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- 05.12.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

Atomgeschäfte: Rot-Grün droht «Glaubwürdigkeits-GAU»

Das Anti-Atom-Prinzip der Grünen wird in ihrer Eigenschaft als Regierungspartner in diesen Tagen arg strapaziert.

Von Dorothea Hülsmeier, dpa

Berlin (dpa) - Gerade hatten die Grünen noch die Abschaltung des Atomkraftwerks Stade als erfolgreichen Einstieg in den Atomausstieg gefeiert. Nun wird die Partei mit den atompolitischen Realitäten konfrontiert. Erst kam der Ärger um den wohl kaum zu verhindernden Export der Hanauer Brennelemente-Anlage nach China. Jetzt droht durch das Atomgeschäft mit Finnland eine neue Belastungsprobe. In beiden Fällen müssen die Grünen wahrscheinlich die Kröte schlucken.

Möglicherweise wird der Siemens-Konzern eine staatliche Export- Bürgschaft für den Bau eines Atomreaktors in Finnland erhalten. Die Entscheidung soll noch vor Weihnachten fallen. Ein positiver Beschluss sei «der Glaubwürdigkeits-GAU» der rot-grünen Bundesregierung, warnte der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas in der «Saarbrücker Zeitung». Die Grünen-Europaabgeordnete Heide Rühle brachte für ihre Partei den Gewissenskonflikt auf den Punkt. «Als Grüne will ich nicht hinnehmen, dass wir in Deutschland aus der Atomkraft aussteigen und zugleich die Nutzung von Atomenergie bei unseren europäischen Nachbarn fördern.»

Moralisch mögen die Grünen und SPD-Politiker eine Hermes- Bürgschaft für das Atomgeschäft mit Finnland nicht akzeptieren, rechtlich aber haben sie kaum eine Handhabe. Zwar ist staatliche Export-Förderung in der Regel Geschäften außerhalb der EU vorbehalten. Im Fall Finnland hat die Prüfung nach Angaben von Vize- Regierungssprecher Thomas Steg jedoch ergeben, dass eine Hermes- Bürgschaft nicht gegen das europäische Beihilferecht verstoßen würde.

Auch im Fall der Hanauer Brennelemente-Anlage ist der rechtliche Spielraum nach Einschätzung von Bundeskanzler Gerhard Schröder begrenzt. Das räumen auch Außenminister Joschka Fischer und andere führende Grüne ein. Auch vor zwei Jahren scheiterte der Export der Atom-Fabrik an Russland nicht etwa an rechtlichen Gründen, sondern daran, dass die Russen knapp bei Kasse waren.

Der für Deutschland beschlossene Atomausstieg bedeutet nicht, dass Kernkraft auch im Ausland ein Auslaufmodell ist. Man müsse die «Realitäten hinnehmen», dass andere Staaten neue Atomkraftwerke bauen, so Steg. Und bei den lockenden lukrativen Geschäften soll die deutsche Industrie, die bei der Atomtechnologie eine Welt- Spitzenposition hat, offensichtlich nicht hintenan stehen. Wenn Siemens und die französische Framatome den Zuschlag für das Milliardengeschäft mit Finnland nicht bekämen, dann eben ein anderes Land, sagte Steg. Davon hingen in Deutschland natürlich Arbeitsplätze ab, fügte er hinzu.

Gegner des Atomausstiegs haben immer darauf verwiesen, dass die Bundesrepublik den Spitzenplatz bei der Atomanlagen-Technik verlieren könnte, wenn künftig ein Reaktor nach dem anderen abgeschaltet werde. Die Union hat bereits angekündigt, bei einem Regierungswechsel den Atomausstieg wieder rückgängig zu machen.

 


© ArtToday

Gerade noch hatten die Grünen die Abschaltung des AKW Stade als erfolgreichen Einstieg in den Atomausstieg gefeiert. Nun wird die Partei mit den atompolitischen Realitäten konfrontiert.

 

 Mehr Informationen:

Bundesregierung

Die Grünen

BMU: Atomkraft

vista verde: Atomkraft

 

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