Droht China der ökologische Selbstmord?
Der wirtschaftliche Boom in China hat eine gefährliche
Schattenseite: Große Umweltprobleme und neue Krankheiten
bedrohen Land und Menschen.
Hamburg (vv) - Der ansteigende Konsum nach westlichem Vorbild
wird die negativen Folgen für die Umwelt weiter verstärken
und globale Konsequenzen haben. Das berichtet das Wissensmagazin
"National Geographic Deutschland" in seiner März-Ausgabe.
In fast allen großen Städten Chinas herrsche heute
ernsthafte Wasserknappheit. Außerdem gelangten große
Teile der Abwässer immer noch ungeklärt in Flüsse
und Seen. Die extrem schlechte Atemluft in den Städten und
auf dem Land habe zu einer beängstigenden Zunahme zahlreicher
Lungenerkrankungen geführt, ebenso würden immer häufiger
Tumore aufgrund verunreinigter Abwässer diagnostiziert. Chinas
Reichtum habe dem Land viele Probleme gebracht, die auch den Rest
der Welt bedrohten: So fegen jedes Frühjahr Stürme über
chinesisches Ackerland und wirbeln eine Staubwolke auf, die Schadstoffe
aus den Städten mit auf ihre Reise mitnimmt. 2001 erreichte
diese Wolke sogar die Ostküste der USA.
Besorgniserregend sind schon jetzt die Treibhausemissionen der
Volksrepublik. Sollte aber der Autobesitz je amerikanisches Niveau
erlangen, würde es auf Chinas Straßen 600 Millionen
PKW geben. Das wären mehr als auf der restlichen Welt. Die
Luftverschmutzung und Kohlendioxid-Belastung würden ungeahnte
Ausmaße erreichen. Aufgrund der großen Wasserprobleme
drohen schlechte Getreideernten. Wenn China mit seinen 1,3 Milliarden
Menschen den Bedarf an Lebensmitteln mit Importen decken müsste,
würde das die Preise auf dem Weltmarkt stark in die Höhe
treiben.
Das ökologische Gewissen in China regte sich, als 1988
der Jangtse über seine Ufer stieg und 4000 Menschen ums Leben
kamen. Die Regierung habe der Umweltfrage inzwischen zwar einen
hohen Stellenwert eingeräumt und Abholzungsverbote erlassen
sowie Programme zur Wiederaufforstung eingerichtet. Vielfach gebe
es aber Gesetzeslücken oder einen zu laschen Umgang mit Umweltsündern.
Immerhin sei sich auch die staatliche Umweltbehörde sicher,
dass die ökologische Frage die Stabilität und den Wohlstand
des Landes und der Menschen in China entscheidend beeinflussen
würde.
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