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Gutachten: Armutsbekämpfung setzt wirksame Umweltpolitik
voraus
Eine wirksame Umweltpolitik ist eine grundlegende
Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung der globalen
Armut. Dieses Fazit zieht der WBGU in seinem neuen Gutachten.
(vv) - Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale
Umweltveränderungen (WBGU) übergab am Mittwoch das Gutachten
"Welt im Wandel: Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik"
an die Bundesminister Edelgard Bulmahn (Forschung), Jürgen
Trittin (Umwelt) und Heidemarie Wieczorek-Zeul (Entwicklung).
Die Wissenschaftler betonen in ihrem Gutachten, dass erfolgreiche
Armutsbekämpfung eine wirksame Umweltpolitik voraussetzt.
Die Entwicklungschancen der armen Länder verbesserten sich
nur, wenn angesichts voranschreitender Umweltveränderungen
sowohl Anpassungsmaßnahmen verstärkt als auch weitere
Eingriffe in die natürliche Umwelt vermieden würden.
Die Industrieländer müssten ihrerseits zur Überwindung
dieser Krise beitragen. Umweltschutz und Armutsbekämpfung
sollten aus Sicht des WBGU stärker vernetzt und national
wie international als Querschnittsthema besser verankert werden.
Eine solche Politik würde sich für alle Länder
auszahlen.
Die Eingriffe des Menschen in die natürliche Umwelt gefährden
laut WBGU bereits heute in weiten Teilen der Erde die Lebensbedingungen
der Armen. Ohne Gegensteuerung würden Umweltveränderungen
künftig in noch größerem Umfang Existenz bedrohende
Auswirkungen haben. Noch immer lebten 1,1 Mrd. Menschen von weniger
als einem Dollar am Tag, ebenso viele hätten keinen sicheren
Zugang zu Trinkwasser und rund 840 Mio. Menschen seien unterernährt.
Allein durch verschmutzte Luft in Innenräumen stürben
jährlich etwa 1,6 Mio. Menschen.
UN-Reform notwendig
Der schwerfällige "Tanker" UN muss zum Rückgrat
einer globalen Umwelt- und Entwicklungspartnerschaft werden, fordert
der Beirat. Als langfristige Vision empfiehlt der WBGU einen "Rat
für Globale Entwicklung und Umwelt" als übergeordnetes
Gremium im UN-System einzurichten. Er soll die Institutionen im
Entwicklungs- und Umweltbereich, einschließlich der internationalen
Finanzorganisationen wie Weltbank und IWF, koordinieren und auf
das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten. Ein weiterer
wichtiger Reformschritt sei die rasche Aufwertung des UN-Umweltprogramms
(UNEP) zu einer UN-Sonderorganisation.
Finanzierung möglich
Die zusätzlichen jährlichen Kosten für Armutsbekämpfung
und Umweltschutz bewegen sich nach Schätzung des WBGU im
niedrigen dreistelligen Milliardenbereich. Das entspreche der
Größenordnung nach den jährlichen Ausgaben der
OECD-Länder für Agrarsubventionen, die sich auf rund
350 Mrd. US-Dollar belaufen. Die Kosten zum Schutz des Klimas
und der Biodiversität lägen ebenfalls im niedrigen dreistelligen
Milliardenbereich. Hinzu kämen Kosten, die durch Klimaschäden
verursacht würden.
Nutzungsentgelte für Flugverkehr und Meere
Die erforderlichen Finanzmittel könnten beispielsweise durch
die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen und den Abbau
von Handelshemmnissen gewonnen werden, empfiehlt der Beirat. Auch
die Erhebung von Entgelten für die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter
wie den internationalen Luftraum oder die Meere sei denkbar. So
könnte beispielsweise ein am Verbrauch von Flugbenzin orientiertes
Entgelt bei EU-weiter Einführung ein Aufkommen von bis zu
21 Mrd. Euro pro Jahr erbringen.
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