US-Experten präsentieren Milliardenplan für Energiewende
In den USA wächst der Druck auf die Regierung,
ihrer Energiepolitik eine neue Richtung zu geben.
(vv) - Das Land brauche eine nachhaltige und breit gefächerte
Strategie, um auch in den kommenden Jahrzehnten Industrie, Haushalte
und Verkehr mit der notwendigen Energie zu versorgen. Das sei
der Kern eines Berichts, den die überparteiliche "Energy
Commission" - ein hochrangiges Expertengremium aus Vertretern
von Wirtschaft, Regierung, Gewerkschaften, Wissenschaft, Umwelt-
und Verbraucherverbänden - vorgelegt hat. Dies teilte der
Rat für Nachhaltige Entwicklung in der aktuellen Ausgabe
seines Newsletters mit. "Eine politische Polarisierung hat
die Energiepolitik in den USA in eine Sackgasse geführt,
die das Land lange daran gehindert haben, sich mit den größten
Problemen der Zukunft zu beschäftigen", betonte John
Rowe, Kommissions-Vorsitzender und Vorstand eines großen
US-Energieversorgers, bei der Vorlage des Berichts.
Für eine Wende der Energiepolitik in den USA nennt der Report
mit dem Titel "Das Ende der Sackgasse" nach Angaben
des Nachhaltigkeitsrates fünf Hauptziele: eine vom Ausland
unabhängigere Öl- und Gasversorgung, strenge Verbrauchsstandards
für Fahrzeuge, verbindliche Grenzen für den Ausstoß
von Treibhausgasen, die Förderung von Erneuerbaren Energien
und die Weiterentwicklung von emissionsarmen Kohlekraftwerken
und verbesserten Atommeilern. Die Experten würden dafür
eine ganze Reihe konkreter Förder- und Investitionsprogramme
empfehlen, die einen Gesamtumfang von 36 Milliarden Dollar über
die kommenden zehn Jahre haben.
So solle die Regierung sieben Milliarden Dollar in die Entwicklung
von sauberen Kohlekraftwerken und von Technologien zur langfristigen
unterirdischen Einlagerung von Kohlendioxid investieren. 3,6 Milliarden
Dollar seien notwendig, um erneuerbare Energien für eine
breite Anwendung marktfähig zu machen, drei Milliarden brauche
die Autoindustrie, um Elektro- und Brennstoffzellen-Fahrzeuge
zur Serienreife zu bringen, mit weiteren 1,5 Milliarden könnten
großtechnische Anlagen zur Gewinnung von Kraftstoffen aus
Biomasse gebaut werden. Durch all diese Maßnahmen, so die
Kommission, könnten die USA ihren Ölverbrauch bis 2025
um 12 bis 15 Prozent reduzieren. Das gelinge aber nur, wenn der
Etat für Forschung und Entwicklung im Energiesektor auf insgesamt
17 Milliarden Dollar über die kommenden zehn Jahre verdoppelt
werde.
Der Nachhaltigkeitsrat schreibt weiter, das Gremium fordere nicht
zuletzt strengere Maßnahmen der Regierung zum Klimaschutz.
Ab 2010, so der Vorschlag, sollten sich die USA an einem weltweiten
CO2-Handel beteiligten, um die so genannte Treibhausgas-Intensität
(Menge an Treibhausgasen pro Dollar Bruttosozialprodukt) jährlich
um 2,4 Prozent zu senken. Mit diesem Ansatz folgt die Kommission
einem Plan von Präsident George W. Bush, der vorsieht, die
Treibhausgas-Intensität bis 2012 auf freiwilliger Basis um
1,8 Prozent pro Jahr zu reduzieren.
"Über 30 Jahre lang war die Energiepolitik der Friedhof
vieler politischer Vordenker", kritisierte William Reilly,
Kommissionsmitglied und früherer Chef der US-Umweltbehörde
EPA. Der Report zeige aber, dass Investitionen in Innovation,
Energieforschung und Klimaschutz den USA eine wichtige Führungsrolle
verschaffen könnten. Das Jahr 2005 will die Energy Commission
nutzen, um in Kongress, Regierung und den einzelnen Bundesstaaten
Mitstreiter für ihre Strategie zu finden.
Seite
drucken
|