UN sieht «Paradiesinseln» durch wachsende Müllberge
gefährdet
Wachsende Müll- und Schuttablagerungen
stellen nach Studien der Vereinten Nationen für die kleinen
Inselstaaten der Erde ein neues drängendes Problem dar.
Seoul/Jeju (dpa) - Zusammen mit Bedrohungen durch steigende
Meeresspiegel, Überfischung, Wassermangel und unzureichende
Sanitäreinrichtung werde Abfall «rasch zu einem weiteren
Schlüsselproblem», warnten am Dienstag Vertreter des
UN- Umweltprogramms UNEP auf dem Globalen Umweltministerforum
auf der südkoreanischen Insel Jeju. UNEP rief deshalb die
internationale Staatengemeinschaft zu sofortiger Hilfe für
die Inseln auf.
«Kleine Inseln im Indischen Ozean und im Pazifik sind
einige der verwundbarsten Länder der Erde», mahnte
UNEP-Direktor Klaus Töpfer. Als Beispiel nannte das UNEP
in einer Studie die pazifische Inselrepublik Nauru. Deren «blaugrüne
Küstenlinie» habe nichts mit einem «azurnen,
schönen» Meer zu tun. Die Farbe stamme vom Müll,
insbesondere Bergen weggeworfener Bierdosen. Die unangemessene
Beseitigung von Abfällen habe in manchen Inselstaaten außerdem
ein erhöhtes Risiko von Infektionskrankheiten zur Folge,
warnte das UNEP.
Die unter anderem durch Industrie und Privathaushalte verursachten
Abfälle seien jedoch nicht nur für die Gesundheit der
Menschen bedrohlich, sondern auch für deren Lebensgrundlage.
Die Einkommen der Bewohner vieler kleiner Inselstaaten hingen
vom Tourismus ab, für den jedoch von Plastik-, Haushalt-
und Industriemüll gesäumte Küsten ein ernstes Problem
seien.
Der Vorsitzende des Zusammenschlusses Kleiner Inselstaaten (AOSIS),
Jagdish Koonjul von Mauritius im Indischen Ozean, sagte, die Inseln
benötigten dringend wirksame und erschwingliche Mittel, bevor
das Müllproblem eine kritische Phase erreiche. «Das
ist ein Aufruf zum Technologietransfer.» Dabei gehe es vor
allem um die Wiederverwendung benutzter Rohstoffe und Abfall.
Das dreitägige Globale-Umweltministerforum und die 8. Sondersitzung
des UNEP-Verwaltungsrats tagen in Jeju noch bis zu diesem Mittwoch.
Die 1200 Teilnehmer, darunter Experten und Regierungsvertreter
aus 140 Ländern, diskutieren dabei unter anderem über
Maßnahmen für die Versorgung Hunderter Millionen von
Menschen mit sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen.
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