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- 21.01.2004 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weltsozialforum endet: «An Millionen kann man nicht vorbeiregieren»

Die Ergebnisse des Weltsozialforums sind schwer messbar, und sie verändern die Welt nicht schnell - trotzdem bewirken die Globalisierungskritiker etwas.

Von Can Merey, dpa

Bombay (dpa) - Die beeindruckendste Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos fand rund siebentausend Kilometer entfernt statt: Während am Mittwoch in dem verschneiten Schweizer Alpenort die Mächtigen der Welt zusammenkamen, marschierten zehntausende Globalisierungskritiker zum Ende des bislang größten Weltsozialforums durch die staubigen Straßen im indischen Bombay. Ihre zentrale Parole: «USA raus aus dem Irak.» Sechs Tage lang diskutierten sie über Wege zu einer besseren Welt. Ihre Ergebnisse sind schwer messbar, und sie verändern die Welt nicht schnell - trotzdem bewirken die Globalisierungskritiker etwas.

Die Fehlentwicklung der Globalisierung werden längst auch beim Weltwirtschaftsforum diskutiert, als dessen Gegenpol das Weltsozialforum (WSF) 2001 im brasilianischen Porto Alegre aus der Taufe gehoben wurde. Und die Bewegung wächst: Obwohl das Treffen in diesem Jahr erstmals von Südamerika nach Asien wanderte, kamen bis zu 120.000 Menschen aus 151 Ländern unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich» zusammen; weit mehr also als die 100.000 des vergangenen Jahres. Zum ersten WSF waren 15.000 Menschen gekommen.

Geist einer globalen Bewegung

Von Politikverdrossenheit ist bei den vielen jungen Menschen aus aller Welt in Bombay denn auch nichts zu spüren, eher vom Geist einer globalen Bewegung - es wäre die erste seit der Friedensbewegung. Die meisten der Globalisierungskritiker, die sich unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich» versammelten, schätzen ihre Möglichkeiten realistisch ein: Sie werden keine Revolution starten. Es geht darum, Aktionen zu vereinbaren, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen - der Weg zu einer besseren Welt ist langwierig und mühsam.

Das Weltsozialforum selbst kann keine Beschlüsse fassen oder Kampagnen starten - was seine Kritiker bemängeln. Es versteht sich seit Anbeginn als offenes Treffen, wo jeder zu Wort kommen kann und sich niemand Abstimmungen unterordnen muss. «Wenn wir anfangen, wie bei einem Parteitag mit Mehrheitsbeschlüssen Forderungen zu verabschieden, kommt nächstes Mal die Minderheit nicht mehr», sagt Sven Giegold vom Koordinationsrat von Attac Deutschland. Mit Blick auf die Kritiker meint er: «Die verstehen nicht, dass hier ständig Aktionen beschlossen werden.»

Weltweite Demonstrationen gegen Besetzung des Iraks

Auch wenn der Vorschlag der indischen Starautorin Arundhati Roy unterging, zwei US-Konzerne «dicht zu machen», die am Irak-Krieg profitierten, gab es doch konkrete Ergebnisse: So verabredeten Gruppen aus zahlreichen Ländern weltweite Demonstrationen gegen die Besetzung des Iraks am 20. März, dem ersten Jahrestag des US-Angriffs. Dass sie zwar Krieg nicht verhindern, aber für Unruhe sorgen können, haben sie bereits bewiesen: Zu den weltweiten Demonstrationen am 15. Februar vergangenen Jahres, die beim WSF 2003 beschlossen wurden, gingen Millionen auf die Straße.

«Ich glaube schon, dass die Bewegung Erfolg haben wird», sagt der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef von Larcher, der unter den ersten Attac-Mitgliedern in Deutschland war. «Man kann nicht dauerhaft an Millionen Menschen vorbei Politik machen.» Und Kai Burmeister vom Bundesvorstand der Jungsozialisten warnt davor, das Forum zu verspotten. «Es ist ein Signal von Menschen aus allen Kontinenten, die sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und eine Änderung der Welthandelsordnung einsetzen. Das sind ernste Themen, das ist also durchaus kein Karneval», sagt er. «Aber Spaß macht's trotzdem. Und es ist kein Widerspruch, wenn Politik mal Spaß macht.»

Den Mächtigen in Davos möchte Sven Giegold von Attac mit auf den Weg geben: «Nachdem die Sozialforumsbewegung wieder gezeigt hat, wie viele Menschen hinter ihr stehen, sollten die selbsternannten Herrscher in Davos endlich begreifen, dass sie in der Minderheit sind. Und sie sollten sich nicht einbilden, die Welt nach ihren Vorstellungen regieren zu können.»

 


© dpa

Junge Inderin auf dem Weltsozialforum

 

 Mehr Informationen:

World Social Forum 2004

Weltsozialforum (dt. Info-Portal)

Attac

vista verde: Globalisierung

 

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