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- 26.11.2003 -

 

 

 

 

 

Afrika: Bald 20 Millionen Aids-Waisen

Die Zahl der Aids-Waisen im Afrika südlich der Sahara wird sich neuen UN-Schätzungen zufolge bis zum Ende dieses Jahrzehnts nahezu verdoppeln.

Berlin (dpa) - Das Kinderhilfswerks UNICEF rechnet im südlichen Afrika bis 2010 mit etwa 20 Millionen Kindern, die einen oder beide Elternteile durch die Immunschwäche-Krankheit verloren haben. Um eine weitere dramatische Zunahme der Waisen-Zahlen zu verhindern, müssten infizierte Eltern endlich Zugang zu Medikamenten bekommen, forderte der UN-Sonderbeauftragte für Aids in Afrika, Stephen Lewis, am Mittwoch bei der Vorstellung der UNICEF-Studie «Afrikas verwaiste Generationen» in Berlin.

Bereits heute leben in Afrika nach Schätzungen des Kinderhilfswerks 11 Millionen Aids-Waisen. Die Hälfte von ihnen sei jünger als zehn Jahre. Die Pflegefamilien, die diese Kinder nach dem Tod ihrer Eltern aufnehmen, sind selten in der Lage, sie ausreichend mit Nahrungsmitteln, Kleidung oder Medizin zu versorgen. Aus Geldmangel ihrer Adoptiveltern müssen viele Waisenkinder darüber hinaus ihre Schulausbildung abbrechen.

Vielen Kindern bleibt laut UNICEF nur die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt in Minen oder Steinbrüchen zu verdienen oder sich als Prostituierte zu verkaufen. Die Zahl der Straßenkinder steige ständig weiter an. «Die Tragödie der Aids-Waisen im südlichen Afrika bedroht zunehmend die wirtschaftliche und soziale Stabilität der Region. Wir dürfen diese Menschen nicht ihrem Schicksal überlassen», sagte Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).

 


© UNICEF

Aids-Waise Nelinha (l) und ihre Großmutter Julia Jao (r) in Mosambik. Nelinha ist neun Jahre alt. Nach dem Tod ihres Vaters vor fünf Jahren wurde sie von Nachbarn zurück nach Cachembe gebracht, in das Heimatdorf ihrer Eltern. Ihre Großmutter Julia Jao kümmert sich um sie. Sie weiß nicht, ob ihre Mutter noch lebt.

 

UNICEF ruft zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember die Regierungen und die Öffentlichkeit zur finanziellen Hilfe für afrikanische Waisenkinder in ihren Dorfgemeinschaften auf. Besondere Unterstützung benötigten Pflegefamilien, Gemeinden und lokale Hilfsorganisationen. UNICEF setzt sich darüber hinaus für die Abschaffung der Schulgebühren für Aids-Waisen ein.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen forderte die Pharmakonzerne auf, Patente für Aids-Wirkstoffe fallen zu lassen, um die gängige Behandlung auch in ärmeren Ländern zu vereinfachen. Der Einsatz so genannter Kombinationspräparate, die alle notwendigen Medikamente in einer Tablette vereinen, spiele für die dringend nötige Vereinfachung der Behandlung in armen Ländern eine entscheidende Rolle. «Wenn die Aids-Therapie nicht geändert wird, werden Millionen Menschen, die heute eine Behandlung brauchen, sterben», sagte Tobias Luppe von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

 

 Mehr Informationen:

UNICEF:
- Die Studie (engl., pdf)

Ärzte ohne Grenzen

DIE ZEIT: Die
vergessene Epidemie


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