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Aids-Beauftragter der UN: "Massenmord durch Gleichgültigkeit"
Die tödliche Immunschwächekrankheit
Aids bedroht mehr Menschen als jemals zuvor. Der Aids-Beauftragte
der UN spricht von einem "Massenmord durch Gleichgültigkeit"
in Afrika.
(vv) - Die tödliche Immunschwächekrankheit Aids bedroht
mehr Menschen als jemals zuvor. Nach Schätzungen des Aids-Bekämpfungsprogramms
der Vereinten Nationen (UNAIDS) und der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) wurde in diesem Jahr mit rund 40 Millionen Infizierten weltweit
ein neuer Höchststand erreicht. Auch die Zahl der Aids-Toten
ist mit rund drei Millionen in 2004 so hoch wie nie zuvor, heißt
es im Jahresbericht, den UNAIDS am Dienstag vorlegte.
Besonders betroffen seien Frauen in Ostasien. In den vergangenen
zwei Jahren stieg ihre Zahl demnach um mehr als 50 Prozent. Der
Kampf gegen die Immunschwächekrankheit könne nur gewonnen
werden, wenn die Unterdrückung von Frauen in Entwicklungsländern
überwunden werde. Mangelhafte Bildung, Vergewaltigung, Armut
und fehlende Gleichberechtigung seien in vielen Ländern dafür
verantwortlich, dass immer mehr Frauen an Aids erkranken.
"Massenmord durch Gleichgültigkeit"
Einen "untergründigen Rassismus gegenüber Afrika
und den Afrikanern, den natürlich keiner zugeben würde",
wirft Stephen Lewis, UN-Sonderbeauftragter für Aids in Afrika,
der westlichen Welt vor. Der schwarze Kontinent sei in seinem
Kampf mit der Seuche im Stich gelassen worden. "Deshalb spreche
ich von Massenmord durch Gleichgültigkeit", sagt Lewis
in der Hamburger Wochenzeitschrift "Die Zeit".
Er verweist darauf, dass HIV-Infizierte im ärmsten Teil
der Welt immer noch keine Medikamente bekämen, obwohl die
Pharmakonzerne inzwischen die Herstellung billiger Nachahmerprodukte
erlaubten. Daher laste jetzt die Verantwortung weniger auf den
Pharmakonzernen, "sondern auf den Regierungen ihres und meines
Landes", sagt der kanadische Diplomat. "Wir müssen
die Medizin kostenlos abgeben", fordert er.
Lewis rechnet vor, dass die UN im vergangenen Jahr 4,3 Milliarden
Dollar für Maßnahmen gegen HIV und Aids ausgegeben
habe. Dagegen würden für Krieg und Wiederaufbau im Irak
und in Afghanistan bis zum Ende dieses Jahres rund 200 Milliarden
Dollar ausgegeben. "Wir spenden also winzige Beträge,
um Menschen am Leben zu erhalten, und gewaltige Beträge für
Krieg und Zerstörung".
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