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- 07.04.2004 -

 

 

 

 


 

Folgen des Raubbaus: Ökologische Zeitbomben in neuen EU-Ländern

Schwerindustrie, planwirtschaftliche Monokultur und rücksichtsloser Raubbau zerstörten die Natur in Tschechien, Polen und Ungarn so sehr, dass die Folgen noch heute spürbar sind.

Prag/Warschau/Budapest (dpa) - Am 31. Dezember 1989 trauten viele Tschechen ihren Ohren nicht: Solche Worte hatten sie von einem ihrer Politiker noch nie gehört. «Wir haben unsere Flüsse und Wälder zerstört und heute die kaputteste Umwelt Europas», sagte ihr neuer Präsident Vaclav Havel unverblümt im Fernsehen. Dabei hatte Havels Vorgänger Gustav Husak in jeder Neujahrsansprache von einer «blühenden CSSR» gesprochen. Doch jetzt, nach der politischen Wende, erfuhren Tschechen, Polen und Ungarn offiziell, was die meisten schon befürchtet hatten: Schwerindustrie, planwirtschaftliche Monokultur und rücksichtsloser Raubbau zerstörten die Natur so sehr, dass die Folgen noch heute spürbar sind.

Polen: Giftige Altlasten in Boden und Wasser

Beispiel Polen: Giftige Altlasten in Boden und Wasser sind hier noch immer ein ökologisches Problem. Die Zahl illegaler Deponien wird auf einige tausend geschätzt. Die EU-Auflagen für den Umweltschutz wurden nach Ansicht der EU-Kommission noch nicht ausreichend umgesetzt - in vielen Bereichen muss nachgebessert werden. Sorgenregion ist das von Tagebau und Stahlwesen geprägte Industriegebiet in Oberschlesien - zwar mussten viele Zechen in der Bergbauregion schließen, was sich positiv auf die Luftqualität ausgewirkt hat. Aber die ökologische Zeitbombe im Boden tickt.

Noch immer haben die Oberschlesier eine deutlich niedrigere Lebenserwartung als die Polen in anderen Regionen, Krebserkrankungen sind häufig. Das Leitungswasser ist allerdings auch in vielen anderen Städten Polens nicht genießbar: In der knapp zwei Millionen Einwohner zählenden Metropole Warschau holen sich die meisten ihr Trinkwasser in Brunnenhäusern oder lassen sich Vorräte ins Haus liefern.

 


© ArtToday

Budapest: Naturbewusstsein in Ungarn weit fortgeschritten

 

Ungarn: Wachsendes Umweltbewusstsein

Im Vergleich dazu brennen den Ungarn strukturelle Umweltprobleme alter Zeiten nicht mehr so sehr auf den Nägeln. Das Naturbewusstsein ist dabei weit fortgeschritten - zum Beispiel reißen Diskussionen in Medien und Politik über den Zustand der Gewässer nicht ab. Unlängst verhinderten Umweltschützer den Bau einer NATO-Radaranlage in Südwestungarn - dafür hätten zwei Hektar Wald gerodet werden sollen.

In Ungarn waren die Umweltschutz-Bewegungen eng mit der politischen Wende verbunden. Massenproteste gegen das geplante slowakisch-ungarische Donau-Kraftwerk Gabcikovo-Nagymaros im Frühjahr 1989 haben zum Rückzug von Ungarns Kommunisten aus der Regierung beigetragen.

Die Umwelt gehört zu den EU-Kapiteln, bei denen sich Ungarn am meisten den EU-Richtlinien angeglichen hat. Große Sorgen macht jedoch zum Beispiel der berühmte Plattensee: Der Wasserstand im ohnehin seichten Gewässer sinkt, der See droht schlicht zu verdunsten. Einen Skandal gab es im April 2003 wegen des Atomkraftwerks Paks, aus dem nach einem Störfall radioaktives Gas austrat - das die Anwohner nicht gefährdet haben soll. Die Werksleitung wurde aber entlassen, und der betreffende Reaktorblock liegt bis heute still.

Tschechien: Atomkraft weiter ausbauen

In Tschechien stand lange das südböhmische AKW Temelin im Zentrum der Umweltsorgen westlicher Nachbarn. Nachdem sich die Regierungen in Prag und Wien auf ein «rotes Telefon» für den Notfall geeinigt haben, ist es darum ruhiger geworden. Neue Proteste vor allem aus Bayern und Österreich sind aber zu erwarten, da Tschechien langfristig die Atomkraft ausbauen will. Das Land sieht darin eine Alternative zur Braunkohle, deren hemmungsloser Abbau vor 1989 die Grenzregion zu Sachsen zu einer «Mondlandschaft» verkommen ließ. Hier plant Tschechien mit EU-Mitteln eine Rekultivierung: Stillgelegte Gruben sollen zu einer «Seenplatte» geflutet werden.

Überhaupt gilt Nordböhmen neben dem «stählernen Herz», Nordmähren, als Tschechiens Region mit den größten Umweltproblemen: Wegen des Kohleabbaus und wegen des Waldsterbens im Erzgebirge trug die Region vor 1989 den Namen «Schwarzes Dreieck». Doch auch mit erheblichen Finanzspritzen aus Deutschland wurden Filter in alte Anlagen eingebaut und Kläranlagen eingerichtet. So leben heute in der nach Sachsen fließenden Elbe erstmals seit Jahrzehnten wieder Lachse - Vorbild und hoffnungsvolles Zeichen für die geschundene Natur in vielen Transformländern.

 

 Mehr Informationen:

Europäische Umweltagentur

UBA: Internationaler Umweltschutz

 

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