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- 02.11.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

Afrika: Deutsche Politik mit wenig Geld und viel Verantwortung

Bundesaußenminister Joschka Fischer betonte bei seiner Reise durch Afrika die Eigenverantwortung des Kontinents bei Konfliktlösungen und im Kampf gegen die Armut.

Von Dorothea Hülsmeier, dpa

Kapstadt (dpa) - Sie sind unbewaffnet und operieren in kleinen Gruppen in einem hochgefährlichen Gebiet. Sie entschärfen Nachbarschafts- und Familienkonflikte, die ohne sie häufig blutig enden würden. Die jugendlichen, schwarzen «Friedensarbeiter» im früheren Township Nyanga bei Kapstadt wurden selber noch nie angegriffen. Denn sie stammen aus der Mitte einer Gemeinschaft, die auch zehn Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika noch sozial benachteiligt ist, in der Alkohol, Drogen, Aids und Arbeitslosigkeit die Lebensperspektiven zerstören.

Mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wurde 1997 das Friedens- und Entwicklungsprojekt (PDP) gegründet, in dem jährlich rund 50 Jugendliche zu unbezahlten Sozialhelfern ausgebildet werden und nebenbei noch Englisch, Mathematik und den Umgang mit Computern lernen, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer war offensichtlich begeistert von dem Projekt in dem großteils aus Bretter- und Wellblechhütten bestehenden Nyanga. Denn es ist ein Beispiel für Eigenverantwortung, die Afrikaner für ihre Zukunft übernehmen. «Bei allen Krisen, es gibt auch das Afrika, das sich auf den Weg macht», lautete Fischers Fazit nach seiner fünftägigen Reise durch Mali, Namibia und Südafrika.

Besonders die Republik Südafrika ist für Fischer ein Stabilitätsfaktor und Hoffnungsträger des «Kontinents der Desaster». Südafrika vermittelt in Regionalkonflikten wie Burundi und treibt regionale Wirtschaftsprogramme an. Fischer lobt Selbsthilfeinitiativen wie die Entsendung afrikanischer Friedenstruppen ins Bürgerkriegsland Liberia. Auch mit Blick auf die Krise um Simbabwe sagt Fischer: «Das Problem müssen die Afrikaner selber lösen.»

Wo bleibt da die deutsche Afrika-Politik außer der Tatsache, dass afrikanische Fußballer für Bundesliga-Clubs kicken?, wurde der Minister häufig auf der Reise gefragt. An den Reisen der Politiker ist zumindest abzulesen, dass Afrika in Berlin nicht vergessen wird. Entwicklungsministerin Heidemarie Wiezcorek-Zeul war kürzlich da und jetzt Fischer. Im Januar macht sich der Kanzler auf den Weg und im März will Bundespräsident Johannes Rau verschiedene afrikanische Länder besuchen.

Ins Geldsäckel aber greift die Bundesrepublik angesichts der schweren Haushaltskrise nicht mehr so bereitwillig. Vom international vorgegebenen Ziel, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe bereitzustellen, ist Berlin weit entfernt. Dafür entschuldigt sich Fischer immer wieder vor seinen afrikanischen Gastgebern. Wenn aber erst der wirtschaftliche Wendepunkt erreicht sei, gebe es wieder mehr Spielräume, verspricht er.

Deutschland und Europa dürfen Afrika nicht vergessen, lautet Fischers Erkenntnis aus der Erfahrung der Terroranschläge vom 11. September 2001. Denn zusammenbrechende Staaten mit Bürgerkriegen und Verelendung könnten Krisen und Krieg auch nach Europa exportieren, warnt Fischer in einem Vortrag vor vornehmlich weißen Studenten der Universität Kapstadt. Hunger, Armut und vor allem Aids müssten rechtzeitig bekämpft werden.

Deshalb verteidigt Fischer auch die deutsche Beteiligung am EU- Stabilisierungseinsatz in Kongo gegen Kritik. Deutschland als Motor der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) darf sich seiner Ansicht nach da ohnehin nicht drücken. Konkrete wirtschaftliche Interessen verfolgt Deutschland südlich der Sahara kaum. Allein Südafrika ist von Bedeutung. 450 deutsche Firmen mit rund 60.000 Mitarbeitern sind am Kap ansässig.

 


© NASA

"Bei allen Krisen, es gibt auch das Afrika, das sich auf den Weg macht", lautete Fischers Fazit nach seiner fünftägigen Reise durch Afrika.

 

 Mehr Informationen:

Auswärtiges Amt

BMZ

 

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