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IEA-Chef Mandil kritisiert deutschen Atomausstieg
Der Chef der Internationalen Energie Agentur
hofft auf eine Renaissance der Kernenergie und fordert sparsamere
Autos.
Hamburg (vv) - Der Exekutivdirektor der Internationalen Energie
Agentur (IEA), Claude Mandil, kritisiert die deutsche Atomausstiegspolitik.
Er erkenne zwar das Recht jeder demokratisch gewählten Regierung
an, aus der Kernenergie auszusteigen. "Aber ich bitte die
deutsche Regierung, ihr Missbehagen an der Kernenergie nicht in
zu viele andere Länder zu exportieren", sagte Mandil
der Wochenzeitschrift "Die Zeit". Er selbst "hoffe
auf eine Renaissance der Kernenergie".
"Um die Energieversorgung langfristig nachhaltig zu gestalten,
müssen wir alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen:
Energie muss viel effizienter verwendet werden, wir brauchen mehr
erneuerbare Energie - und wir brauchen mehr Kernkraft", sagte
Mandil.
Mandil warnte vor den Risiken der Ölversorgung. "Ich
fürchte, dass Öl noch lange Zeit knapp und teuer bleiben
wird", sagte er im Interview mit der "Zeit". Dies
sei "mit Sicherheit" eine Gefahr für das weltweite
Wirtschaftswachstum. Selbst "plötzliche Lieferengpässe"
ließen sich nicht ausschließen, weil das Öl "aus
immer weniger Länder" komme, so der IEA-Chef.
Sparsamere Autos und alternative Spritquellen
Die Verringerung des Ölverbrauchs sei eine Möglichkeit,
das Risiko zu begrenzen. "Wir sollten uns sparsamere Autos
zulegen, sie weniger nutzen und alternative Spritquellen erschließen",
forderte Mandil kurz vor dem Ministertreffen der 26 IEA-Mitgliedsländer,
das Anfang kommender Woche in Paris stattfindet. Die Autofahrer
sollten außerdem "auf der Hut sein", weil auf
sie wahrscheinlich Regulierungen zur Bekämpfung der Erderwärmung
zukämen, sagte Mandil.
Wenig Verständnis zeigte der Franzose für Sprit schluckende
Geländewagen, so genannte SUVs. "Gegen Spritschlucker
sollte härter vorgegangen werden", forderte Mandil.
Westeuropa abhängig von russischem Ergas
Der IEA-Chef äußerte sich darüber hinaus zu der
wachsenden Abhängigkeit Westeuropas von russischen Ergaslieferungen.
Ihn treibe vor allem um, dass sämtliches Erdgas, das Russland
exportiere, durch die Leitungen von Gazprom fließe. "Die
Westeuropäer sollten sich bei der russischen Regierung mit
aller Macht dafür stark machen, dass auch andere russische
Gaslieferanten Zugang zum Gazprom-Netz erhalten", forderte
Claude Mandil.
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