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- 29.10.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Castor kommt: Polizei und Gegner bereiten sich auf den Tag X vor

Einmal im Jahr sammeln sich die Kernkraftgegner zum Großeinsatz im Wendland. Ende kommender Woche ist es wieder soweit.

Von Sigrun Stock, dpa

Gorleben (dpa) - Nahezu jeden Monat rollt Atommüll durch Deutschland, unbemerkt von der Öffentlichkeit und selten von Protest begleitet. Aber einmal im Jahr kommt der Tag X: Dann sammeln sich die Kernkraftgegner zum Großeinsatz. Wenn der Castor ins Zwischenlager Gorleben rollt, setzen sich Menschen bei klirrender Kälte zur Blockade auf die Straße, Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet werden ins Wendland abgeordnet. Ende kommender Woche ist es wieder soweit: In der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague startet der siebte Atommüll-Transport nach Gorleben. Voraussichtlich um den 12. November herum wird er im Zwischenlager erwartet.

In einem sind sich Politiker und Polizei in diesem Jahr einig: Die ganz harten Kämpfe um Gorleben mit unterhöhlten Straßen und brutalen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sind Vergangenheit. «Es gibt zur Zeit keine Erkenntnisse, dass es zu mehr Störaktionen kommen wird als vor einem Jahr», sagt Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Im vergangenen November gab es viele friedliche Proteste, aber auch einen gefährlichen Stopp eines ICE-Zugs - ohne Verletzte. Der Innenminister rechnet damit, dass die Protestaktionen in diesem Jahr allenfalls noch regionalen Charakter haben werden und nur noch vereinzelt Demonstranten aus anderen Bundesländern ins Wendland reisen.

Ohnehin ist die Übermacht der Polizei riesig: Rund 13.000 Beamte werden in diesem Jahr wieder die zwölf Castor-Behälter mit der hoch radioaktiven Fracht schützen, genauso viele wie im Vorjahr. Damals kamen etwa 4 Polizisten auf einen der rund 3000 Demonstranten.

Die Menschen in der beschaulichen Region an der Elbe, die zum Teil seit mehr als 25 Jahren gegen die Atomlager vor ihrer Haustür kämpfen, bereiten sich wie die Polizei seit Wochen vor: Wenn auch der breite Protest aus ganz Deutschland von Jahr zu Jahr bröckelt, so konfrontieren die Gegner vor Ort die Polizei doch immer wieder mit überraschenden Aktionen. Für völlig überzogen hält die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg das kürzlich von der Bezirksregierung verhängte Demonstrationsverbot entlang der Transportstrecke - sie will dagegen klagen.

Offen ist auch, ob die neuen politischen Rahmenbedingungen den Protest gegen den Atommüll-Transport im Wendland anheizen. Die seit acht Monaten in Niedersachsen amtierende CDU/FDP-Landesregierung befürwortet die Nutzung der Atomenergie und will den Salzstock sobald wie möglich weiter als Endlager erkunden lassen. Für die Atomkraftgegner ist dies ein Ansporn, sich in diesem Jahr mit neuer Energie dem Castor zu widersetzen. Innenminister Schünemann bleibt dennoch gelassen: «Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Position der Landesregierung neuen Widerstand im Wendland produzieren würde.»

 


© ArtToday

Nahezu jeden Monat rollt Atommüll durch Deutschland, unbemerkt von der Öffentlichkeit und selten von Protest begleitet. Aber einmal im Jahr kommt der Tag X: Dann wenn der Castor ins Zwischenlager Gorleben rollt.


 Mehr Informationen:

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow- Dannenberg

BMU: Atomkraft

vista verde: Atomkraft

 

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