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Aktionsplan: Welt-Parkkongress fordert
mehr Schutz für Meere
Der 5. Weltkongress über
Nationalparks und geschützte Gebiete will mit einem Aktionsplan
den Schutz der Meere stärken.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Durban/Johannesburg (dpa) - Mehr
als zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt.
Dennoch steht nur ein Prozent der Weltmeere unter Naturschutz.
Der 5. Welt-Nationalparkkongress, der an diesem Mittwoch im südafrikanischen
Durban zu Ende geht, will daher mit einem Aktionsplan auch den
Schutz der Ozeane stärken. «Es wird einen dringenden
Aufruf geben, mehr Schutzgebiete auszuweisen», kündigte
Kongressleiter Achim Steiner im Gespräch mit der dpa an.
Wenn keine Trendwende einsetze, so warnte der Exekutivdirektor
des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, bereits im Vorfeld
der Konferenz, «werden wir die schwierige Aufgabe haben,
unseren Enkeln zu erklären, was ein Fisch ist».
Anderthalb Wochen haben sich
in der südafrikanischen Hafenstadt 2800 Spezialisten aus
170 Ländern Gedanken über Perspektiven bei Management
und Ausbau der Naturschutzflächen gemacht. Mit einem «Durban-Abkommen»
wird das Treffen, das alle zehn Jahre von der Weltnaturschutzunion
IUCN ausgerichtet wird, eine Art Fahrplan in die Zukunft präsentieren.
Das Rahmenwerk soll den Regierungen Richtlinien für die Erhaltung
und weitere Entwicklung von Schutzgebieten bieten. Neue Schutzgebiete
werden demnach vor allem auf See anfallen. «Die Ozeane können
nicht länger als ungeregelter Freiraum für alle angesehen
werden», hatte Töpfer gefordert.
Bei der geschützten Landfläche
durften sich die Delegierten dagegen erfreut die Hände reiben.
An Land gibt es so viele Schutzgebiete wie nie zuvor. Zum ersten
Weltparkkongress im Jahre 1962, als die Vereinten Nationen erstmals
Naturparks, Reservate und Biosphären-Gebiete auflisteten,
existierten gerade einmal 1.000 Schutzgebiete. Heute sind es 102
102 mit einer Ausdehnung von 18,8 Millionen Quadratkilometern
- weit mehr als die Fläche von China und Indien zusammengenommen.
Mit 12,7 Prozent der Landfläche übertrifft sie selbst
die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Erde.
Die meisten dieser Gebiete -
43.000 - zählt zwar Europa. Doch mehr als 40 Prozent der
Schutzflächen liegen in Entwicklungsländern, und dort
haben die Regierungen im täglichen Überlebenskampf ihrer
Bevölkerungen ganz andere Prioritäten als den Naturschutz.
«In Afrika kann der Naturschutz nicht nur Aufgabe der Staaten
sein», meint IUCN- Generaldirektor Steiner. Die Umweltschützer
wollen daher Industrieländer stärker bei der Finanzierung
der Schutzgebiete und deren Ausbau in die Pflicht nehmen. Auf
23 Milliarden Dollar pro Jahr werden die Kosten fürs kommende
Jahrzehnt geschätzt. «Weniger, als die Amerikaner jährlich
für Softdrinks ausgeben», betonte ein Delegierter.
Steiner weist auf die wichtige
Rolle der Schutzgebiete im Kampf gegen den Klimawandel und - in
der Form grenzüberschreitender Naturparks - auch bei der
Friedenssicherung hin. Die oft wie Konfetti über die Landkarte
verstreuten Schutzgebiete sollen daher künftig zu zusammenhängenden
Einheiten zusammengefügt werden.
Waren früher Schutzgebiete
vor allem mit Blick auf die Natur allein eingerichtet worden,
gibt es heute eine umfassendere Interpretation des Naturschutz-Gedankens.
Die Erkenntnis, dass entgegen früherer Ansicht Menschen in
den Schutzgebieten leben dürfen und auch davon profitieren
können, wird zunehmend bedeutsam.
«Wir wissen, dass weltweit
55 Prozent aller Touristen in ihrem Urlaub mindestens einmal einen
Naturpark oder ein Schutzgebiet besuchen», sagte Steiner.
Der Tourismus könne so auch zur Finanzierung der Schutzgebiete
beitragen. Eines sei in Durban klar geworden: Naturschutz, der
den Ausschluss der Menschen als oberstes Ziel habe, sei ohne Zukunft.
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