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Hollywood fördert Klima-Bewusstsein
So reißerisch der Film "The Day After
Tomorrow" das Thema Klimawandel auch abgehandelt hat, scheint
er doch eine positive Wirkung auf die Kinobesucher gehabt zu haben.
Das haben drei Potsdamer Soziologen ermittelt.
(jkm/vv) - New York von Riesenwellen überrollt und die Freiheitsstatue
im Griff von Eismassen - dieses Szenario entwirft Roland Emmerichs
in seinem Actionreißer. Schon vor dem Kinostart Ende Mai
war über Pro und Contra des Films diskutiert worden. Einige
Klimaexperten prangerten die extrem verzerrende Darstellung der
komplexen Vorgänge in Meeren und Atmosphäre an. Andere
wiesen darauf hin, dass der Film immerhin ein Bewusstsein für
diese Zusammenhänge und den Klimawandel schaffen könnte.
Fritz Reusswig und Julia Schwarzkopf vom Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung und Philipp Pohlenz von der Universität
Potsdam nahmen die Effekte genauer unter die Lupe, indem sie 1.118
Kinobesucher in sechs deutschen Städten vor und nach dem
Film befragten und vier Wochen später nochmals Telefoninterviews
mit 149 Kinogängern durchführten. Durch den Film erreichte
das Thema Klima demnach auch solche Menschen, die sich zuvor nicht
dafür interessiert hatten. Zudem wurde bei vielen eine Vorstellung
von Komplexität und Verwundbarkeit des Klimas geschaffen,
beispielsweise durch Darstellung der Rolle der Ozeane.
Umgekehrt weckte die Klimakatastrophe à la Hollywood nicht
etwa Endzeitgedanken, ermittelten die Forscher. Nur zehn Prozent
der Befragten seien mit dem Fazit "Wir können ohnehin
nichts tun" nach Hause gegangen, stattdessen hätten
beispielsweise die deutsche Klimapolitik - ungeliebt aufgrund
der Ökosteuer - deutlich positiver betrachtet.
USA: Kinobesucher würden Kerry wählen
Auch vier andere Forschungsteams aus den USA, Großbritannien
und Japan haben sich mit der Wirkung des Films auf das Publikum
beschäftigt. Diese Teams trafen sich im Oktober in Potsdam,
um ihre Ergebnisse auszutauschen. Dabei wurde deutlich: Die unterschiedlichen
kulturellen und politischen Hintergründe in diesen Ländern
führen dazu, dass ein und derselbe Film ganz unterschiedliche
Wirkungen beim Kinobesucher hervorruft.
In den USA etwa, wo Klima und Klimaschutz eine deutlich geringere
Rolle in der Öffentlichkeit spielen als in Europa, hat der
Film deutlich zur Sensibilisierung des Themas und der Notwendigkeit
von Klimapolitik beigetragen. Und: Wer den Film gesehen hat, ist
deutlich stärker bereit, John Kerry zu wählen als George
W. Bush.
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