentliches erreicht werden. Hierfür wäre eine stufenweise
Verdreifachung der öffentlichen Entwicklungsleistungen erforderlich.
Zusätzlich sollten umweltpolitische Finanzierungsme-chanismen
genutzt werden. Beispielsweise plädiert der WBGU dafür,
Entgelte für die Nutzung globaler Umweltgüter einzuführen.
Die Kosten der Tatenlosigkeit wären erheblich höher
als dieser Finanzierungsbedarf. Der Nutzen des Handelns sei also
hoch. Beispielsweise dürfte unterlassener Klimaschutz zu
Schäden führen, die mindestens das Zehnfache der Kosten
der Emissionsvermeidung ausmachen. Investitionen in das Gesundheitswesen
der Entwicklungsländer könnten ein Sechsfaches an wirtschaftlichem
Ertrag einbringen.
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