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- 13.11.2003 -

 

 

Aus für AKW Stade: Rot-Grün feiert - doch Kernkraft nicht am Ende

Das Aus für die Kernenergie in Deutschland ist das Aus für das AKW Stade nicht. Industrie, Politik und Gewerkschaften halten sich den «Ausstieg aus dem Ausstieg» offen.

Von Thomas Lanig, dpa

Berlin (dpa) - Weil es derzeit wenig zu feiern gibt für die rot- grüne Bundesregierung, kommt der Anlass gelegen. Wenn an diesem Freitag das Atomkraftwerk Stade vom Netz geht, will Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in Berlin das Glas erheben - und lädt zu einem Empfang. Das Ende für Stade sei ein «symbolischer Meilenstein rot- grüner Energiepolitik». Das Aus für die Kernenergie in Deutschland ist der 14. November 2003 aber nicht.

 


© HEW

Am Freitag soll der Meiler Stade bei Hamburg abgeschaltet werden.

 

Ausstieg aus dem Ausstieg?

«Die Atomenergie hat in Deutschland keine Zukunft mehr», sagte Trittin am Donnerstag im Bundestag. Und die Fraktion der Grünen schreibt in einem Grundsatzpapier: «Alle Vorschläge für eine Verlängerung der Laufzeiten oder sogar den Neubau von AKW sind Teil einer Gespensterdebatte. Der Konsens zwischen Wirtschaft und Politik steht.» Wir erinnern uns: Der 2001 beschlossene Atomausstieg gibt den Kraftwerksbetreibern noch gut 20 Jahre Zeit, ihre 19 Anlagen abzuschalten. Doch die Versuchung scheint groß, von dieser Befristung bald Abschied zu nehmen.

Die Industrie hält sich noch zurück, aber die Politik bereitet das Terrain: Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) plädiert für den «Ausstieg aus dem Ausstieg». Denkbar sei eine Verlängerung der Laufzeiten auf 50 Jahre. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wurde noch deutlicher: Eine unionsgeführte Bundesregierung würde den Ausstieg wieder rückgängig machen und der Industrie ermöglichen, «Kernkraftwerke so lange zu betreiben, wie sie wollen». Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, fragt, «ob der Ausstieg aus der Kernenergie so unverrückbar ist, wie einige glauben.»

Die Stromkonzerne warten ab. «Wir sehen uns an die Verständigung mit der Bundesregierung gebunden», sagte kürzlich der Vorstand von E.ON-Energie, Walter Hohlefelder. Man will keinen Ärger mit Berlin. Wenn sich der Wind aber dreht, sieht die Sache anders aus. «Sollten sich die politischen Verhältnisse ändern und die Atomkraft eine Renaissance erleben, könnten die Anlagen auch deutlich länger eingesetzt werden», meint Karl-Wilhelm Otto von RWE-Power. Er spricht gar von 55 bis 60 Jahren Gesamtlaufzeit.

Genau das hatten Gegner des Atomkonsenses aus den Reihen der Umweltschützer immer befürchtet. «Für die Betreiber ist es auf einem liberalisierten Strommarkt immer besser, ein Kraftwerk bis ans Ende der Lebensdauer zu fahren», sagt Susanne Ochse von Greenpeace in Hamburg. Sie warnt zugleich vor einem «Wiedereinstieg durch die Hintertür». Dabei geht es um das französische Projekt eines Europäischen Druckwasserreaktors (EPR). Deutsche Konzerne wollen nicht grundsätzlich ausschließen, dass sie sich daran beteiligen.

Einen Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland hält derzeit zwar niemand für ökonomisch sinnvoll. Aber die meisten der bestehenden Anlagen könnten technisch leicht bis zur Mitte des Jahrhunderts produzieren - wenn man die höhere Störanfälligkeit durch die längere Nutzung in Kauf nimmt. Bis zu der Wahl 2006 soll außer Stade nur noch das AKW Obrigheim abgeschaltet werden. Danach beginnt - möglicherweise - eine neue Zeitrechnung. «Wir freuen uns über das Ende von Stade», sagt die Greenpeace-Expertin. «Aber zu feiern gibt es nichts.»

 

 Mehr Informationen:

BMU: Atomkraft

vista verde: Atomkraft

 

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