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Afrika: Deutsche Politik mit wenig Geld
und viel Verantwortung
Bundesaußenminister Joschka
Fischer betonte bei seiner Reise durch Afrika die Eigenverantwortung
des Kontinents bei Konfliktlösungen und im Kampf gegen die
Armut.
Von Dorothea Hülsmeier, dpa
Kapstadt (dpa) - Sie sind unbewaffnet
und operieren in kleinen Gruppen in einem hochgefährlichen
Gebiet. Sie entschärfen Nachbarschafts- und Familienkonflikte,
die ohne sie häufig blutig enden würden. Die jugendlichen,
schwarzen «Friedensarbeiter» im früheren Township
Nyanga bei Kapstadt wurden selber noch nie angegriffen. Denn sie
stammen aus der Mitte einer Gemeinschaft, die auch zehn Jahre
nach dem Ende der Apartheid in Südafrika noch sozial benachteiligt
ist, in der Alkohol, Drogen, Aids und Arbeitslosigkeit die Lebensperspektiven
zerstören.
Mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wurde 1997 das Friedens-
und Entwicklungsprojekt (PDP) gegründet, in dem jährlich
rund 50 Jugendliche zu unbezahlten Sozialhelfern ausgebildet werden
und nebenbei noch Englisch, Mathematik und den Umgang mit Computern
lernen, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.
Bundesaußenminister Joschka
Fischer war offensichtlich begeistert von dem Projekt in dem großteils
aus Bretter- und Wellblechhütten bestehenden Nyanga. Denn
es ist ein Beispiel für Eigenverantwortung, die Afrikaner
für ihre Zukunft übernehmen. «Bei allen Krisen,
es gibt auch das Afrika, das sich auf den Weg macht», lautete
Fischers Fazit nach seiner fünftägigen Reise durch Mali,
Namibia und Südafrika.
Besonders die Republik Südafrika
ist für Fischer ein Stabilitätsfaktor und Hoffnungsträger
des «Kontinents der Desaster». Südafrika vermittelt
in Regionalkonflikten wie Burundi und treibt regionale Wirtschaftsprogramme
an. Fischer lobt Selbsthilfeinitiativen wie die Entsendung afrikanischer
Friedenstruppen ins Bürgerkriegsland Liberia. Auch mit Blick
auf die Krise um Simbabwe sagt Fischer: «Das Problem müssen
die Afrikaner selber lösen.»
Wo bleibt da die deutsche Afrika-Politik
außer der Tatsache, dass afrikanische Fußballer für
Bundesliga-Clubs kicken?, wurde der Minister häufig auf der
Reise gefragt. An den Reisen der Politiker ist zumindest abzulesen,
dass Afrika in Berlin nicht vergessen wird. Entwicklungsministerin
Heidemarie Wiezcorek-Zeul war kürzlich da und jetzt Fischer.
Im Januar macht sich der Kanzler auf den Weg und im März
will Bundespräsident Johannes Rau verschiedene afrikanische
Länder besuchen.
Ins Geldsäckel aber greift
die Bundesrepublik angesichts der schweren Haushaltskrise nicht
mehr so bereitwillig. Vom international vorgegebenen Ziel, 0,7
Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe bereitzustellen,
ist Berlin weit entfernt. Dafür entschuldigt sich Fischer
immer wieder vor seinen afrikanischen Gastgebern. Wenn aber erst
der wirtschaftliche Wendepunkt erreicht sei, gebe es wieder mehr
Spielräume, verspricht er.
Deutschland und Europa dürfen
Afrika nicht vergessen, lautet Fischers Erkenntnis aus der Erfahrung
der Terroranschläge vom 11. September 2001. Denn zusammenbrechende
Staaten mit Bürgerkriegen und Verelendung könnten Krisen
und Krieg auch nach Europa exportieren, warnt Fischer in einem
Vortrag vor vornehmlich weißen Studenten der Universität
Kapstadt. Hunger, Armut und vor allem Aids müssten rechtzeitig
bekämpft werden.
Deshalb verteidigt Fischer auch
die deutsche Beteiligung am EU- Stabilisierungseinsatz in Kongo
gegen Kritik. Deutschland als Motor der Europäischen Sicherheits-
und Verteidigungspolitik (ESVP) darf sich seiner Ansicht nach
da ohnehin nicht drücken. Konkrete wirtschaftliche Interessen
verfolgt Deutschland südlich der Sahara kaum. Allein Südafrika
ist von Bedeutung. 450 deutsche Firmen mit rund 60.000 Mitarbeitern
sind am Kap ansässig.
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