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- 25.09.2003 -

 

 

 

Khat statt Mathe: In Somalia gehen nur wenige Kinder zur Schule

Im Bürgerkriegsland Somalia geht nicht einmal jedes fünfte Kind in eine Schule. Stattdessen verbringen viele Kinder einen großen Teil ihrer Zeit damit, stimulierende Khat-Blätter zu kauen.

Von Ulrike Koltermann, dpa

Gabiley (dpa) - Wenn Hassan lacht, hat er grüne Mundwinkel. Wenn er nicht lacht, kaut er gemächlich auf einer faserigen Masse herum. Der Zwölfjährige verbringt einen großen Teil seiner Zeit damit, stimulierende Khat-Blätter zu kauen. Zur Schule geht er nicht - wie nach UN-Angaben 123 Millionen Kinder weltweit. Das Bürgerkriegsland Somalia ist mit am schlimmsten betroffen. Dort geht nicht einmal jedes fünfte Kind in eine Schule.

Da es in Somalia seit zwölf Jahren keine zentrale Regierung mehr gibt, haben viele Gemeinden das Schulwesen selbst in die Hand genommen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef unterstützt sie dabei. Mangelnde Schulbildung ist nach Ansicht von Unicef eines der größten Hindernisse bei der Armutsbekämpfung.

 


© dpa

Mädchen und Jungen sitzen auf getrennten Bänken in der Grundschule von Gabiley in Somaliland, der unabhängigen, aber international nicht anerkannten Republik im Nordwesten Somalias.

 

«Lächle, Du bist in Gabiley», steht auf dem Ortsschild der 20.000- Einwohner-Gemeinde in Somaliland, der abtrünnigen Republik im Nordwesten des Landes. Bemüht realistische Wandmalereien an Geschäften, Restaurants und Arztpraxen sind nicht nur Dekoration, sondern auch ein Hinweis auf die hohe Zahl der Analphabeten.

Die Schule besteht aus mehreren hellgelben, eingeschossigen Gebäude. Auf dem Schulhof wimmelt es vor Kindern. Die Mädchen tragen leuchtend bunte Schleier, die bis zu den Knien reichen. Manche lutschen Wassereis aus kleinen Plastikbeuteln.

«Wir unterrichten in zwei Schichten», sagt Achmed, der Schuldirektor. «Wir haben weder ausreichend Platz noch genügend Lehrer.» Über die Aufnahme entscheide die Reihenfolge der Anmeldungen. Die meisten Schulen finanzieren sich durch Beiträge der Eltern. Unicef beteiligt sich nicht an den laufenden Kosten, um den Schulbetrieb nicht von der Hilfe abhängig zu machen.

Viele Eltern melden ihre Kinder gar nicht erst an, weil sie es sich nicht leisten können. Wenn sie nicht alle in die Schule zu schicken können, dann haben die Jungen Vorrang. Mädchen müssen häufig von klein auf im Haushalt mitarbeiten. Aus der Sicht mancher Eltern ist der Schulbesuch ihrer Töchter eine Fehlinvestition, da sie häufig früh heiraten und dann viele Kinder bekommen. Im Schnitt sitzen ein Drittel Mädchen in den Klassen. Bis zur Abschlussklasse verringert sich ihr Anteil jedoch auf ein Achtel.

Stolz zeigt der Schuldirektor die neuen, bunt bebilderten Schulbücher. «Es gab viele Diskussionen, vor allem über die Frage, ob und wie Mädchen abgebildet werden sollten», sagt er. Nun sind auf den Bildern auch - korrekt verschleierte - Schülerinnen und Lehrerinnen zu sehen. Mädchen und Jungen werden gemeinsam unterrichtet, sitzen aber auf getrennten Bänken. Nur wenige Schulen haben sichtgeschützte Spiel- und Sportplätze extra für Mädchen.

In dem fast einheitlich muslimischen Land stehen auch Arabisch und Islamunterricht auf dem Lehrplan. «Die Schüler erfahren dabei auch von den anderen Religionen. Sie sollen Respekt vor Andersgläubigen lernen», sagt Achmed. Gemeinsame Gebete auf dem Schulgelände fänden nicht statt. «Gebetet wird entweder in der Moschee oder zu Hause», fügt er hinzu.

Für Kinder, die nicht zur Schule gehen, hat Unicef gemeinsam mit lokalen Partnern Jugendgruppen gegründet. «Die Jugendlichen spielen Fußball und Basketball», berichtet die Projektleiterin Amina. «Aber sie sprechen auch über Aids, Genitalverstümmelung von Mädchen und über die Rechte von Kindern.» Die Schulbildung sei auf diese Weise nicht zu ersetzen, sagt sie. «Aber es ist auf jeden Fall besser, als wenn sie herumsitzen und Khat kauen.»

 

 Mehr Informationen:

UNICEF

Auswärtiges Amt: Somalia

 

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