Pentagon nennt Studie über Gefahr durch Klimawandel «Spekulation»
Das Pentagon hat eine interne Studie über
die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Sicherheit
der USA und der Welt als «Spekulation» bezeichnet.
Washington/Potsdam (dpa) - Die Verfasser des Papieres, über
das die britische Tageszeitung «Observer» vor kurzem
berichtet hatte, waren zu dem Schluss gekommen, dass die internationale
Sicherheit durch Umweltveränderungen mehr gefährdet
werden könnte als durch Terrorismus.
Es handele sich um eine von vielen Einschätzungen und Untersuchungen
aller möglichen Szenarien, die Auswirkungen auf die USA haben
könnten, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten
Erklärung des leitenden Autors der Studie, Andrew Marshall.
Er steht an der Spitze einer Pentagon-Abteilung, die ähnlich
wie Denkfabriken mögliche Konstellationen in der Zukunft
untersucht.
In der im Oktober 2003 fertig gestellten Studie wird spekuliert,
dass durch Klimawechsel entstehende Knappheit an Trinkwasser und
Energie zu Anarchie und Kriegen zur Aneignung oder auch Verteidigung
der kostbaren Ressourcen führen könnte. Staaten könnten
sich sogar veranlasst sehen, Nuklearwaffen zum Schutz ihrer Reserven
zu entwickeln. Marshall erklärte dazu, obwohl es bei diesem
Thema «bedeutenden wissenschaftliche Grundlagen» gebe,
seien viele der in der Studie enthaltenen Voraussagen nur Spekulation.
Nach Berichten über die Studie könnten zum Beispiel
in Großbritannien bereits zwischen 2010 und 2020 sibirische
Kälte herrschen und die Küsten Hollands durch Sturmfluten
unbewohnbar werden.
Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
sagte in einem dpa-Gespräch, die Studie mache keine konkreten
Vorhersagen. «Die Pentagon-Mitarbeiter haben nur beschrieben,
was passieren könnte, wenn der Nordatlantikstrom auf einmal
abreißen würde.» Diese Ozeanströmung bringt
derzeit warmes Wasser nach Europa. Sie könnte aber bei steigender
globaler Erwärmung durch verstärkte Niederschläge
und Schmelzwasser aus Grönland abgeschwächt werden.
«Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass sich der Nordatlantikstrom
schon zwischen 2010 und 2020 verabschiedet.»
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