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- 13.11.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

Sozialforum:

Globalisierungskritiker fordern ein gerechteres Europa

Beim zweiten Europäischen Sozialforum in Paris diskutieren rund 50.000 Globalisierungskritiker aus aller Welt über ein «Europa der sozialen Rechte in einer Welt ohne Krieg».

Von Esther Feinen, dpa

Paris (dpa) - «Our world is not for sale» - Unsere Welt ist nicht käuflich - so steht es auf knallroten Stirnbändern, die ein Straßenhändler am Rand des großen Platzes in Paris-La Villette verkauft. Die Jugendlichen, die sich um ihn drängen, finden das gut. Christina kommt aus Madrid und ist mit der Globalisierung, so wie sie ist, nicht einverstanden: «Hier zu sein, bedeutet für mich Hoffnung, dass sich etwas ändert», sagt die 19-jährige Studentin. Beim zweiten Europäischen Sozialforum (ESF) in und um Paris diskutieren noch bis zum Samstag rund 50.000 Globalisierungskritiker aus aller Welt über ein «Europa der sozialen Rechte in einer Welt ohne Krieg».

Die Themen der mehr als 300 Großveranstaltungen und über 400 Arbeitsgruppen sind so unterschiedlich wie die Teilnehmer. Während die einen «Gegen den globalen und immerwährenden Krieg» sind, diskutieren andere über «Möglichkeiten für ein anderes Europa» und setzen sich für Volksabstimmungen zur europäischen Verfassung ein. Globalisierungskritiker wie Attac und No Vox sind ebenso vertreten wie Caritas Europa und Greenpeace, die zu den Organisatoren zählen. Gemäßigte Gruppierungen treffen auf radikale, wie die Gruppe Arbeiterkampf, die einen europaweiten Generalstreik fordert. Nur politische Parteien wurden bewusst nicht einbezogen: «Das ist gut, denn Parteistrukturen sind viel zu verkrustet, um etwas zu verändern», ist ein Pariser Architekturstudent überzeugt.

Im «Dorf der sozialen und solidarischen Wirtschaft» haben Aktivisten derweil Zelte und Hütten aufgebaut. Sie wollen zeigen, dass das, was sie fordern, auch gelebt werden kann: Hier gibt es nur Produkte aus fairem Handel mit den Entwicklungsländern, Müll wird vermieden, Energie gespart. Die Bewohner diskutieren mit den Besuchern über solidarische Finanzsysteme und eine Neuordnung des Welthandels.

Das ESF ermöglicht selbst friedliche Debatten mit Vertretern der heftig kritisierten Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, die bei einer Diskussion in Saint Denis Verständnis für die Besorgnisse der Globalisierungskritiker zeigten. Nicht zuletzt kam vom französischen Staat Unterstützung, der eine halbe Million Euro zum Forum beisteuerte.

Ein gemeinsames Abschlussdokument wird es beim ESF bewusst nicht geben. Dazu sind die Erwartungen wohl auch zu verschieden. «Eine andere Welt ist möglich - aber nur durch die sozialistische Revolution» steht auf einem Plakat der sozialistischen Jugendbewegung «Revolution». Das sieht Anne-Laurent Stamming ganz anders. Die Lehrerin aus Toulouse gehört zu den mehr als 2000 freiwilligen Helfern, die für einen reibungslosen Ablauf des Sozialforums sorgen. «Vieles ist gar nicht so schlecht in unserem System. Das müssen wir bewahren und das andere verändern.» Dafür will sie bei der großen Abschlussdemonstration am Samstag in Paris Flagge zeigen.

 

 Mehr Informationen:

Europäisches Sozialforum

Attac

DIE ZEIT: Globalisierung

vista verde: Globalisierung

 

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