|
Gutachten: Klimaschutzziele reichen
nicht aus - Erwärmung droht
Gefährliche Veränderungen
des Klimas sind nach Ansicht von Experten nur noch zu vermeiden,
wenn der Ausstoß von Kohlendioxid weltweit stärker
zurückgefahren wird als bisher geplant.
Berlin (dpa) - Die international
vereinbarten Klimaschutzziele müssten «deutlich höher
als bisher gesetzt werden», heißt es in einem Gutachten,
das am Dienstag in Berlin an Umweltminister Jürgen Trittin
(Grüne) und Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn (SPD)
übergeben wurde.
Nach Ansicht des «Wissenschaftlichen
Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen»
(WBGU) ist nur noch eine globale Erwärmung um höchstens
weitere 1,4 Grad tolerierbar. Seit Beginn der Industrialisierung
hat sich die globale Mitteltemperatur bereits um 0,6 Grad erhöht.
Bei einer Erwärmung um mehr als 2 Grad würden gefährliche
Klimaänderungen sehr wahrscheinlich. Ohne eine konsequente
Klimaschutzpolitik werde diese Grenze im 21. Jahrhundert überschritten.
Deshalb muss nach Ansicht der
Experten der vom Menschen verursachte Ausstoß von Kohlendioxid
bis 2050 global um 45 bis 60 Prozent gegenüber 1990 gesenkt
werden. Dies bedeute, dass die Industrieländer ihren Ausstoß
von Treibhausgasen bis 2020 um mindestens 20 Prozent verringern
müssten. Bisher haben sie sich lediglich dazu verpflichtet,
die Emissionen bis 2012 um 5 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.
Das Gutachten unterstreicht nach
Ansicht von Bulmahn und Trittin die Notwendigkeit, dass schon
heute Klimaschutzstrategien entwickelt werden, die über die
bisher im Kyoto-Protokoll vereinbarten Ziele hinaus gehen. «Auch
wenn es jetzt darauf ankommt, dass das Kyoto- Protokoll in Kraft
tritt und umgesetzt wird, müssen wir schon heute darüber
nachdenken, wie die nächsten Schritte aussehen», sagte
Trittin. Er verwies darauf, dass sich die Koalitionsparteien in
Berlin darauf verständigt haben, für Deutschland eine
Minderung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent gegenüber
1990 anzustreben, wenn die EU sich insgesamt zu einer Reduzierung
um 30 Prozent verpflichtet.
Das 1997 unterzeichnete Kyoto-Protokoll
ist bisher von Russland nicht ratifiziert und deshalb in seiner
Umsetzung blockiert. Die USA sind aus der Vereinbarung völlig
ausgestiegen.
|