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- 07.11.2003 -

 

 

 

 

Atomkraft: AKW Stade wird abgeschaltet - die Lichter gehen nicht aus

Kommende Woche wird im niedersächsischen Stade das erste Atomkraftwerk vom Netz genommen. Der Rückbau soll noch bis 2015 dauern.

Von Jörn Freyenhagen, dpa

Stade (dpa) - Diesem Tag fiebert die deutsche Anti-Atom-Bewegung seit Jahren entgegen: Nach dem Energiekonsens zwischen rot-grüner Bundesregierung und Stromwirtschaft wird am Freitag kommender Woche im niedersächsischen Stade das erste kommerziell genutzte Atomkraftwerk vom Netz genommen. Was für viele ein symbolischer Paukenschlag ist, wird sich völlig unspektakulär vollziehen.

Da wird kein Kabel durchschnitten, kein roter Knopf gedrückt und auch kein besonderer Schalter umgelegt. «Techniker werden das 31 Jahre alte Kraftwerk wie bei einer routinemäßigen Revision ganz normal herunterfahren», sagt Petra Uhlmann, Sprecherin des Betreibers E.ON. «Das dauert etwa zehn Stunden.» Einen Unterschied gibt es aber: Der Reaktor wird danach nie mehr hochgefahren.

 


© HEW

Kommenden Freitag soll der Meiler Stade bei Hamburg abgeschaltet werden.

 

400.000 Tonnen Beton und Schrott

Als der Stromkonzern E.0N vor drei Jahren seine Entscheidung zur Stilllegung des Atomkraftwerks an der Unterelbe verkündete, machten sich in der Stadt Angst und Depression breit. Die Menschen demonstrierten für «ihr» Atomkraftwerk, das ihnen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gebracht hat, und forderten den Weiterbetrieb. Wenige Tage vor dem tatsächlichen Aus für den zweitältesten deutschen Atommeiler ist von der einstigen Empörung nicht mehr viel zu spüren. Die Stimmung ist umgeschlagen in der 45.000-Einwohner-Stadt.

«In Stade gehen nicht die Lichter aus, auch wenn einige Pessimisten das immer noch meinen», sagt Stadtdirektor Dirk Hattendorf. Der Rückbau des Meilers sichere noch auf Jahre rund die Hälfte der insgesamt 300 Arbeitsplätze. Außerdem profitiere die Stadt nun vom Aufwind für das europäische Großraumflugzeug A 380. Auf dem Gelände des Stader Airbus-Werkes entstehe zur Zeit ein neues Technologiezentrum für kohlefaserverstärkte Kunststoffe. Eine wichtige Voraussetzung für die Ansiedlung neuer Betriebe sei auch erfüllt: «Die Autobahn A 26 von Stade nach Hamburg ist endlich im Bau.»

Nach der Stilllegung werden im Atomkraftwerk Stade zunächst die Brennstäbe entladen und in die Wiederaufarbeitung geschickt. Auch die anderen hoch radioaktiven Betriebsmittel und Bauteile werden entsorgt. Erst 2005 beginnt der eigentliche Rückbau, der bis 2015 dauern soll. Dabei fallen rund 400.000 Tonnen Beton und Stahlschrott an. Sämtliche Materialien werden dekontaminiert, zersägt und geschreddert. «Jedes einzelne Teil wird zum Schluss noch einmal auf seine radioaktive Belastung untersucht», erklärt Petra Uhlmann. »Erst wenn dieser Test bestanden ist, darf der Schrott das Gelände verlassen.»

Rund 98 Prozent des Baukörpers werden später - zerkleinert als Bauschutt - im Straßenbau oder in der Eisenverhüttung wiederverwendet. Nur etwa zwei Prozent müssen dauerhaft als radioaktiver Abfall entsorgt werden. Dafür entsteht auf dem Kraftwerksgelände in Stade ein Zwischenlager, das länger stehen bleiben wird als der Reaktor selbst: «Auf jeden Fall so lange, bis ein atomares Endlager in Deutschland in Betrieb genommen wird», meint E.ON-Sprecherin Uhlmann: «Das kann noch 30 Jahre dauern.»

 

 Mehr Informationen:

E.ON: Kernkraftwerk Stade

HEW

BMU: Atomkraft

vista verde: Atomkraft

 

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