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Kindersoldaten leiden lebenslang: «Afrikas
Kriege sind Kinderkriege»
Manche von ihnen sind kaum
größer als das Gewehr, das sie tragen. Seit die Bundeswehr
sich auf ihren nächsten Afrika- Einsatz vorbereitet, finden
sich in vielen Medien wieder Bilder von Kindersoldaten.
Von Ulrike Koltermann, dpa
Hamburg (dpa) - «In Afrika
werden Kinder massenweise von Kindern getötet, und das schon
seit Jahren. Die Kriege auf diesem Kontinent sind in Wahrheit
Kinderkriege», schreibt der Afrika-Experte Ryszard Kapuscinski.
Auch wenn die Bundeswehr nur logistische Hilfe von Uganda aus
leistet, lenkt die internationale Kongo-Eingreiftruppe die Aufmerksamkeit
auf die bewaffneten Minderjährigen.
Skrupellose Kriegsherren sehen
in Kindersoldaten viele Vorteile: Sie lassen sich durch brutale
Behandlung zu schlimmsten Gewalttaten anstiften, sie sind ebenso
anspruchslos wie hilflos. «Kommandeure setzen gezielt Alkohol
und Drogen ein, um die Kinder zu enthemmen», sagt Andreas
Rister von der Deutschen Koordination Kindersoldaten. Zudem sind
die modernen Kleinfeuerwaffen im wahrsten Sinn des Wortes kinderleicht
zu bedienen.
«Kindersoldaten sind aus
militärischer Sicht am wenigsten wert», sagt er. Sie
werden darum immer für die gefährlichsten Aufgaben eingesetzt:
Sie legen und suchen Minen, stehen in erster Reihe an Kontrollpunkten,
sind bei Angriffen immer an vorderster Front. «Weil sie
klein und schnell sind, werden sie oft als Kundschafter eingesetzt.
Mädchen werden zudem oft als Sexsklavinnen der Soldaten missbraucht»,
sagt Rister.
In der Regel sind es Kinder aus
armen Familien, die zu Soldaten werden. Viele sind Aids- oder
Kriegswaisen und suchen Schutz bei den Milizen, andere werden
entführt und zwangsrekrutiert. «Unter den Milizen gibt
es einen perversen Wettlauf um immer jüngere Kindersoldaten,
schon damit die andere Seite sie nicht bekommt», berichtet
Rister. Der kongolesische Milizenführer Thomas Lubanga rühmt
sich öffentlich damit, dass er auf diese Weise elternlose
Kinder versorge.

© dpa
Kinder-Soldaten
der Hema-Miliz patrouillieren in den Straßen von
Bunia.
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Warten auf den Internationalen
Strafgerichtshof
UNICEF rechnet weltweit mit 300.000
Kindersoldaten. In der Bürgerkriegsprovinz Ituri im Nordostkongo
werden nach Schätzungen des UN-Hilfswerks etwa 10.000 Kinder
als Soldaten eingesetzt. Damit ist jeder dritte Soldat dort minderjährig,
einige von ihnen sind jünger als zehn Jahre. Kindersoldaten
kommen im Krieg mit größerer Wahrscheinlichkeit ums
Leben als Erwachsene. Sie sterben im Kampf, an den Strapazen oder
nach brutalen Strafen ihrer Vorgesetzten.
Viele Kriegsherren stimmen einer
Entwaffnung von Kindersoldaten nur ungern zu. «Nach zähen
Verhandlungen haben wir 2001 erreicht, dass die Rebellengruppe
RCD-Goma in Kongo sich verpflichtet hat, 2600 Kindersoldaten zu
entwaffnen», sagt UNICEF-Sprecherin Helga Kuhn. Bislang
wurden jedoch nur etwa 100 Kinder an Hilfsorganisationen übergeben.
Kinder, die überleben, haben
bleibende psychische Schäden. Sie sind traumatisiert, haben
Angstzustände, Schuldgefühle, reagieren überempfindlich
oder gänzlich abgestumpft. «Sie brauchen psychologische
Betreuung und die Möglichkeit, ein normales Leben zu führen»,
sagt Kuhn. UNICEF setzt bei Hilfsaktionen für ehemalige Kindersoldaten
auch auf lokale Traditionen, beispielsweise Reinigungs- und Heilungsrituale.
Die Aussichten, die Verantwortlichen
für den Missbrauch der Kinder zu belangen, sind allerdings
gering. «Wir warten auf die Arbeitsfähigkeit des Internationalen
Strafgerichtshofs», sagt Rister. Ein im Februar 2002 in
Kraft getretenes Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention,
mit dem sich die Bundesregierung auf ihrer Sitzung in dieser Woche
befassen wird, verbietet den Kriegseinsatz von Minderjährigen.
UNICEF drängt die Bundesregierung in Berlin, das Dokument
zu ratifizieren. «Auch wenn sich damit im Kongo nicht viel
ändert, so wäre es doch ein politisches Zeichen»,
sagt Kuhn.
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