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Trittin fordert globale Energiewende
Bundesumweltminister Trittin fordert angesichts
des "wachsenden Energiehungers" eine Wende in der weltweiten
Energiepolitik.
(vv) - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
hat auf die Notwendigkeit und die Chancen einer globalen Energiewende
hingewiesen. Anlässlich einer Diskussionsrunde von Energie-
und Umweltministern aus 20 Staaten am Mittwoch in London sagte
Trittin: "Angesichts des wachsenden Energiehungers auf der
Welt und des fortschreitenden Klimawandels müssen wir in
der Energiepolitik global umsteuern. Weg vom Öl und Atom,
hin zu mehr Energieeffizienz in Umwandlung und Verbrauch von Energie
und ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien sind das Gebot
der Stunde." Trittin selbst war verhindert und konnte an
dem Treffen nicht persönlich teilnehmen.
Ein Umsteuern sei nicht nur machbar, sondern auch wirtschaftlich
von Vorteil. So nähmen etwa deutsche Unternehmen bei der
Windenergie eine internationale Spitzenposition ein. "Erneuerbare
Energien helfen, die globale Armut zu überwinden und schaffen
neue Arbeitsplätze - allein in Deutschland gut 120.000",
sagte Trittin.
Auf Einladung Großbritanniens haben die Energie- und Umweltminister
aus Industrie- sowie Schwellen- und Entwicklungsländern,
darunter Brasilien, China und Südafrika, zwei Tage lang über
die Herausforderungen und Chancen einer klimafreundlichen Energieversorgung
beraten. Im Mittelpunkt standen erfolgreiche Instrumente und geeignete
Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Energiepolitik,
zudem die Entwicklung klimafreundlicher Energietechnologien wie
Effizienztechnologien, die erneuerbaren Energien und deren Markteinführung.
Der Vertreter Chinas, Liu Jiang, betonte, dass sein Land bis
2010 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung
auf 10 Prozent erhöhen will. Das allein würde laut dem
Bundesumweltministerium (BMU) 813 Millionen Tonnen Kohlendioxid
(CO2) pro Jahr einsparen. Dieses Ziel hatte China auf der Bonner
Konferenz "renewables 2004" gesetzt.
Der Bundeskanzler hatte auf Konferenz angekündigt, dass
Deutschland ab 2005 für fünf Jahre weitere 500 Millionen
Euro für Finanzierungsmaßnahmen im Bereich der erneuerbaren
Energien bereit stellt. Die Bundesrepublik hatte bereits 2002
in Johannesburg 1 Milliarde Euro für Energieeffizienz und
Ausbau der Erneuerbaren zugesagt.
Bundesumweltminister Trittin betonte, dass die internationale
Klimaschutzpolitik über die erste Phase des Kyoto-Protokolls
hinaus fortgeschrieben werden muss. Trittin: "Wir dürfen
nicht stehen bleiben. Bis Mitte des Jahrhunderts müssen wir
die weltweiten Emissionen um bis zu 50 Prozent senken. Damit die
Länder des Südens ein Recht auf Entwicklung entfalten
können, müssen die Industrieländer deutlich reduzieren."
Deutschland hat sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls verpflichtet,
bis 2012 21 Prozent seiner Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
Davon sind laut BMU fast 19 Prozent erreicht. Die erneuerbaren
Energien würden rund 60 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in
Deutschland einsparen.
Wenn sich die EU zu einer Emissionsreduktion von 30 Prozent bis
2020 verpflichte, sei Deutschland bereit, seine Treibhausgasemissionen
um 40 Prozent in diesem Zeitraum zu senken, so Trittin. Der EU-Umweltrat
hat jüngst beschlossen, dass die entwickelten Länder
in einer zweiten Phase ihre Emissionen bis 2020 um 15 bis 30 Prozent
reduzieren und bis 2050 um 60 bis 80 Prozent.
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