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- 30.10.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kongo: Diamanten sind die besten Freunde der Milizen

Seit Ende vergangenen Jahres ist der Krieg im Kongo offiziell beendet, doch der illegale Handel mit Diamanten und anderen Rohstoffen blüht weiter.

Von Ulrike Koltermann, dpa

Kinshasa/Nairobi (dpa) - Sie sind winzig, geruchlos und bringen richtig viel Geld. Diamanten sind ein perfektes Schmuggelgut. Kriegsparteien im Kongo haben mit dem Diamantenhandel einen Teil ihrer Waffen finanziert. Seit Ende vergangenen Jahres ist der Krieg offiziell beendet, doch der illegale Handel mit Diamanten und anderen Rohstoffen blüht weiter - und es kommt auch noch immer zu Massakern. UN-Experten sehen dort einen «Teufelskreis von Plünderungen, Waffenhandel und Kämpfen». Der Weltsicherheitsrat sollte sich am Donnerstag mit ihrem Bericht befassen.

Vor etwa drei Jahren war Coltan mit das begehrteste Exportgut aus dem Kongo. Das schwarze, bröselige Mineral wird unter anderem bei der Herstellung von Mobiltelefonen verwendet. Doch der Coltan-Boom ist vorüber. Als die Hoffnungen auf die nächste Mobilfunkgeneration platzten, sank auch die Nachfrage nach Coltan. «Die Ausbeutung hat sich nun auf Gold und Diamanten konzentriert», schreiben die UN- Experten. «Beides kann einfach transportiert und als harte Währung benutzt werden.»

Die Demokratische Republik Kongo, die etwa so groß ist wie ganz Westeuropa, hat weltweit die größten Diamantenvorkommen. Auch Kupfer, Kobalt und Tropenhölzer zählen zu den Exportgütern. Doch die Bevölkerung hat bislang kaum von dem Reichtum profitiert. Vom belgischen König Leopold über den Diktator Mobuto Sese Seko bis zu den Nachbarländern Ruanda und Uganda haben alle versucht, das Geld in die eigene Tasche fließen zu lassen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die skrupellose Ausbeutung der Rohstoffe. «Wer immer die Kontrolle über die Gold- oder Diamantenminen hat, setzt Zwangsarbeiter ein», sagt Anneke Van Woudenberg von Human Rights Watch. Durch den Krieg ist die Infrastruktur längst zusammengebrochen. «Die Menschen arbeiten mit den einfachsten Mitteln weiter, mit Hacken und Schaufeln, und wenn es sein muss, mit bloßen Händen.» In den Minen werden auch häufig Kinder beschäftigt.

Die UN-Experten haben bereits vor einem Jahr eine Liste von Unternehmen veröffentlicht, die mit kongolesischen Diamanten handeln. Nach dem jüngsten Bericht ist in elf Fällen noch immer ungeklärt, ob sie dabei internationale Standards verletzt haben. Dazu zählen unter anderem der Diamanten-Großhändler De Beers und die deutsche Firma Masingiro GmbH mit Sitz in Burgthann. Textpassagen, die Ruanda, Uganda und die kongolesische Regierung selbst mit dem illegalen Handel in Zusammenhang bringen, wurden zunächst nicht veröffentlicht.

«Obwohl lange bekannt ist, dass durch den Rohstoffhandel der Krieg finanziert wurde, hat bislang niemand Ermittlungen eingeleitet», kritisiert Van Woudenberg. «Der Sicherheitsrat kann den Zusammenhang zwischen der Ausbeutung der Rohstoffe und den anhaltenden Gewalttätigkeiten nicht länger ignorieren.»

Der Kimberley-Prozess, der den illegalen Diamantenhandel durch Herkunftsnachweise unterbinden soll, hat sich im Kongo bislang als wirkungslos erwiesen. Eine der wichtigsten Schmuggelrouten führt über den gewaltigen Kongo-Fluss nach Kongo-Brazzaville. Von dort werden die ungeschliffenen Steine - samt Zertifikat - weiter nach Antwerpen geliefert. Die Regierung in Kinshasa vermutet, dass Diamanten im Wert von mehr als 400 Millionen Dollar außer Landes geschmuggelt werden. Das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen Produktion - und einer ziemlich großen Menge Waffen.

 

 Mehr Informationen:

Global Witness

 

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