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Weltsozialforum endet: «An Millionen
kann man nicht vorbeiregieren»
Die Ergebnisse des Weltsozialforums
sind schwer messbar, und sie verändern die Welt nicht schnell
- trotzdem bewirken die Globalisierungskritiker etwas.
Von Can Merey, dpa
Bombay (dpa) - Die beeindruckendste
Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos fand rund
siebentausend Kilometer entfernt statt: Während am Mittwoch
in dem verschneiten Schweizer Alpenort die Mächtigen der
Welt zusammenkamen, marschierten zehntausende Globalisierungskritiker
zum Ende des bislang größten Weltsozialforums durch
die staubigen Straßen im indischen Bombay. Ihre zentrale
Parole: «USA raus aus dem Irak.» Sechs Tage lang diskutierten
sie über Wege zu einer besseren Welt. Ihre Ergebnisse sind
schwer messbar, und sie verändern die Welt nicht schnell
- trotzdem bewirken die Globalisierungskritiker etwas.
Die Fehlentwicklung der Globalisierung
werden längst auch beim Weltwirtschaftsforum diskutiert,
als dessen Gegenpol das Weltsozialforum (WSF) 2001 im brasilianischen
Porto Alegre aus der Taufe gehoben wurde. Und die Bewegung wächst:
Obwohl das Treffen in diesem Jahr erstmals von Südamerika
nach Asien wanderte, kamen bis zu 120.000 Menschen aus 151 Ländern
unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich»
zusammen; weit mehr also als die 100.000 des vergangenen Jahres.
Zum ersten WSF waren 15.000 Menschen gekommen.
Geist einer globalen Bewegung
Von Politikverdrossenheit ist
bei den vielen jungen Menschen aus aller Welt in Bombay denn auch
nichts zu spüren, eher vom Geist einer globalen Bewegung
- es wäre die erste seit der Friedensbewegung. Die meisten
der Globalisierungskritiker, die sich unter dem Motto «Eine
andere Welt ist möglich» versammelten, schätzen
ihre Möglichkeiten realistisch ein: Sie werden keine Revolution
starten. Es geht darum, Aktionen zu vereinbaren, Kontakte zu knüpfen,
sich auszutauschen - der Weg zu einer besseren Welt ist langwierig
und mühsam.
Das Weltsozialforum selbst kann
keine Beschlüsse fassen oder Kampagnen starten - was seine
Kritiker bemängeln. Es versteht sich seit Anbeginn als offenes
Treffen, wo jeder zu Wort kommen kann und sich niemand Abstimmungen
unterordnen muss. «Wenn wir anfangen, wie bei einem Parteitag
mit Mehrheitsbeschlüssen Forderungen zu verabschieden, kommt
nächstes Mal die Minderheit nicht mehr», sagt Sven
Giegold vom Koordinationsrat von Attac Deutschland. Mit Blick
auf die Kritiker meint er: «Die verstehen nicht, dass hier
ständig Aktionen beschlossen werden.»
Weltweite Demonstrationen gegen
Besetzung des Iraks
Auch wenn der Vorschlag der indischen
Starautorin Arundhati Roy unterging, zwei US-Konzerne «dicht
zu machen», die am Irak-Krieg profitierten, gab es doch
konkrete Ergebnisse: So verabredeten Gruppen aus zahlreichen Ländern
weltweite Demonstrationen gegen die Besetzung des Iraks am 20.
März, dem ersten Jahrestag des US-Angriffs. Dass sie zwar
Krieg nicht verhindern, aber für Unruhe sorgen können,
haben sie bereits bewiesen: Zu den weltweiten Demonstrationen
am 15. Februar vergangenen Jahres, die beim WSF 2003 beschlossen
wurden, gingen Millionen auf die Straße.
«Ich glaube schon, dass
die Bewegung Erfolg haben wird», sagt der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete
Detlef von Larcher, der unter den ersten Attac-Mitgliedern in
Deutschland war. «Man kann nicht dauerhaft an Millionen
Menschen vorbei Politik machen.» Und Kai Burmeister vom
Bundesvorstand der Jungsozialisten warnt davor, das Forum zu verspotten.
«Es ist ein Signal von Menschen aus allen Kontinenten, die
sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und eine Änderung
der Welthandelsordnung einsetzen. Das sind ernste Themen, das
ist also durchaus kein Karneval», sagt er. «Aber Spaß
macht's trotzdem. Und es ist kein Widerspruch, wenn Politik mal
Spaß macht.»
Den Mächtigen in Davos möchte
Sven Giegold von Attac mit auf den Weg geben: «Nachdem die
Sozialforumsbewegung wieder gezeigt hat, wie viele Menschen hinter
ihr stehen, sollten die selbsternannten Herrscher in Davos endlich
begreifen, dass sie in der Minderheit sind. Und sie sollten sich
nicht einbilden, die Welt nach ihren Vorstellungen regieren zu
können.»
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