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Russland will Kyoto-Protokoll beitreten
Die russische Regierung hat sich für einen
Beitritt zum Klimaschutz-Abkommen von Kyoto ausgesprochen.
(vv) - Das russische Kabinett beschloss am Donnerstag in Moskau,
das Klima-Protokoll dem Parlament zur Ratifizierung vorzulegen.
Bundesumweltminister Trittin hat die russische Kabinettsentscheidung
begrüßt. Er sei zuversichtlich, dass das russische
Parlament den Gesetzesentwurf der Regierung im Interesse der Umwelt,
der internationalen Zusammenarbeit und im Interesse Russlands
alsbald verabschiede.
Durch diesen Schritt komme wieder mehr Fahrt in den Klimaprozess,
erwartet die Umweltorganisation WWF. Auch der Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) meinte, jetzt sei der richtige
Zeitpunkt, neuen Schwung in die internationalen Klimaverhandlungen
zu bringen. So wichtig das Kyoto-Protokoll sei, es reiche bei
weitem nicht aus, um die globale Klimaerwärmung zu stoppen.
Kyoto-Protokoll kann in Kraft treten
Mit dem Beitritt Russlands wären die Voraussetzungen für
das Inkrafttreten des Klimaschutz-Abkommens erfüllt. Der
Vertrag wird nur zu einer völkerrechtlich verbindlichen Vereinbarung,
wenn mindestens 55 Länder ratifizieren, die 1990 zusammen
für mindestens 55 Prozent der in den Industrieländern
ausgestoßenen Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich waren.
Mit Russland, das damals rund 18 Prozent beitrug, wäre diese
Quote erfüllt. Der Beitritt Russlands ist deshalb so wichtig,
weil die USA dem Protokoll nicht beitreten wollen.
Das Kyoto-Protokoll zur Klimarahmenkonvention wurde 1997 verabschiedet
und inzwischen von 124 Staaten ratifiziert. Es verpflichtet die
Industriestaaten, die Emission ihrer Treibhausgase bis zum Zeitraum
2008-2012 um 5% gegenüber 1990 zu mindern. Deutschland muss
seine Emissionen um 21% mindern, davon sind nach Angaben des Umweltministeriums
bereits 19 Prozentpunkte erreicht. Das Kyoto-Protokoll erlaubt
Russland eine Stabilisierung der Emissionen.
Handel mit Klimagutschriften als Chance
Der Klimavertrag sei eine Riesenchance für die russische
Wirtschaft, meint der WWF. Die heimische Industrie könne
in großem Maß profitieren. Befürworter des Kyoto-Plans
erwarten bis zu 20 Milliarden Dollar Einnahmen für Russland
durch den Verkauf von Rechten zum Ausstoß von Treibhausgasen.
Im Mittelpunkt dürften dabei so genannte "Joint Implementation
Projekte" stehen. Wenn in Zukunft beispielsweise Deutschland
oder andere Industrieländer die Modernisierung russischer
Kraftwerke finanzieren, erhalten sie im Gegenzug Emissionszertifikate
(Klimagutschriften). Solche Projekte sind vor allem deshalb interessant,
weil sich solche Klimaschutzmaßnahmen in Ländern mit
maroder Infrastruktur weitaus kostengünstiger realisieren
lassen als in westlichen Industrieländern.
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