|
UN-Prognose: Weltbevölkerung im
Jahr 2300 bei 9 Milliarden
Die Erde wird in 300 Jahren
rund neun Milliarden Menschen beherbergen. Fast 40 Prozent von
ihnen werden Senioren sein.
New York/Berlin (dpa) - Diese
Prognose von Experten haben die Vereinten Nationen am Dienstag
in New York veröffentlicht. Während die Einwohnerzahlen
in Europa den Berechnungen zufolge leicht zurückgehen, wird
sich die Bevölkerung allein in Afrika fast verdreifachen.
Zudem dürften im Jahr 2300 etwa 38 Prozent der Weltbevölkerung
älter als 60 Jahre sein. Das wäre das Vierfache des
heutigen Seniorenanteils.
Für Deutschland erwarten
die Vereinten Nationen bis 2050 einen leichten Bevölkerungsrückgang
von 82,3 auf 79,1 Millionen, bis 2300 aber wieder einen Zuwachs
auf dann 85,3 Millionen. Grundlage dafür sei die Annahme,
dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von derzeit 1,4
auf 2,1 steigt, erklärte Carl Haub vom Washingtoner Population
Reference Bureau in Berlin. Sollte das derzeitige Geburtenniveau
aber konstant bleiben, werde die deutsche Bevölkerung in
den kommenden 300 Jahren auf die Größe Berlins zusammenschrumpfen.
Die Prognose, dass die Weltbevölkerung
von jetzt 6,3 auf 9 Milliarden wächst, basiert auf der Annahme,
dass jede Frau weltweit im Durchschnitt zwei Kinder zur Welt bringen
wird. Doch schon geringfügige Abweichungen könnten diese
Voraussage entscheidend verändern, warnen die Fachleute.
Sollte sich der Kindersegen pro Frau weltweit bei durchschnittlich
1,85 Kindern stabilisieren, könnte die Weltbevölkerung
bis zum Jahr 2300 drastisch auf 2,3 Milliarden sinken. Umgekehrt
würden 2,35 Babys pro Erdenbürgerin bis 2300 zu einer
Weltbevölkerung von 36,4 Milliarden führen.
Rein theoretisch könnte die
Menschheit - bei ihrer derzeitigen Fruchtbarkeitsrate - bis 2300
sogar auf 134 Billionen anwachsen, heißt es in dem UN-Bericht.
Das hieße, dass sich schon im Jahr 2150 rund 244 Milliarden
Menschen den Globus und alle seine Ressourcen teilen müssten.
Dieses Szenario schließt die demographische Abteilung der
Vereinten Nationen in New York unter ihrem Direktor Joseph Chamie
allerdings aus. Vielmehr mussten die Experten ihre frühere
Prognose von 10 bis 12 Milliarden Menschen angesichts der sinkenden
Geburtenzahlen bereits auf 9 Milliarden nach unten korrigieren.
Der neue UN-Bericht «World
Population 2300» soll Fachleuten aus aller Welt bei der
Entwicklung neuer Strategien für die Bevölkerungspolitik
dienen. Europa würde nach den neuen Berechnungen anteilig
nur noch halb so viele Einwohner stellen - 7 statt der gegenwärtig
12 Prozent der Weltbevölkerung. Afrika werde seinen Anteil
dagegen von 13 auf 24 Prozent ausbauen. Das Bevölkerungswachstum
bis 2300 finde zu 99 Prozent in den Entwicklungsländern statt,
teilte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mit. Trotz
rückläufiger Geburtenrate werde die Bevölkerung
allein in den ärmsten Ländern in den kommenden 300 Jahren
von 700 Millionen auf 2 Milliarden steigen.
DSW-Sprecherin Stefanie Ettelt
erklärte, der angenommene Rückgang der Geburtenrate
von 5,3 auf 2,5 in den Entwicklungsländern sei aber nur realistisch,
wenn in den kommenden Jahren erheblich mehr Mittel in Aufklärung
und Familienplanung investiert würden. Haub kritisierte,
die Industriestaaten hätten bislang weniger als die Hälfte
der Gelder zur Verfügung gestellt, die sie 1994 bei der Bevölkerungskonferenz
in Kairo für derartige Maßnahmen zugesagt hätten.
Auch in Deutschland wurden nach DSW-Angaben die Zahlungen an den
UN-Bevölkerungsfonds seit 1998 von etwa 20 auf 7 Milliarden
Euro gekürzt.
Die Deutschen werden in drei Jahrhunderten
durchschnittlich 53 Jahre alt sein statt jetzt 40. Das ist auch
Ausdruck der steigenden Lebenserwartung: 104 Jahre für Männer
des Geburtsjahres 2300 und 107 Jahre für Frauen in Deutschland.
Das wäre deutlich besser als die des europäischen Durchschnitts
mit 100 beziehungsweise 102 Jahren.
|