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- 16.09.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktionsplan: Welt-Parkkongress fordert mehr Schutz für Meere

Der 5. Weltkongress über Nationalparks und geschützte Gebiete will mit einem Aktionsplan den Schutz der Meere stärken.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Durban/Johannesburg (dpa) - Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Dennoch steht nur ein Prozent der Weltmeere unter Naturschutz. Der 5. Welt-Nationalparkkongress, der an diesem Mittwoch im südafrikanischen Durban zu Ende geht, will daher mit einem Aktionsplan auch den Schutz der Ozeane stärken. «Es wird einen dringenden Aufruf geben, mehr Schutzgebiete auszuweisen», kündigte Kongressleiter Achim Steiner im Gespräch mit der dpa an. Wenn keine Trendwende einsetze, so warnte der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, bereits im Vorfeld der Konferenz, «werden wir die schwierige Aufgabe haben, unseren Enkeln zu erklären, was ein Fisch ist».

Anderthalb Wochen haben sich in der südafrikanischen Hafenstadt 2800 Spezialisten aus 170 Ländern Gedanken über Perspektiven bei Management und Ausbau der Naturschutzflächen gemacht. Mit einem «Durban-Abkommen» wird das Treffen, das alle zehn Jahre von der Weltnaturschutzunion IUCN ausgerichtet wird, eine Art Fahrplan in die Zukunft präsentieren. Das Rahmenwerk soll den Regierungen Richtlinien für die Erhaltung und weitere Entwicklung von Schutzgebieten bieten. Neue Schutzgebiete werden demnach vor allem auf See anfallen. «Die Ozeane können nicht länger als ungeregelter Freiraum für alle angesehen werden», hatte Töpfer gefordert.

Bei der geschützten Landfläche durften sich die Delegierten dagegen erfreut die Hände reiben. An Land gibt es so viele Schutzgebiete wie nie zuvor. Zum ersten Weltparkkongress im Jahre 1962, als die Vereinten Nationen erstmals Naturparks, Reservate und Biosphären-Gebiete auflisteten, existierten gerade einmal 1.000 Schutzgebiete. Heute sind es 102 102 mit einer Ausdehnung von 18,8 Millionen Quadratkilometern - weit mehr als die Fläche von China und Indien zusammengenommen. Mit 12,7 Prozent der Landfläche übertrifft sie selbst die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Erde.

Die meisten dieser Gebiete - 43.000 - zählt zwar Europa. Doch mehr als 40 Prozent der Schutzflächen liegen in Entwicklungsländern, und dort haben die Regierungen im täglichen Überlebenskampf ihrer Bevölkerungen ganz andere Prioritäten als den Naturschutz. «In Afrika kann der Naturschutz nicht nur Aufgabe der Staaten sein», meint IUCN- Generaldirektor Steiner. Die Umweltschützer wollen daher Industrieländer stärker bei der Finanzierung der Schutzgebiete und deren Ausbau in die Pflicht nehmen. Auf 23 Milliarden Dollar pro Jahr werden die Kosten fürs kommende Jahrzehnt geschätzt. «Weniger, als die Amerikaner jährlich für Softdrinks ausgeben», betonte ein Delegierter.

Steiner weist auf die wichtige Rolle der Schutzgebiete im Kampf gegen den Klimawandel und - in der Form grenzüberschreitender Naturparks - auch bei der Friedenssicherung hin. Die oft wie Konfetti über die Landkarte verstreuten Schutzgebiete sollen daher künftig zu zusammenhängenden Einheiten zusammengefügt werden.

Waren früher Schutzgebiete vor allem mit Blick auf die Natur allein eingerichtet worden, gibt es heute eine umfassendere Interpretation des Naturschutz-Gedankens. Die Erkenntnis, dass entgegen früherer Ansicht Menschen in den Schutzgebieten leben dürfen und auch davon profitieren können, wird zunehmend bedeutsam.

«Wir wissen, dass weltweit 55 Prozent aller Touristen in ihrem Urlaub mindestens einmal einen Naturpark oder ein Schutzgebiet besuchen», sagte Steiner. Der Tourismus könne so auch zur Finanzierung der Schutzgebiete beitragen. Eines sei in Durban klar geworden: Naturschutz, der den Ausschluss der Menschen als oberstes Ziel habe, sei ohne Zukunft.

 

 Mehr Informationen:

IUCN: World Parks Congress

vista verde: Parks und Schutzgebiete

 

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