vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 23.01.2004 -

 

 

 

 

Außenpolitik:

Umdenken und neue Aufmerksamkeit in Afrika - und Deutschland

Von einer «Wende» in der deutschen Afrikapolitik mag der Bundeskanzler am Ende seiner Afrikareise nicht sprechen, aber von einer «neuen Aufmerksamkeit».

Von Dieter Ebeling, dpa

Pretoria (dpa) - Unbekanntes Land hat Bundeskanzler Gerhard Schröder erkundet: Vier Staaten Afrikas in sechs Tagen standen auf dem Programm - Äthiopien, Kenia, Südafrika und Ghana. Und das erst im sechsten Jahr seiner Amtszeit. Und er findet jetzt, dass es so lange Zwischenräume zwischen Kanzlerbesuchen künftig nicht mehr geben sollte. Von einer «Wende» in der deutschen Afrikapolitik mag er aber nicht sprechen, lieber von einer «neuen Aufmerksamkeit». Die freilich gilt nicht nur den Staaten Afrikas - auch umgekehrt wurde dem Kanzler auf jeder Station seiner Reise bedeutet, dass Deutschland - Stichwort Irakpolitik - eine neue außenpolitische Rolle spiele. «Die Welt hat sich verändert» weiß Schröder. Und das nicht erst seit seiner Afrikareise.

 


© dpa

Bundeskanzler Schröder traf in Südafrika mit Präsident Thabo Mbeki zusammen.

 

«Es ist deutlich geworden, dass Deutschland sich vor allem dort engagieren wird und will, wo es das gibt, was man Good Governance nennt. Also wo der Versuch gemacht wird, auf eigene Füße zu kommen, was wir gerne unterstützen. Wo Rechtstaatlichkeit und Demokratie durchgesetzt werden und wo der Versuch gemacht wird, regionale Zusammenschlüsse hinzubekommen», resümierte Schröder im Interview mit Deutsche Welle TV. Durch solche Zusammenschlüsse gebe es für Deutschland die Möglichkeit, sich «auf größer gewordenen Märkten zu engagieren».

Schröders Botschaft war vor allem die Ermunterung, selbst etwas zu tun. Der Kanzler sieht sich durch das große Umdenken in Afrika ermutigt, für das die 2002 gegründete Afrikanische Union und die Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD) stehen: Beide Organisationen bekennen sich zu Demokratie und Menschenrechten, nicht nur verbal. Sie sind auch bereit, sich im so genannten «Peer Review» einer kritischen Inspektion durch andere afrikanische Regierungen zu unterwerfen, haben aber ihre Bewährungsproben noch vor sich.

Die Winde des Wandels, die in Afrika nach dem Ende des Kalten Krieges eine Reihe von Diktatoren und Autokraten wie beispielsweise Äthiopiens Mengistu Haile Mariam und Kenias Daniel arap Moi hinweggefegt haben, sind nicht nur eine Chance für Afrika, sondern auch für Europa, findet der Kanzler. Wirtschaftlich, aber auch sicherheitspolitisch. «Wir haben ein eigenes Interesse daran, dass mehr Stabilität in diesen Kontinent kommt, ein eigenes, auch sicherheitspolitisches Interesse», sagt Schröder im Interview. «Die Bekämpfung des internationalen Terrorismus wird nur gelingen, wenn es gelingt, den Menschen in Afrika eine positive Perspektive zu geben - eine, die ihnen Leben und manchmal auch nur Überleben ermöglicht.»

Dass die reformorientierten Staaten belohnt und die Kräfte des Beharrens ignoriert werden, ist in dieser Deutlichkeit auch für die deutsche Afrikapolitik eine Herausforderung. Geld soll künftig den demokratischen Neuanfang unterstützen. So brachte Schröder dem «neuen Kenia» von Präsident Mwai Kibaki eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe und die Bereitschaft zu Polizei- und Geheimdienstzusammenarbeit mit. Freilich tun sich auch die Deutschen mit der Umstellung noch schwer: Tansania, das mit seiner kollektivistischen Ujamaa-Politik unter dem sozialistischen Präsidenten Julius Nyerere einst der deutschen 68er-Generation der Entwicklungspolitiker lieb und vor allem teuer war und auch jetzt immer noch nicht zur Kategorie der «Hoffnungsträger» gerechnet werden kann, steht nach wie vor in der Gnadensonne Berlins. Demnächst kommt sogar Bundespräsident Johannes Rau in der deutschen Ex-Kolonie vorbei.

Schröder hat sich bei seiner ersten wirklichen Begegnung mit dem Kontinent als gut vorbereitet erwiesen: Auch das Werk von Entwicklungsstaatssekretärin Uschi Eid (Grüne), seiner persönlichen Afrikabeauftragten, und des außenpolitischen Kanzlerberaters Bernd Mützelburg, einst ein mutiger Botschafter in Kenia. Offen wollte er sein, sagt der Kanzler, mit wenig Vorurteilen und Erwartungen. «Das berührendste Erlebnis» seien die Kinder der Ärmsten gewesen, die in der evangelischen deutschen Schule von Addis Abeba unterrichtet werden. Und so nimmt er auch dieses mit nach Hause: «Naja, wir diskutieren schon manchmal Probleme auf sehr, sehr hohem Niveau. Und viele meiner Kollegen haben mir gesagt: Wenn ich Eure Probleme hätte, dann ginge es mir gut.» Am Samstagabend ist er wieder in Berlin. Zurück in der deutschen Diskussion.

 

 Mehr Informationen:

Bundesregierung

Nepad

Auswärtiges Amt

BMZ

 

 Lesen Sie auch:

Schröder: Hilfe für Afrika liegt im eigenen Interesse

Reise: Der Kanzler entdeckt Afrika

Jahr der Rebellen in Afrika: Neben Konflikten Hoffnungen auf Frieden

Krisen haben Hochkonjunktur: Verstärkt Forderung nach "großem Wurf"

Südafrika: Konzert der Superlative krönt Mandelas Aids-Kampagne

Afrika: Bald 20 Millionen Aids-Waisen

Trend gebrochen: Zahl der Hungernden auf der Welt steigt wieder an

Wassermangel: 2025 ein Drittel der Menschheit betroffen?

"Vergessener Kontinent": Grönemeyer wirbt um Aufmerksamkeit für Afrika

Kongo: Diamanten sind die besten Freunde der Milizen

Welternährungstag: Alle sechs Sekunden verhungert ein Kind

Khat statt Mathe: In Somalia gehen nur wenige Kinder zur Schule

Kinderhandel in Afrika: Ein Fahrradwunsch führt in die Sklaverei

"Vergessene Katastrophen": Terrorismus-Kampf zieht Hilfsgelder ab

UN: Kampf gegen Armut macht Fortschritte

Armut: 10 Millionen Kinder sterben pro Jahr - Zwei Drittel wären zu retten

Kindersoldaten leiden lebenslang: "Afrikas Kriege sind Kinderkriege"

Afrikas Reformweg: Korrekte Weichenstellung, aber noch wenig Schwung

Auch Afrikaner Opfer des Irak-Kriegs: Weniger Hilfe für Hungernde

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2004
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung