Bildung könnte Millionen junge Menschen vor HIV schützen
Sieben Millionen HIV-Neuinfektionen könnten
in einem Jahrzehnt verhindert werden, wenn alle Kinder auf der
Welt eine Grundbildung erhalten würden.
(vv) - Dies geht aus einem neuen Bericht hervor, den die "Globale
Bildungskampagne" am Rande der Frühjahrstagungen von
IWF und Weltbank in Washington veröffentlichte. Der Bericht
"Überleben lernen: Wie 'Bildung für Alle' Millionen
junger Menschen vor HIV/AIDS schützen würde" basiere
auf neuen UN-Erkenntnissen: Danach sei die Wahrscheinlichkeit
von HIV-Neuinfektionen bei jungen Menschen (15-24 Jahre) mit abgeschlossener
Grundschulbildung um 50% geringer als bei Altersgenossen ohne
Bildung. Nach Berechnungen der Globalen Bildungskampagne könnten
die durch Grundbildung beschleunigten Verhaltensänderungen
jährlich 700.000 HIV-Infektionen verhindern. Das entspricht
rund 30% der Neuinfektionen in dieser Altersgruppe.
"Der Bericht 'Überleben lernen...' ist ein bedeutender
Beitrag zur AIDS-Diskussion: Erstmals gibt es Berechnungen darüber,
wie viele junge Menschen durch Grundbildung vor HIV geschützt
werden könnten," so Professor Don Bundy, ein Experte
der Weltbank für Bildung und HIV/AIDS. "Der Bericht
offenbart, wie dringend notwendig der 'soziale Impfstoff' Bildung
ist."
Der Bericht stelle klar, dass Investitionen in universelle Grundschulbildung,
medizinische Behandlung, Pflege und Unterstützung für
HIV-Infizierte sowie Prävention nicht miteinander konkurrieren
dürften, sondern sich gegenseitig ergänzende, wichtige
Komponenten einer Gesamtstrategie zum Kampf gegen HIV/AIDS sein
müssten.
Militärausgaben von drei Tagen reichen
aus
Die Globale Bildungskampagne forderte daher alle Geberländer
auf, ihre Finanzhilfen aufzustocken und besser zu koordinieren,
um das UN-Millenniumsziel "Bildung für Alle" bis
2015 zu erreichen. So müsste beispielsweise Deutschland seine
Entwicklungshilfe für Grundbildung verzehnfachen, um einen
angemessenen Beitrag für "Bildung für Alle"
zu leisten.
Die unzureichende Hilfe der Geberländer für Bildung
sei mit verantwortlich dafür, dass weltweit noch immer mehr
als 100 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen könnten.
Ohne energische Maßnahmen würde es 150 Jahre dauern,
bis in Afrika jedes Kind eine Schule besuchen könne.
Zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von 5,6 Milliarden
US-Dollar pro Jahr seien erforderlich, um allen Kindern auf der
Welt eine Grundbildung zu ermöglichen. Die Summe entspräche
den weltweiten Militärausgaben von nur drei Tagen, so die
Kampagne.
Die Globale Bildungskampagne organisiert jährlich die "Global
Action Week", eine Aktionswoche zur weltweiten Bildung. In
Deutschland wird die Aktion in diesem Jahr neben der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW) von den Hilfsorganisationen CARE,
Oxfam, World Vision und Plan sowie dem World University Service
organisiert.
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