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Aus für AKW Stade: Rot-Grün
feiert - doch Kernkraft nicht am Ende
Das Aus für die Kernenergie
in Deutschland ist das Aus für das AKW Stade nicht. Industrie,
Politik und Gewerkschaften halten sich den «Ausstieg aus
dem Ausstieg» offen.
Von Thomas Lanig, dpa
Berlin (dpa) - Weil es derzeit
wenig zu feiern gibt für die rot- grüne Bundesregierung,
kommt der Anlass gelegen. Wenn an diesem Freitag das Atomkraftwerk
Stade vom Netz geht, will Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
in Berlin das Glas erheben - und lädt zu einem Empfang. Das
Ende für Stade sei ein «symbolischer Meilenstein rot-
grüner Energiepolitik». Das Aus für die Kernenergie
in Deutschland ist der 14. November 2003 aber nicht.

© HEW
Am Freitag
soll der Meiler Stade bei Hamburg abgeschaltet werden.
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Ausstieg aus dem Ausstieg?
«Die Atomenergie hat in
Deutschland keine Zukunft mehr», sagte Trittin am Donnerstag
im Bundestag. Und die Fraktion der Grünen schreibt in einem
Grundsatzpapier: «Alle Vorschläge für eine Verlängerung
der Laufzeiten oder sogar den Neubau von AKW sind Teil einer Gespensterdebatte.
Der Konsens zwischen Wirtschaft und Politik steht.» Wir
erinnern uns: Der 2001 beschlossene Atomausstieg gibt den Kraftwerksbetreibern
noch gut 20 Jahre Zeit, ihre 19 Anlagen abzuschalten. Doch die
Versuchung scheint groß, von dieser Befristung bald Abschied
zu nehmen.
Die Industrie hält sich
noch zurück, aber die Politik bereitet das Terrain: Baden-Württembergs
Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) plädiert für
den «Ausstieg aus dem Ausstieg». Denkbar sei eine
Verlängerung der Laufzeiten auf 50 Jahre. Die CDU-Vorsitzende
Angela Merkel wurde noch deutlicher: Eine unionsgeführte
Bundesregierung würde den Ausstieg wieder rückgängig
machen und der Industrie ermöglichen, «Kernkraftwerke
so lange zu betreiben, wie sie wollen». Auch der Vorsitzende
der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt,
fragt, «ob der Ausstieg aus der Kernenergie so unverrückbar
ist, wie einige glauben.»
Die Stromkonzerne warten ab.
«Wir sehen uns an die Verständigung mit der Bundesregierung
gebunden», sagte kürzlich der Vorstand von E.ON-Energie,
Walter Hohlefelder. Man will keinen Ärger mit Berlin. Wenn
sich der Wind aber dreht, sieht die Sache anders aus. «Sollten
sich die politischen Verhältnisse ändern und die Atomkraft
eine Renaissance erleben, könnten die Anlagen auch deutlich
länger eingesetzt werden», meint Karl-Wilhelm Otto
von RWE-Power. Er spricht gar von 55 bis 60 Jahren Gesamtlaufzeit.
Genau das hatten Gegner des Atomkonsenses
aus den Reihen der Umweltschützer immer befürchtet.
«Für die Betreiber ist es auf einem liberalisierten
Strommarkt immer besser, ein Kraftwerk bis ans Ende der Lebensdauer
zu fahren», sagt Susanne Ochse von Greenpeace in Hamburg.
Sie warnt zugleich vor einem «Wiedereinstieg durch die Hintertür».
Dabei geht es um das französische Projekt eines Europäischen
Druckwasserreaktors (EPR). Deutsche Konzerne wollen nicht grundsätzlich
ausschließen, dass sie sich daran beteiligen.
Einen Neubau von Kernkraftwerken
in Deutschland hält derzeit zwar niemand für ökonomisch
sinnvoll. Aber die meisten der bestehenden Anlagen könnten
technisch leicht bis zur Mitte des Jahrhunderts produzieren -
wenn man die höhere Störanfälligkeit durch die
längere Nutzung in Kauf nimmt. Bis zu der Wahl 2006 soll
außer Stade nur noch das AKW Obrigheim abgeschaltet werden.
Danach beginnt - möglicherweise - eine neue Zeitrechnung.
«Wir freuen uns über das Ende von Stade», sagt
die Greenpeace-Expertin. «Aber zu feiern gibt es nichts.»
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