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- 13.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kein Platz mehr für Illusionen: Klimaverhandlungen im Schatten

Der weltweite Klimaschutz leidet derzeit stark unter dem Rückzug der USA und dem Zögern Russlands. Das wurde bei der Arbeitstagung der UN-Klimakonferenz deutlich, die nach zehntägiger Dauer am Freitag in Bonn zu Ende ging.

Von Edgar Bauer, dpa

Bonn (dpa) - Mit den USA ist der weltweit größte Verursacher von Treibhausgasen aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen. Und Russland hat das Protokoll von 1997 zur Verminderung von klimaschädlichen Treibhausgasen bisher nicht ratifiziert. So lange dies nicht geschehen ist, kann es auch nicht Kraft treten.

In diesem Schwebezustand und unter dem Zeichen eines global ständig noch weiter wachsenden Ausstoßes an Treibhausgasen verhandelten in Bonn mehr als tausend Klimaexperten aus gut 100 Ländern einmal mehr über die Umsetzung der beschlossenen Grundsatzvereinbarungen zum Kyoto-Protokoll. Die lähmende Langsamkeit des Prozesses, die ernüchternde Datenlage und die vielen Widerstände aus wirtschaftliche Interessen provozieren immer mehr Schwarzmalerei, Resignation und auch öffentliches Desinteresse, wie in Bonn deutlich wurde. Beim Klimaschutz ist die Zeit der Visionen und für Illusionen abgelaufen, wie auch der deutsche Delegationsleiter, Karsten Sach, vom Bundesumweltministerium, zu verstehen gab.

Auch in Bonn gab es von russischer Seite kein Signal, wann mit der Ratifizierung zu rechnen sei. Bis September müsste die Ratifizierung über die Bühne sein, wenn das Kyoto-Protokoll zur nächsten Weltklimakonferenz im Dezember in Mailand in Kraft sein soll. «Unsere offene Flanke ist zur Zeit die fehlende russische Ratifizierung», sagte Sach. Es sei ein internes «Abstimmungsproblem» in Moskau. Jedenfalls gebe es keine Verhandlungen mehr über neue Zugeständnisse an die russische Seite. «Dafür gibt es auch keinen Grund.»

Das Ausscheiden der USA hat den globalen Klimaprozess auch nachhaltiger belastet, als dies von den Vorreitern wie der EU zunächst nach außen dargestellt wurde. Grundsätzlich hat dies auch die Weigerungshaltung von wichtigen Entwicklungsländern, allen voran Chinas, bestärkt, sich bei der Minderung von Treibhausgasen ebenfalls in die Pflicht nehmen zu lassen. Während die USA ihre Abkehr von Kyoto auch damit begründeten, dass Länder wie China weiter ungebremst Treibhausgase in die Luft pusten dürfen, sähen nun Entwicklungsländer erst recht keinen Anlass mehr mitzuziehen, wenn der weltgrößte Emittent und das reichste Industrieland nicht dabei sei, sagte Sach. Deshalb müssten auch die USA wieder mit ins Boot.

Schließlich hat auch der neue UN-Report die Verweigerung der Entwicklungsländer noch bestärkt, was auch Sach bejaht. Danach ist in den reicheren Industrieländern in diesem Jahrzehnt (2000-2010) mit einem Anstieg der Treibhausgase um im Schnitt 17 Prozent zu rechnen. Damit droht das Kyoto-Protokoll zur Luftnummer zu werden. Nach ihm müssen die Industrieländer ihre Treibhausgase bis 2012 (im Vergleich zu 1990) um im Schnitt 5,2 Prozent vermindern. Sach sprach von einem «mahnenden Signal zu rechten Zeit». Der Trend müsse sich wieder umkehren, wenn die Entwicklungsländer tatsächlich mitziehen sollen.

Unter diesen insgesamt ernüchternden Vorzeichen bemühten sich die Klimaexperten in Bonn um weitere Fortschritte im Detail. Dieses Mal standen die so genannten «Sauberen Entwicklungsprojekte» im Vordergrund. Zentral ging es dabei um die Anrechnung von «Senken» wie Wäldern und Aufforstungsmaßnahmen, insbesondere in Entwicklungsländern. Wälder und Bäume binden Kohlenstoff und sorgen so für weniger klimaschädliches Kohlendioxid (Co2) in der Atmosphäre. Der langfristige Nutzen davon ist jedoch umstritten.

Mit solchen Projekten wollen Industrieländer ihre Verpflichtungen zur Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen im eigenen Land abmindern, um ihre Industrie, den Verkehr und auch den Energieverbrauch in privaten Haushalten nicht zu stark einschränken zu müssen. Bei den Verhandlungen geht es nach den politischen Weichenstellungen im Kern jetzt vor allem darum, wer von was profitieren kann und wer wo verlieren kann. Unternehmen, Verbände und Lobbyisten sind hier emsig und scheinen das Heft übernommen zu haben. Umweltverbände achten - nicht ohne eigene Interessen - darauf, dass Standards formuliert werden und etwa ökologisch verheerende Anpflanzungen von Plantagen oder auch Staudämme doch nicht als «saubere Projekte» akzeptiert werden.

 


©
IISD/ENB-Leila Mead

Karsten Sach, der deutsche Delegationsleiter

 

 Mehr Informationen:

UNFCCC

BMU: Klimaschutz

GTZ: Clean Development Mechanism und forstliche Senken: CDM: Was ist das? Wie funktioniert er? (pdf)

vista verde: Klima

 

 Lesen Sie auch:

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