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Der Castor kommt: Polizei und Gegner
bereiten sich auf den Tag X vor
Einmal im Jahr sammeln sich
die Kernkraftgegner zum Großeinsatz im Wendland. Ende kommender
Woche ist es wieder soweit.
Von Sigrun Stock, dpa
Gorleben (dpa) - Nahezu jeden
Monat rollt Atommüll durch Deutschland, unbemerkt von der
Öffentlichkeit und selten von Protest begleitet. Aber einmal
im Jahr kommt der Tag X: Dann sammeln sich die Kernkraftgegner
zum Großeinsatz. Wenn der Castor ins Zwischenlager Gorleben
rollt, setzen sich Menschen bei klirrender Kälte zur Blockade
auf die Straße, Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet werden
ins Wendland abgeordnet. Ende kommender Woche ist es wieder soweit:
In der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague
startet der siebte Atommüll-Transport nach Gorleben. Voraussichtlich
um den 12. November herum wird er im Zwischenlager erwartet.
In einem sind sich Politiker
und Polizei in diesem Jahr einig: Die ganz harten Kämpfe
um Gorleben mit unterhöhlten Straßen und brutalen Auseinandersetzungen
zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sind Vergangenheit.
«Es gibt zur Zeit keine Erkenntnisse, dass es zu mehr Störaktionen
kommen wird als vor einem Jahr», sagt Innenminister Uwe
Schünemann (CDU). Im vergangenen November gab es viele friedliche
Proteste, aber auch einen gefährlichen Stopp eines ICE-Zugs
- ohne Verletzte. Der Innenminister rechnet damit, dass die Protestaktionen
in diesem Jahr allenfalls noch regionalen Charakter haben werden
und nur noch vereinzelt Demonstranten aus anderen Bundesländern
ins Wendland reisen.
Ohnehin ist die Übermacht
der Polizei riesig: Rund 13.000 Beamte werden in diesem Jahr wieder
die zwölf Castor-Behälter mit der hoch radioaktiven
Fracht schützen, genauso viele wie im Vorjahr. Damals kamen
etwa 4 Polizisten auf einen der rund 3000 Demonstranten.
Die Menschen in der beschaulichen
Region an der Elbe, die zum Teil seit mehr als 25 Jahren gegen
die Atomlager vor ihrer Haustür kämpfen, bereiten sich
wie die Polizei seit Wochen vor: Wenn auch der breite Protest
aus ganz Deutschland von Jahr zu Jahr bröckelt, so konfrontieren
die Gegner vor Ort die Polizei doch immer wieder mit überraschenden
Aktionen. Für völlig überzogen hält die Bürgerinitiative
Lüchow-Dannenberg das kürzlich von der Bezirksregierung
verhängte Demonstrationsverbot entlang der Transportstrecke
- sie will dagegen klagen.
Offen ist auch, ob die neuen
politischen Rahmenbedingungen den Protest gegen den Atommüll-Transport
im Wendland anheizen. Die seit acht Monaten in Niedersachsen amtierende
CDU/FDP-Landesregierung befürwortet die Nutzung der Atomenergie
und will den Salzstock sobald wie möglich weiter als Endlager
erkunden lassen. Für die Atomkraftgegner ist dies ein Ansporn,
sich in diesem Jahr mit neuer Energie dem Castor zu widersetzen.
Innenminister Schünemann bleibt dennoch gelassen: «Es
gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Position der
Landesregierung neuen Widerstand im Wendland produzieren würde.»
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