|
Kongo: Diamanten sind die besten Freunde
der Milizen
Seit Ende vergangenen Jahres
ist der Krieg im Kongo offiziell beendet, doch der illegale Handel
mit Diamanten und anderen Rohstoffen blüht weiter.
Von Ulrike Koltermann, dpa
Kinshasa/Nairobi (dpa) - Sie
sind winzig, geruchlos und bringen richtig viel Geld. Diamanten
sind ein perfektes Schmuggelgut. Kriegsparteien im Kongo haben
mit dem Diamantenhandel einen Teil ihrer Waffen finanziert. Seit
Ende vergangenen Jahres ist der Krieg offiziell beendet, doch
der illegale Handel mit Diamanten und anderen Rohstoffen blüht
weiter - und es kommt auch noch immer zu Massakern. UN-Experten
sehen dort einen «Teufelskreis von Plünderungen, Waffenhandel
und Kämpfen». Der Weltsicherheitsrat sollte sich am
Donnerstag mit ihrem Bericht befassen.
Vor etwa drei Jahren war Coltan
mit das begehrteste Exportgut aus dem Kongo. Das schwarze, bröselige
Mineral wird unter anderem bei der Herstellung von Mobiltelefonen
verwendet. Doch der Coltan-Boom ist vorüber. Als die Hoffnungen
auf die nächste Mobilfunkgeneration platzten, sank auch die
Nachfrage nach Coltan. «Die Ausbeutung hat sich nun auf
Gold und Diamanten konzentriert», schreiben die UN- Experten.
«Beides kann einfach transportiert und als harte Währung
benutzt werden.»
Die Demokratische Republik Kongo,
die etwa so groß ist wie ganz Westeuropa, hat weltweit die
größten Diamantenvorkommen. Auch Kupfer, Kobalt und
Tropenhölzer zählen zu den Exportgütern. Doch die
Bevölkerung hat bislang kaum von dem Reichtum profitiert.
Vom belgischen König Leopold über den Diktator Mobuto
Sese Seko bis zu den Nachbarländern Ruanda und Uganda haben
alle versucht, das Geld in die eigene Tasche fließen zu
lassen.
Menschenrechtsorganisationen
kritisieren die skrupellose Ausbeutung der Rohstoffe. «Wer
immer die Kontrolle über die Gold- oder Diamantenminen hat,
setzt Zwangsarbeiter ein», sagt Anneke Van Woudenberg von
Human Rights Watch. Durch den Krieg ist die Infrastruktur längst
zusammengebrochen. «Die Menschen arbeiten mit den einfachsten
Mitteln weiter, mit Hacken und Schaufeln, und wenn es sein muss,
mit bloßen Händen.» In den Minen werden auch
häufig Kinder beschäftigt.
Die UN-Experten haben bereits
vor einem Jahr eine Liste von Unternehmen veröffentlicht,
die mit kongolesischen Diamanten handeln. Nach dem jüngsten
Bericht ist in elf Fällen noch immer ungeklärt, ob sie
dabei internationale Standards verletzt haben. Dazu zählen
unter anderem der Diamanten-Großhändler De Beers und
die deutsche Firma Masingiro GmbH mit Sitz in Burgthann. Textpassagen,
die Ruanda, Uganda und die kongolesische Regierung selbst mit
dem illegalen Handel in Zusammenhang bringen, wurden zunächst
nicht veröffentlicht.
«Obwohl lange bekannt ist,
dass durch den Rohstoffhandel der Krieg finanziert wurde, hat
bislang niemand Ermittlungen eingeleitet», kritisiert Van
Woudenberg. «Der Sicherheitsrat kann den Zusammenhang zwischen
der Ausbeutung der Rohstoffe und den anhaltenden Gewalttätigkeiten
nicht länger ignorieren.»
Der Kimberley-Prozess, der den
illegalen Diamantenhandel durch Herkunftsnachweise unterbinden
soll, hat sich im Kongo bislang als wirkungslos erwiesen. Eine
der wichtigsten Schmuggelrouten führt über den gewaltigen
Kongo-Fluss nach Kongo-Brazzaville. Von dort werden die ungeschliffenen
Steine - samt Zertifikat - weiter nach Antwerpen geliefert. Die
Regierung in Kinshasa vermutet, dass Diamanten im Wert von mehr
als 400 Millionen Dollar außer Landes geschmuggelt werden.
Das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen Produktion
- und einer ziemlich großen Menge Waffen.
|