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Atomkraft: AKW Stade wird abgeschaltet
- die Lichter gehen nicht aus
Kommende Woche wird im niedersächsischen
Stade das erste Atomkraftwerk vom Netz genommen. Der Rückbau
soll noch bis 2015 dauern.
Von Jörn Freyenhagen, dpa
Stade (dpa) - Diesem Tag fiebert
die deutsche Anti-Atom-Bewegung seit Jahren entgegen: Nach dem
Energiekonsens zwischen rot-grüner Bundesregierung und Stromwirtschaft
wird am Freitag kommender Woche im niedersächsischen Stade
das erste kommerziell genutzte Atomkraftwerk vom Netz genommen.
Was für viele ein symbolischer Paukenschlag ist, wird sich
völlig unspektakulär vollziehen.
Da wird kein Kabel durchschnitten,
kein roter Knopf gedrückt und auch kein besonderer Schalter
umgelegt. «Techniker werden das 31 Jahre alte Kraftwerk
wie bei einer routinemäßigen Revision ganz normal herunterfahren»,
sagt Petra Uhlmann, Sprecherin des Betreibers E.ON. «Das
dauert etwa zehn Stunden.» Einen Unterschied gibt es aber:
Der Reaktor wird danach nie mehr hochgefahren.

© HEW
Kommenden
Freitag soll der Meiler Stade bei Hamburg abgeschaltet
werden.
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400.000 Tonnen Beton und Schrott
Als der Stromkonzern E.0N vor
drei Jahren seine Entscheidung zur Stilllegung des Atomkraftwerks
an der Unterelbe verkündete, machten sich in der Stadt Angst
und Depression breit. Die Menschen demonstrierten für «ihr»
Atomkraftwerk, das ihnen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen
gebracht hat, und forderten den Weiterbetrieb. Wenige Tage vor
dem tatsächlichen Aus für den zweitältesten deutschen
Atommeiler ist von der einstigen Empörung nicht mehr viel
zu spüren. Die Stimmung ist umgeschlagen in der 45.000-Einwohner-Stadt.
«In Stade gehen nicht die
Lichter aus, auch wenn einige Pessimisten das immer noch meinen»,
sagt Stadtdirektor Dirk Hattendorf. Der Rückbau des Meilers
sichere noch auf Jahre rund die Hälfte der insgesamt 300
Arbeitsplätze. Außerdem profitiere die Stadt nun vom
Aufwind für das europäische Großraumflugzeug A
380. Auf dem Gelände des Stader Airbus-Werkes entstehe zur
Zeit ein neues Technologiezentrum für kohlefaserverstärkte
Kunststoffe. Eine wichtige Voraussetzung für die Ansiedlung
neuer Betriebe sei auch erfüllt: «Die Autobahn A 26
von Stade nach Hamburg ist endlich im Bau.»
Nach der Stilllegung werden im
Atomkraftwerk Stade zunächst die Brennstäbe entladen
und in die Wiederaufarbeitung geschickt. Auch die anderen hoch
radioaktiven Betriebsmittel und Bauteile werden entsorgt. Erst
2005 beginnt der eigentliche Rückbau, der bis 2015 dauern
soll. Dabei fallen rund 400.000 Tonnen Beton und Stahlschrott
an. Sämtliche Materialien werden dekontaminiert, zersägt
und geschreddert. «Jedes einzelne Teil wird zum Schluss
noch einmal auf seine radioaktive Belastung untersucht»,
erklärt Petra Uhlmann. »Erst wenn dieser Test bestanden
ist, darf der Schrott das Gelände verlassen.»
Rund 98 Prozent des Baukörpers
werden später - zerkleinert als Bauschutt - im Straßenbau
oder in der Eisenverhüttung wiederverwendet. Nur etwa zwei
Prozent müssen dauerhaft als radioaktiver Abfall entsorgt
werden. Dafür entsteht auf dem Kraftwerksgelände in
Stade ein Zwischenlager, das länger stehen bleiben wird als
der Reaktor selbst: «Auf jeden Fall so lange, bis ein atomares
Endlager in Deutschland in Betrieb genommen wird», meint
E.ON-Sprecherin Uhlmann: «Das kann noch 30 Jahre dauern.»
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