Kein Export der Hanauer Atomanlage nach China - Grüne jubeln
Der umstrittene Export der Hanauer Atomanlage
nach China ist zumindest vorerst vom Tisch.
Peking/Berlin (dpa) - Die Gespräche über die Lieferung
seien «eingestellt», berichtete der Sprecher des Außenministeriums
in Peking, Kong Quan, am Dienstag. Der chinesische Ministerpräsident
Wen Jiabao werde das Atomgeschäft bei seinem Besuch in Deutschland
Anfang kommender Woche nicht ansprechen. Politiker der Grünen
reagierten erleichtert auf die Entwicklung. Sie hatten für
den Fall einer Exportgenehmigung mit einer Regierungskrise gedroht.
«Die Koalition ist gerettet», sagte der Grünen-Fraktionsvize
Hans- Christian Ströbele.
Die Bundesregierung sieht allerdings noch kein endgültiges
Aus für das Projekt. Die Prüfung für die Erteilung
einer Exportgenehmigung für Siemens gehe weiter, hieß
es am Dienstag im Kanzleramt. Außenminister Joschka Fischer
(Grüne) sagte, er habe die chinesische Entscheidung «mit
Interesse zur Kenntnis genommen». Da er als Minister für
die Prüfung des Exports zuständig sei, wolle er diese
aber nicht weiter kommentieren.
Beobachter in Berlin gingen davon aus, dass der monatelange
Streit in der rot-grünen Koalition über das Atomgeschäft
mit China damit beendet ist. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende
Krista Sager reagierte «mit großer Freude» auf
das vorläufige Aus für den umstrittenen Export. Sie
forderte die Firma Siemens auf, ihren Antrag auf eine Exportgenehmigung
zurückzuziehen. Solange dieser noch vorliegt, müsse
sich das Auswärtige Amt weiter mit der Voranfrage beschäftigen.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte Bundeskanzler
Gerhard Schröder auf, den Export nun offiziell abzulehnen.
Ein Siemens- Sprecher sagte dazu lediglich: «Das Thema wird
auf politischer Ebene diskutiert, das kommentieren wir nicht.»
Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums hatte
erklärt, es habe zwischen den beteiligten Unternehmen «anfängliche»
Gespräche über die Lieferung der stillgelegten Anlage
zur Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente nach China gegeben.
«Die Kontakte sind beendet», sagte er. «Ich
denke nicht, dass Ministerpräsident Wen Jiabao die Sache
gegenüber der deutschen Seite ansprechen wird.» Die
Gespräche über die Lieferung könnten aber durchaus
wieder aufgenommen werden. Das sei Angelegenheit der beteiligten
Firmen.
Wen Jiabao hatte den chinesischen Wunsch, die Anlage zu kaufen,
persönlich beim Besuch von Kanzler Gerhard Schröder
Ende vergangenen Jahres in China vorgebracht und um eine Prüfung
gebeten. Vor allem der grüne Koalitionspartner in Berlin
hatte sich aber vehement gegen den Export ausgesprochen. China
hatte wiederholt Sorgen zurückgewiesen, dass die Anlage auch
für militärische Zwecke genutzt werden könnte.
Trotz des Endes der Verhandlungen mit China geht die Kampagne
gegen das umstrittene Atomgeschäft weiter. «So lange
die Bundesregierung nicht erklärt, dass die Anlage nicht
exportfähig ist, machen wir weiter», sagte der Sprecher
der Vereinigung Internationale Ärzte für die Verhütung
des Atomkrieges (IPPNW), Jens-Peter Steffen, am Dienstag der dpa
in Berlin. Die Aktion «Hanau selber kaufen» hat nach
seinen Angaben bisher über eine Million Euro zusammen getragen.
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den angeblichen Kaufpreis von 50
Millionen Euro aufzubringen.
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