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Afrika: Bald 20 Millionen Aids-Waisen
Die Zahl der Aids-Waisen im
Afrika südlich der Sahara wird sich neuen UN-Schätzungen
zufolge bis zum Ende dieses Jahrzehnts nahezu verdoppeln.
Berlin (dpa) - Das Kinderhilfswerks
UNICEF rechnet im südlichen Afrika bis 2010 mit etwa 20 Millionen
Kindern, die einen oder beide Elternteile durch die Immunschwäche-Krankheit
verloren haben. Um eine weitere dramatische Zunahme der Waisen-Zahlen
zu verhindern, müssten infizierte Eltern endlich Zugang zu
Medikamenten bekommen, forderte der UN-Sonderbeauftragte für
Aids in Afrika, Stephen Lewis, am Mittwoch bei der Vorstellung
der UNICEF-Studie «Afrikas verwaiste Generationen»
in Berlin.
Bereits heute leben in Afrika
nach Schätzungen des Kinderhilfswerks 11 Millionen Aids-Waisen.
Die Hälfte von ihnen sei jünger als zehn Jahre. Die
Pflegefamilien, die diese Kinder nach dem Tod ihrer Eltern aufnehmen,
sind selten in der Lage, sie ausreichend mit Nahrungsmitteln,
Kleidung oder Medizin zu versorgen. Aus Geldmangel ihrer Adoptiveltern
müssen viele Waisenkinder darüber hinaus ihre Schulausbildung
abbrechen.
Vielen Kindern bleibt laut UNICEF
nur die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt in Minen oder
Steinbrüchen zu verdienen oder sich als Prostituierte zu
verkaufen. Die Zahl der Straßenkinder steige ständig
weiter an. «Die Tragödie der Aids-Waisen im südlichen
Afrika bedroht zunehmend die wirtschaftliche und soziale Stabilität
der Region. Wir dürfen diese Menschen nicht ihrem Schicksal
überlassen», sagte Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul (SPD).

© UNICEF
Aids-Waise
Nelinha (l) und ihre Großmutter Julia Jao (r) in
Mosambik. Nelinha ist neun Jahre alt. Nach dem Tod ihres
Vaters vor fünf Jahren wurde sie von Nachbarn zurück
nach Cachembe gebracht, in das Heimatdorf ihrer Eltern.
Ihre Großmutter Julia Jao kümmert sich um sie.
Sie weiß nicht, ob ihre Mutter noch lebt.
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UNICEF ruft zum Welt-Aids-Tag
am 1. Dezember die Regierungen und die Öffentlichkeit zur
finanziellen Hilfe für afrikanische Waisenkinder in ihren
Dorfgemeinschaften auf. Besondere Unterstützung benötigten
Pflegefamilien, Gemeinden und lokale Hilfsorganisationen. UNICEF
setzt sich darüber hinaus für die Abschaffung der Schulgebühren
für Aids-Waisen ein.
Die Organisation Ärzte ohne
Grenzen forderte die Pharmakonzerne auf, Patente für Aids-Wirkstoffe
fallen zu lassen, um die gängige Behandlung auch in ärmeren
Ländern zu vereinfachen. Der Einsatz so genannter Kombinationspräparate,
die alle notwendigen Medikamente in einer Tablette vereinen, spiele
für die dringend nötige Vereinfachung der Behandlung
in armen Ländern eine entscheidende Rolle. «Wenn die
Aids-Therapie nicht geändert wird, werden Millionen Menschen,
die heute eine Behandlung brauchen, sterben», sagte Tobias
Luppe von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.
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