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- 19.01.2004 -

 

 

 

 

 

 

 

Schröder: Hilfe für Afrika liegt im eigenen Interesse

Deutschland will den nach Demokratie strebenden «Reformstaaten» Afrikas auch in Zukunft helfen, stabile und demokratische Staatswesen aufzubauen.

Addis Abeba (dpa) - Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Montag bei einem Besuch der Zentrale der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba (Äthiopien), die Verantwortung für die Entwicklung Afrikas sei nicht nur eine Frage der Moral: «Dies ist auch eine Frage der ökonomischen und politischen Vernunft.» «Niemand kann in Sicherheit leben, wenn es in seiner Nachbarschaft Unsicherheit und Streit gibt.»

Zum Auftakt seiner sechstägigen Afrika-Reise sagte der Kanzler in der äthiopischen Hauptstadt: «Kriegerische Auseinandersetzungen, zerfallene Staaten, Armut und Unterentwicklung sind Gefahren, die vor den Grenzen von Staaten und Kontinenten ebenso wenig Halt machen wie Epidemien und Flüchtlingsströme.»

Unmittelbar zuvor hatte Schröder im Gespräch mit dem äthiopischen Ministerpräsidenten Meles Zenawi gemahnt: «Wir waren uns einig, dass wir dafür sorgen müssen, dass die Chancen der Globalisierung nicht nur den Industriestaaten zu Gute kommen, sondern dass auch die Entwicklungsländer eingeschlossen werden.» Schröder hatte an Zenawi auch appelliert, die Empfehlungen einer internationalen Kommission zum Verlauf der Grenze mit Eritrea anzunehmen. Zenawi versicherte: «Dieser Konflikt darf nur durch friedliche Mittel gelöst werden.»

Der Bundeskanzler forderte in seiner als «Grundsatzrede» angekündigten Ansprache die afrikanischen Politiker auf, das von der Afrikanischen Union und dem Wirtschaftsbündnis NEPAD vereinbarte Kontrollverfahren zur Einhaltung von Demokratie und «guter Regierungsführung» und Achtung der Menschenrechte auch zu verwirklichen: «Jetzt müssen die AU und die afrikanischen Regierungen zeigen, dass sie es mit dem Mechanismus gegenseitiger Kontrolle auch wirklich ernst meinen.»

Afrika Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit

«Für Deutschland bleibt Afrika Schwerpunkt unserer entwicklungspolitischen Zusammenarbeit», sagte der Kanzler vor rund 300 afrikanischen Diplomaten. «Wir sollten gemeinsam, ohne die Probleme Afrikas klein zu reden, aber doch mit Vertrauen und Zuversicht, nach vorne blicken.» Schröder sagte: «Freiheit, Wohlstand und nachhaltige Entwicklung sind nur in einem Umfeld von Sicherheit zu erreichen. Deshalb müssen wir nicht nur die Unsicherheit, sondern auch die Ursachen von Unsicherheit und Gewalt energisch bekämpfen.»

Schröder will bei seiner Afrikareise, die ihn auch nach Kenia, Südafrika und Ghana führt, vor allem die eigenen Bemühungen der Afrikaner unterstützen: «Ich möchte betonen, wie hoch gerade bei uns in Deutschland die Bereitschaft der Afrikaner geschätzt wird, die Entwicklung mehr als bisher selbst in die Hand zu nehmen. Afrikas Weg der Modernisierung kann nur von Afrika ausgehen.» Die gemeinsamen Bemühungen um mehr Sicherheit und Frieden seien aber zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht auch die Bekämpfung von Aids und anderen Krankheiten sowie den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen umfassten.

Für größere Marktöffnung der EU

Schröder plädierte auf Fragen von AU-Delegierten nachdrücklich für eine größere Marktöffnung der EU. Dazu gehöre beispielsweise, dass die EU nicht Produkte subventionieren dürfe, mit denen Marktchancen anderer verhindert würden. «Ich halte es für falsch, dass wir eine Marktöffnung wollen, aber gleichzeitig in Spanien und Griechenland den Anbau von Baumwolle subventionieren.»

Der Kanzler stellte Äthiopien in Aussicht, bald von einer Streichung der Altschulden profitieren zu können, die beim G-8-Gipfeltreffen in Köln beschlossen worden waren. Deutschland und Äthiopien unterzeichneten auch ein Abkommen zur Investitionssicherung.

 

 Mehr Informationen:

Bundesregierung

Nepad

Auswärtiges Amt

BMZ

 

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