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Armut:
10 Millionen Kinder sterben pro Jahr
- Zwei Drittel wären zu retten
Mehr als 10 Millionen Kinder
sterben jährlich an Armutskrankheiten. Zwei Drittel von ihnen
könnten für wenig Geld gerettet werden.
Von Thilo Resenhoeft, dpa
London (dpa) - Mehr als 10 Millionen
Kinder sterben jährlich, bevor sie 5 Jahre alt werden. 99
Prozent von ihnen lebten in Armut, der Hauptursache von Unterernährung
und Krankheit. Etwa zwei Drittel der Kinder - rund 7 Millionen
- könnten mit Nahrungsmitteln und vorhandenen Medikamenten
gegen Durchfall, Malaria oder Lungenentzündung für vergleichsweise
wenig Geld gerettet werden.
Diese Daten präsentieren
25 führende Wissenschaftler von Universitäten, der UN,
der Weltbank und Hilfsorganisationen in einem aufrüttelndem
Schwerpunkt, den das Fachjournal «The Lancet» (Bd.
361) in den nächsten Wochen druckt. Sie rufen die Regierungen
und UN-Organisationen dazu auf, das Überleben der Kinder
auf ihrer Prioritätenliste weit nach oben zu setzen.
«Die größten
Kinderkiller von heute sind Durchfall, Lungenentzündung und
Malaria. Genau wie 1980», schreibt die so genannte Bellagio-Gruppe.
Sie umfasst Experten von UN-Organisationen, der Weltbank, von
Kliniken und Ministerien.
Zu den größten Bedrohungen
der Kinder gehören verseuchtes Trinkwasser und fehlende Muttermilch,
schreibt Robert Black von der Johns Hopkins School of Public Health
in Baltimore (US-Staat Massachusetts). Schmutziges Trinkwasser
und schlechte Hygiene führten besonders häufig zu Durchfall.
Ohne die Abwehrkräfte und die Energie aus der Milch steige
das Risiko für Durchfall aufs 7-fache, für Lungenentzündung
noch aufs 5-fache, erklärt der Forscher. Und oftmals kämen
die Kinder bereits geschwächt zur Welt, weil schon ihre Mütter
nicht genug zu essen hatten.
Zu den besonders vielversprechenden
Hilfen zählen deshalb Lebensmittelhilfen für die Mütter,
damit sie Töchter und Söhne stillen können, berichtet
das Team um Gareth Jones vom United Nations Children Fund in New
York. Hinzu kommen mit Insektengift präparierte Moskitonetze,
um die Verbreitung der Malaria einzudämmen. Zudem seien umfassende
Schutzimpfungen gegen Masern und die Versorgung unterernährter
und ausgedörrter Kinder mit schnell wirksamen, rehydrierenden
Getränken nötig. Helfen würden zudem Medikamente
gegen Rotaviren, die schwere Durchfälle hervorrufen, und
Zink für die Behandlung von Lungenkrankheiten.
«Wir brauchen nicht auf
neue Impfstoffe zu warten, nicht auf neue Wirkstoffe oder neue
Technologien», betont Jones. Es komme schlichtweg darauf
an, Nahrungsmittel und die bereits vorhandenen Medikamente zu
den Betroffenen zu bringen. «Was wir wissen, müssen
wir in Aktionen umsetzen.»
Die Hälfte der Opfer stirbt
allein in den sechs Ländern Indien, Nigeria, China, Pakistan,
Kongo und Äthiopien, heißt es in «The Lancet».
Gerade 42 Länder verzeichnen demnach gemeinsam 90 Prozent
aller Fälle. Lungenentzündung und Durchfall sind die
häufigsten Todesursachen. Im Jahr 2000 - nur für diesen
Zeitraum liegen exakte Zahlen vor - kamen insgesamt 10,8 Millionen
Kinder um.
«Das Überleben der
Kinder muss wieder auf die Tagesordnung, damit das Wissen schnell
in Taten umgesetzt werden kann», schreibt die Bellagio-Gruppe
und listet mehrere Schwerpunkte auf. Die erste: Führungsstärke.
Zurzeit gebe es weder eine Person noch eine Institution, die diese
Rolle übernehme. Die zweite: Starke Gesundheitssysteme in
den betroffenen Ländern. Die Autoren verlangen, die Behörden
dort in die Lage zu versetzen, die Situation selbst in den Griff
zu bekommen. Die dritte: Das nötige Geld muss zur Verfügung
gestellt werden.
Die Forscher beziffern die jährlichen
Kosten auf rund eine Milliarde Dollar (etwa 870 Millionen Euro)
für Impfungen, vier Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro)
zur Behandlung von Kinderkrankheiten sowie 2,5 Milliarden Dollar
(2,1 Milliarden Euro) für die Bekämpfung von Malaria
und deren Prävention.
Diese rund 7,5 Milliarden Dollar
(6,5 Milliarden Euro) scheinen viel Geld zu sein, schreiben die
Forscher. Das relativiere sich jedoch angesichts des Preises eines
Flugzeugträgers, der mit 2 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden
Euro) zu Buche schlage. Oder den 17 Milliarden Dollar (14,7 Milliarden
Euro), die in den USA und Europa zusammen in jedem Jahr für
das Haustierfutter ausgegeben werden.
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