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Waffen statt Fortschritt:
Rüstungsexporte behindern nachhaltige Entwicklung
Waffenexportierende Länder berücksichtigen
trotz gegenteiliger Versprechen nicht die Folgen ihrer Geschäfte
auf die nachhaltige Entwicklung der Empfängerländer.
(vv) - Eine am Dienstag von der Hilfsorganisation Oxfam, der
Menschenrechtsorganisation amnesty international und IANSA, einem
internationalen Aktionsbündnis gegen Kleinwaffen, veröffentlichte
Studie belegt, dass sich viele exportierende Staaten nicht an
ihr Versprechen halten, vor der Genehmigung von Rüstungsexporten
deren Auswirkungen auf Armut, Hunger, Bildung und Gesundheit in
den Empfängerstaaten zu prüfen.
Die Studie mit dem Titel "Gewehre oder Wachstum?" zeige
auf, wie dramatisch die Auswirkungen dieser falschen Prioritätensetzung
seitens der exportierenden Staaten für die Rüstungs-
und Entwicklungspolitik der Empfängerländer sein könnten.
Als Beispiele für verfehlte Rüstungspolitik nennt die
Studie:
- In der Sub-Sahara ist die Lebenserwartung seit 1990 von 50
Jahren auf 46 Jahre gefallen. Gleichzeitig sind die Militärausgaben
seit 1995 um 47 % gestiegen.
- Tansania hat im Jahr 2001 ein Radarsystem im Wert von 40 Mio.
Dollar gekauft, das internationale Experten, unter anderem die
Weltbank, für ungeeignet und zu teuer hielten. Mit dem
Geld hätte Tansania die medizinische Versorgung für
3,5 Millionen Menschen finanzieren können.
- Im Jahr 2002 entsprach die Höhe der Militärausgaben
in Pakistan der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts.
- Für das Jahr 2004 haben die USA 4,7 Milliarden Dollar
für den Kampf gegen den Terrorismus vorgesehen, aber nur
2 Milliarden Dollar für die Armutsbekämpfung.
Gewinne haben Vorrang vor Entwicklung
Paul Bendix, Geschäftsführer von Oxfam Deutschland:
"Rüstungsgeschäfte dienen allzu oft den eigenen
wirtschaftlichen Interessen der Herstellerländer und gehen
auf Kosten der Bevölkerung in den armen Ländern. Das
Interesse an industriellen Gewinnen erhält Vorrang vor dem
Recht auf Entwicklung. Auf der ganzen Welt wird damit weiterhin
Kindern Bildung vorenthalten, AIDS-Kranke erhalten keine Behandlung
und Menschen haben keine Chance, sich aus eigener Kraft aus der
Armut zu befreien."
Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion
von amnesty international: "Zusätzlich führen unkontrolliert
gehandelte Rüstungsgüter in vielen Staaten zu massiver
Gewalt in der und gegen die Zivilbevölkerung auch
dadurch wird das Recht auf Entwicklung bedroht."
Wirksame Überprüfungssysteme fehlen
Die Studie überprüfte 17 der größten Rüstungsexportnationen.
Sie alle hätten sich in der Vergangenheit in internationalen
Vereinbarungen verpflichtet, vor der Erteilung von Exportgenehmigungen
den Einfluss von Rüstungslieferungen auf die nachhaltige
Entwicklung der Empfängerländer zu untersuchen. Doch
allen Versprechungen zum Trotz fehlten in den meisten Lieferländern
wirksame Überprüfungssysteme.
Auch die deutsche Bundesregierung habe sich im EU-Verhaltenskodex
und in den nationalen Rüstungsexportrichtlinien verpflichtet,
das Kriterium der nachhaltigen Entwicklung zu berücksichtigen.
In der Praxis spiele dieses Kriterium bisher jedoch allenfalls
eine untergeordnete Rolle, so Oxfam. Lediglich in einem einzigen
Fall (Vietnam) habe die Bundesregierung eine beantragte Genehmigung
unter anderem aufgrund des Kriteriums der nachhaltigen Entwicklung
nicht erteilt.
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