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- 21.07.2003 -

 

 

 

 

Konfliktträchtig: Index der sozialen Entwicklung vorgestellt

Auf einem Index der sozialen Entwicklung liegt Deutschland zwar auf Platz 5, aber für große Teile der Weltbevölkerung hat sich die allgemeine Lebensqualität im letzten Jahrzehnt rapide verschlechtert.

(jkm) - Dänemark und Schweden weisen den weltweit höchsten sozialen Entwicklungsstand auf. Das berichtet ein amerikanischer Soziologe auf einer Fachkonferenz in Frankfurt am Main. Deutschland liegt gemeinsam mit Luxemburg und Österreich auf Platz 5 einer Liste von 163 Staaten. In zahlreichen Staaten drohen der soziale Kollaps und damit mehr Unruhen und Konflikte.

"Einer Hand voll Staaten geht es gut", sagt Richard Estes von der University of Pennsylvania, Philadelphia, "viele schaffen es jedoch kaum, grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen". Im letzten Jahrzehnt habe sich die allgemeine Lebensqualität für große Teile der Weltbevölkerung rapide verschlechtert, besonders in den ärmsten Nationen Afrikas und Asiens. So bilden Afghanistan, Eritrea und Äthiopien das Schlusslicht der Liste. "Die reichen Staaten ignorieren auf eigene Gefahr die verzweifelte Notlage der ärmsten Nationen."

Der Forscher nutzte Zahlen für das Jahr 2000, die den Vereinten Nationen und der Weltbank von den einzelnen Staaten zur Verfügung gestellt worden waren. Anhand Faktoren wie Pro-Kopf-Einkommen, Analphabetismus, Kindersterblichkeit, Militärausgaben, Ärztedichte oder Stärke der Bürgerrechte berechnete er dann für 163 Staaten einen Index der sozialen Entwicklung. Die Rangliste stellte er nun auf der Konferenz der International Society for Quality-of-Life Studies vor.

In Afrika und Asien nähern sich demnach 21 Staaten dem sozialen Zusammenbruch. Zu den Ursachen gehören ökonomisches Versagen, korrupte Regierungen, ethnische Konflikte oder seit Jahrzehnten schwelende Regionalkriege. Brisant sei die Situation beispielsweise in Indien, so Estes. "Indiens Entwicklungsrezept - hohe Militärausgaben kombiniert mit andauernder Armut - führt in die Katastrophe."

Selbst der Bevölkerung in einst wohlhabenden Ländern gehe es heute nicht mehr so gut, erläutert der Forscher am Beispiel der Vereinigten Staaten, nunmehr auf Rang 27 der Liste. Die soziale Entwicklung trete hier seit 1980 auf der Stelle und liege inzwischen gleichauf mit der in Polen und Slowenien. Chronische Armut sei dabei der wichtigste Faktor: "Über 33 Millionen Amerikaner - darunter fast 12 Millionen Kinder - sind arm", so der Forscher. Die meisten Betroffenen lebten in Familien, arbeiteten in Vollzeit und seien Weiße. "Kein anderes wirtschaftlich entwickeltes Land toleriert ein derartiges Maß an Armut."

 


© ArtToday

Obdachloser: Selbst der Bevölkerung in einst wohlhabenden Ländern geht es heute nicht mehr so gut.

 

 Mehr Informationen:

Quality of Life 2003

The International Index of Social Progress

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