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Sozialforum:
Globalisierungskritiker fordern ein gerechteres
Europa
Beim zweiten Europäischen
Sozialforum in Paris diskutieren rund 50.000 Globalisierungskritiker
aus aller Welt über ein «Europa der sozialen Rechte
in einer Welt ohne Krieg».
Von Esther Feinen, dpa
Paris (dpa) - «Our world
is not for sale» - Unsere Welt ist nicht käuflich -
so steht es auf knallroten Stirnbändern, die ein Straßenhändler
am Rand des großen Platzes in Paris-La Villette verkauft.
Die Jugendlichen, die sich um ihn drängen, finden das gut.
Christina kommt aus Madrid und ist mit der Globalisierung, so
wie sie ist, nicht einverstanden: «Hier zu sein, bedeutet
für mich Hoffnung, dass sich etwas ändert», sagt
die 19-jährige Studentin. Beim zweiten Europäischen
Sozialforum (ESF) in und um Paris diskutieren noch bis zum Samstag
rund 50.000 Globalisierungskritiker aus aller Welt über ein
«Europa der sozialen Rechte in einer Welt ohne Krieg».
Die Themen der mehr als 300 Großveranstaltungen
und über 400 Arbeitsgruppen sind so unterschiedlich wie die
Teilnehmer. Während die einen «Gegen den globalen und
immerwährenden Krieg» sind, diskutieren andere über
«Möglichkeiten für ein anderes Europa» und
setzen sich für Volksabstimmungen zur europäischen Verfassung
ein. Globalisierungskritiker wie Attac und No Vox sind ebenso
vertreten wie Caritas Europa und Greenpeace, die zu den Organisatoren
zählen. Gemäßigte Gruppierungen treffen auf radikale,
wie die Gruppe Arbeiterkampf, die einen europaweiten Generalstreik
fordert. Nur politische Parteien wurden bewusst nicht einbezogen:
«Das ist gut, denn Parteistrukturen sind viel zu verkrustet,
um etwas zu verändern», ist ein Pariser Architekturstudent
überzeugt.
Im «Dorf der sozialen und
solidarischen Wirtschaft» haben Aktivisten derweil Zelte
und Hütten aufgebaut. Sie wollen zeigen, dass das, was sie
fordern, auch gelebt werden kann: Hier gibt es nur Produkte aus
fairem Handel mit den Entwicklungsländern, Müll wird
vermieden, Energie gespart. Die Bewohner diskutieren mit den Besuchern
über solidarische Finanzsysteme und eine Neuordnung des Welthandels.
Das ESF ermöglicht selbst
friedliche Debatten mit Vertretern der heftig kritisierten Weltbank
und des Internationalen Währungsfonds, die bei einer Diskussion
in Saint Denis Verständnis für die Besorgnisse der Globalisierungskritiker
zeigten. Nicht zuletzt kam vom französischen Staat Unterstützung,
der eine halbe Million Euro zum Forum beisteuerte.
Ein gemeinsames Abschlussdokument
wird es beim ESF bewusst nicht geben. Dazu sind die Erwartungen
wohl auch zu verschieden. «Eine andere Welt ist möglich
- aber nur durch die sozialistische Revolution» steht auf
einem Plakat der sozialistischen Jugendbewegung «Revolution».
Das sieht Anne-Laurent Stamming ganz anders. Die Lehrerin aus
Toulouse gehört zu den mehr als 2000 freiwilligen Helfern,
die für einen reibungslosen Ablauf des Sozialforums sorgen.
«Vieles ist gar nicht so schlecht in unserem System. Das
müssen wir bewahren und das andere verändern.»
Dafür will sie bei der großen Abschlussdemonstration
am Samstag in Paris Flagge zeigen.
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