«Rettet Leben»: Neue Diskussion um Tempolimit auf
Autobahnen
Nach dem Urteil gegen den so genannten Autobahnraser
von Karlsruhe ist die Diskussion um ein generelles Tempolimit
auf Autobahnen wieder entbrannt.
Berlin (dpa) - Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
Reinhard Weis, sagte am Freitag: «Ein Tempolimit wäre
sicher ein wirksames Mittel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.»
Von einem Gesetzesvorstoß auf Bundesebene hält er allerdings
nichts. Erst müssten die einzelnen Länder zu einem einheitlichen
Bild kommen. Der Fraktions-Vize der Grünen, Reinhard Loske,
forderte in der «Berliner Zeitung»: «Das Vernünftigste
wäre, wir würden auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit
von 130 Stundenkilometern einführen.»
Widerspruch kam vom Bundesverkehrsministerium, von der Opposition
und vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). «Wir
setzen auf die Vernunft der Menschen», sagte Ministeriumssprecher
Felix Stenschke. Tempolimits werde es dort geben, wo es notwendig
sei. ADAC-Sprecher Dieter Wirsich sagte: «Wir sind der Meinung,
dass Tempolimits auch unter dem Eindruck des jüngsten drastischen
und tragischen Falles nicht geeignet sind, rücksichtsloses
Verhalten auf Straßen zu bekämpfen.»
Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Dirk Fischer,
warnte vor einer «ideologischen Diskussion». Er halte
flexible Verkehrsregelungen für wirkungsvoller als ein generelles
Tempolimit. Die FDP-Generalsekretärin, Cornelia Pieper, bezeichnete
die Grünen als «Verbotsfetischisten der Republik».
Der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland
(VCD), Gerd Lottsiepen, argumentierte: «Es ist eine Tatsache,
dass ein Tempolimit Leben rettet.» Die Vorsitzende der Deutschen
Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer, Angelika
Oidtmann, kritisierte in der «Berliner Zeitung»: «Angesichts
der Tatsache, dass null Promille und ein Tempolimit bisher vom
Bundesverkehrsministerium abgelehnt wurden, macht es sich mitschuldig
an weiteren schweren Verkehrsunfällen.»
Das Amtsgericht Karlsruhe hatte am Mittwoch einen DaimlerChrysler-
Ingenieur zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.
Der Mann habe durch Drängelei auf der Autobahn den Unfalltod
einer Frau und ihrer kleinen Tochter verursacht.
|