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- 23.12.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rüstung:

Immer mehr Waffen für den Frieden auf Erden

Auf der erklärten Suche nach Frieden und Demokratie bewaffnet sich die Welt bis an die Zähne.

Von Herbert Winkler, dpa

Hamburg (dpa) - Angeführt wird die Welt dabei von der Supermacht USA, die hauptverantwortlich für den Anstieg der Militärausgaben ist und den Löwenanteil der internationalen Waffenlieferungen bestreitet. Sie hält außerdem die Spitze bei der Entwicklung neuartiger Waffen und der sich anbahnenden militärischen «Eroberung des Weltraums». Dabei liegen auf der Erde noch millionenfach die Reste vergangener Schlachten.

Die stärkste Antriebskraft des Rüstens ist seit den Angriffen des 11. September 2001 der Kampf gegen den Terrorismus. Er rechtfertigt nach Auffassung Washingtons die militärische Unterstützung auch von Problemstaaten wie Armenien, Aserbeidschan, Indien, Pakistan oder Tadschikistan, denen früher Waffenhilfe versagt blieb. Restriktionen wurden als Lohn für die Beteiligung am Anti-Terror-Kampf aufgehoben.

Im Jahr 2002 stiegen die weltweiten Militärausgaben nach Feststellung des Stockholmer Instituts für Friedensforschung (SIPRI) um sechs Prozent auf 794 Milliarden Dollar, und der Trend hat 2003 wahrscheinlich angehalten. Verglichen damit sind die Mittel, die für die Nothilfe an 45 Millionen Menschen in 21 Krisengebieten ausgegeben werden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das hat UN-Generalsekretär Kofi Annan in einem Hilfsappell verdeutlicht. Er rief Geberländer dazu auf, im nächsten Jahr drei Milliarden Dollar für 1086 Projekte zu geben, und mahnte eine größere Unterstützung an.

Für die jüngste Zunahme der Militärausgaben sind fast nur die USA verantwortlich, doch stehen sie schwerlich allein. China, Indien und Russland nehmen die nächsten Plätze der Rangliste ein. Relativ am meisten wird im Nahen Osten mit 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Rüstung ausgegeben.

Die USA haben auch ihre Spitzenposition als Lieferant konventioneller Waffen ausgebaut. 2002 kamen nach Ermittlungen des Congressional Research Service in Washington 45,5 Prozent der Exporte im Gesamtwert von fast 30 Mrd. Dollar aus Fabriken der Supermacht. Rüstungsgüter für 8,6 Mrd Dollar gingen allein an Entwicklungsländer. Die USA sind aber nicht das einzige Land, das am Waffenhandel an die Dritte Welt verdient. Russland lieferte Militärgüter für 5,0 Mrd., Frankreich für 1,0 Mrd.; insgesamt ging Kriegsmaterial im Wert von 17,7 Mrd. Dollar in diese Regionen.

Dabei hat vor allem die Dritte Welt ohnehin schwer an den Folgen früherer Kämpfe zu tragen. Zwischen 100 und 200 Millionen Landminen liegen immer noch in mehr als 60 Ländern. Jeden Monat werden mehr als 2000 Menschen Opfer der heimtückischen Hinterlassenschaft. International vereinbarte Verbote gegen Export und Einsatz richten sich gegen Anti-Personen-Minen älterer Bauart. Eine neue «intelligente» Generation solcher Minen, die mit Sensoren und Mikrochips ausgestattet sind und aus der Luft gestreut werden können, wird weiterhin hergestellt und eingesetzt, zuletzt in Kosovo, Afghanistan und Irak.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es immerhin. In zwei bis drei Jahren dürfte ein neues Abrüstungsprotokoll in Kraft treten, mit dem sich Regierungen einschließlich der amerikanischen verpflichten, nach Kampfhandlungen Munitionsrückstände aller Art zu beseitigen. Doch Streumunition, für bis zu 30 Prozent der Blindgänger verantwortlich, ist ausgenommen. Dazu sollen Maßnahmen erst noch «geprüft» werden.

Auch einem anderen mörderischen Aspekt der irdischen Realität rücken die Vereinten Nationen eher langsam zu Leibe, und dies ohne Unterstützung Washingtons: der massenhaften Verbreitung kleiner und leichter Waffen. Die UN haben ein Aktionsprogramm gegen den illegalen Handel mit solchen Waffen beschlossen; im Sommer 2006 soll in New York auf einer Konferenz Bilanz der Umsetzung gezogen werden.

Die Zeit drängt, denn, so sagt die Weltorganisation: «Mindestens 500.000 Menschen sterben jährlich durch kleine und leichte Waffen. Von den geschätzt vier Millionen Toten bei Kriegshandlungen der neunziger Jahre waren 90 Prozent Zivilisten und 80 Prozent davon Frauen und Kinder. Die meisten starben durch Handfeuerwaffen.»

 


© ArtToday

Die Welt trägt noch an den Folgen früherer Kämpfe: Zwischen 100 und 200 Millionen Landminen liegen immer noch in mehr als 60 Ländern. Jeden Monat werden mehr als 2000 Menschen Opfer der heimtückischen Hinterlassenschaft.

 

 Mehr Informationen:

SIPRI

Kampagne für ein Verbot aller Landminen

Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung

GKKE: Rüstungsexport- bericht 2003 (pdf)

Wikipedia: Krieg - Bewaffneter Konflikt

 

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