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- 25.11.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Runde in Mailand: Globaler Klimaschutz mit offenen Fragen

Trotz der Warnungen von Wissenschaftlern vor einer weiteren Klimaerwärmung mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur bleibt der weltweite Klimaschutz eine schwierige politische Herausforderung.

Von Edgar Bauer, dpa

Bonn (dpa) - Das zunächst gefeierte Kyoto-Protokoll ist nach wie vor Papierwerk mit offenen Fragen und nach sechs Jahren immer noch nicht in Kraft. Entgegen den hehren Bekundungen der Industrieländer zum Gegensteuern ist der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen wieder kräftig im Steigen begriffen. Unter diesen negativen Vorzeichen treffen sich die Staaten der Weltgemeinschaft zu einer weiteren UN-Verhandlungsrunde vom 1. bis 12. Dezember in Mailand.

Tausende Vertreter aus mehr als 180 Ländern werden bei der 9. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 9) einmal mehr über komplizierte Details eines Vertragswerks streiten, das überhaupt noch keine Verbindlichkeit hat. Auch in Mailand wird es, unter dem wachsamen Auge vieler Lobbyisten, wieder nur um kleinste Mosaiksteine und Geschacher in einem mühsamen Verhandlungsprozess gehen, bei dem alle Länder ihre heimische Wirtschaft möglichst vor zu kostenträchtigen Auflagen schützen wollen und bei dem immer wieder die Frage aufkommt, ob wirksamer Klimaschutz global überhaupt machbar ist. Umweltverbände rechnen den Konzernen jedoch inzwischen offensiv vor, dass sich Klimaschutz auszahlen wird.

Einig sind sich die meisten Klimaforscher, dass die Kyoto- Vereinbarungen ohnehin nicht ausreichen, um den Anstieg der Klimaerwärmung mit einhergehenden instabilen Wetterereignissen wie Stürmen, Fluten und Dürren abzubremsen und zu beschränken. Laut Kyoto-Protokoll von 1997 müssen die Industrieländer ihre Treibhausgase bis 2012 (im Vergleich zu 1990) um im Schnitt 5,2 Prozent vermindern. In seinem jüngsten Sondergutachten kommt der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung jedoch zu dem Ergebnis, dass gefährliche Klimaänderungen nur noch vermeidbar sind, wenn die vereinbarten Ziele «deutlich höher als bisher gesetzt werden».

Ein aktueller UN-Report aus diesem Jahr dämpft solche Hoffnungen. Danach ist in den reicheren Industrieländern in diesem Jahrzehnt mit einem Anstieg der Treibhausgase um im Schnitt 17 Prozent zu rechnen. Damit drohen schon die Kyoto-Ziele zur Luftnummer zu werden.

Eine Alternative zum Kyoto-Protokoll gebe es nicht, warnen die WBGU-Forscher wie auch die EU. Und sie weisen mit dem Finger auf die USA und auch Russland. Unter Führung von Präsident George Bush wandten sich die USA vor zweieinhalb Jahren vom Kyoto-Prozess ab. Die Amerikaner sind weltweit mit Abstand die größten Verursacher von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid (CO2), das beim Verbrennen von Öl, Kohle oder Gas entsteht.

Nach der Abkehr der USA richteten sich alle Hoffnungen auf Russland, dessen Mitziehen bei der Ratifizierung gebraucht wird, damit das Kyoto-Protokoll auch ohne Washington in Kraft treten kann. Doch daraus ist bislang nichts geworden. Und bis zu den russischen Wahlen im Frühjahr wird sich daran auch nichts ändern, meinen Beobachter.

Das mittlerweile von 119 Staaten ratifizierte Kyoto-Protokoll wird deshalb von Kritikern schon für tot erklärt. Das sehen seine Befürworter und Vorreiter aber nicht so. «Kyoto ist nicht tot», sagt der deutsche Delegationsleiter bei den Klimaverhandlungen, Karsten Sach vom Bundesumweltministerium. Auch Russland werde sich letztlich beteiligen. Und in den USA gebe es inzwischen wieder einen «gewissen Bewusstseinswandel, dass ein freiwilliger Ansatz allein nicht ausreicht und ein globales und verbindliches Instrumentarium erforderlich» sei.

Wolle die Weltgemeinschaft beim globalen Klimaschutz voran kommen, dürfe sie ungeachtet der Haltung der USA und Russlands nicht ihre Hände in den Schoß legen, betonte Sach. Die EU werde daher in Mailand weiter «vorangehen» und «in fester Erwartung eines In-Kraft-Tretens des Kyoto-Protokolls» mit der Umsetzung fortfahren.

Auf dem Prüfstand stehen dabei bereits eingeleitete Maßnahmen wie etwa der Emissions-Handel, die Nutzung klimafreundlicher Technologien und erneuerbarer Energien sowie Leitlinien für «saubere Entwicklungsprojekte» wie Aufforstungen. Daneben soll auch schon «über Kyoto hinaus» gedacht werden, denn die Vereinbarungen reichen nur bis zum Jahr 2012 und beziehen die Entwicklungsländer, darunter auch China, bisher nicht ein.

 


© ArtToday

Der WBGU meint, dass gefährliche Klimaänderungen nur noch vermeidbar sind, wenn die vereinbarten Ziele "deutlich höher als bisher gesetzt werden".

 

 Mehr Informationen:

WBGU: Über Kioto hinaus denken – Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert

UNFCCC: UN-Studie (pdf)

BMU: Klimaschutz

Wie funktioniert der Treibhauseffekt?

vista verde: Klima

 

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