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- 05.11.2003 -

 

 

 

 

 

Wachsende Armut und Hunger in USA: Kein gefährliches Thema für Bush

In den USA leiden zwischen vier und sieben Millionen Menschen, unter ihnen viele hunderttausend Kinder, an Hunger. Dennoch braucht Präsident Bush das Thema kaum zu fürchten.

Von Laszlo Trankovits, dpa

Washington (dpa) - Auch die Mülleimer und Abfallkörbe in den Straßen rund um das Weiße Haus in Washington werden jeden Tag durchwühlt. Obdachlose in schäbiger, zuweilen zerlumpter Kleidung suchen nach Essensresten oder irgendetwas anders Verwertbarem. Armut und Hunger sind mitten in der Hauptstadt des mächtigsten Landes der Welt täglich greifbar. «Im Raum Washington gehen jeden Abend fast 100.000 Kinder hungrig zu Bett», heißt es in diesen Tagen in Zeitungsanzeigen - mit dieser bitteren Wahrheit wirbt die Supermarktkette «Giant» für ihre Weihnachts-Spendenaktion.

Auch die «New York Times» startete gut acht Wochen vor Heiligabend ihre traditionelle Sammelaktion. Obwohl sich der Durchschnittspreis einer Wohnung in Manhattan der Millionen-Dollar-Grenze nähere, so die Zeitung, «wächst die Zahl der Armen und Obdachlosen... Selten war in dieser Stadt die Alltagsarmut so greifbar wie heute.» 18 von 100 New Yorkern seien verarmt. Die Zahl der Obdachlosen habe mit fast 40.000 - doppelt so viel wie vor fünf Jahren - einen neuen Rekord erreicht. In den USA leiden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zwischen vier und sieben Millionen Menschen, unter ihnen viele hunderttausend Kinder, an Hunger.

 


© dpa

Ein Obdachloser nimmt in Los Angeles eine Mahlzeit zu sich, die von einer Wohltätigkeitsorganisation gespendet worden ist.

 

 

Aber ebenso wie über die Ursachen der Armut gibt es auch über die Zahlen selbst in den USA höchst unterschiedliche Sichtweisen. US- Präsident George W. Bush frohlockt dieser Tage über das höchste Wachstum der Wirtschaft seit Jahren, preist seine radikalen Steuerkürzungen als wegweisend für eine blühende Ökonomie. Aber das hat bisher kaum positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gehabt (auch wenn die Quote der Arbeitslosen mit 6,1 Prozent deutlich niedriger als in Deutschland liegt).

So gut wie keinen Einfluss haben die guten Nachrichten von der US- Wirtschaft auf die Probleme der sozialen Randgruppen. Die Zahl der Armen in den USA wächst wieder. Fast 35 Millionen der 282 Millionen US-Bürger gelten nach den jüngsten statistischen Angaben (für 2002) als arm, 1,4 Millionen mehr als im Vorjahr. Statistisch gilt in den USA als arm, wer in etwa weniger als die Hälfte eines Durchschnittseinkommens bezieht. Arm bedeutet für eine vierköpfige Familie Einkünfte von weniger als 18.390 Dollar (etwa 17.000 Euro).

Dennoch braucht Bush ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl das Thema kaum zu fürchten. Denn die Armuts-Zahlen 2002 brachten für eine schleppende Konjunktur einen vergleichsweise nur geringen Anstieg. Zudem bedeuten selbst die Zahlen im Vergleich der letzten vier Jahrzehnte ein ungefähres Verharren auf einem historischen Tiefststand. Lediglich in den Boomjahren bis 2001 gab es noch etwas weniger Arme als heute.

«Amerikaner erwarten vom Staat schlicht weniger an sozialer Fürsorge als Europäer», betont der Sozialwissenschaftler David Garrison, stellvertretender Direktor des renommierten liberalen Brookings-Instituts in Washington. Konservative Soziologen wie Robert Rector von der Heritage Stiftung in Washington formuliert, was in den USA Mehrheitsmeinung ist: für Armut in den USA mit ihren unbegrenzten Chancen sei vor allem jeder einzelne selbst verantwortlich. Der demokratische Präsident Bill Clinton war es, der 1996 mit seiner Sozialreform viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger in den Arbeitsmarkt drängte - und staatliche Fürsorge weiter begrenzte.

Das Bild der Obdachlosen in den US-Metropolen widerspricht nicht unbedingt den amerikanischen Idealen: Hauptsache sei, dass jeder die Chance zum persönlichen Glück habe, der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär gilt noch immer. Bestätigung für diese Ideologie finden Konservative in der jüngsten Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner. Wie der Spitzenreiter, Microsoft-Chef Bill Gates haben viele andere auch ganz ohne großes Erbe ihr Glück gemacht - für die Amerikaner ein Beweis, dass der amerikanische Traum funktioniert. Und für Millionen Menschen weltweit jährlich Grund, um legal oder illegal zu versuchen, in die USA überzusiedeln - auch wenn sie die Bilder der unzähligen Obdachlosen in den Metropolen zumindest aus Hollywood- Filmen kennen.

 

 Mehr Informationen:

US Census Bureau: Poverty

 

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