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Christstollen in Hanoi: Deutsche «Oldies»
helfen in aller Welt
Rund um den Globus sind sie
im Einsatz: Die «Experten mit weißen Haaren»
aus Deutschland.
Von Edgar Bauer, dpa
Bonn (dpa) - Der 68-jährige
Claus Dieter Gerhardt, früher Bäckermeister in Köln,
ist einer der rastlosen Ruheständler. In Vietnams Hauptstadt
Hanoi brachte «Meister Gerhardt» Straßenkindern
bei, wie man Baguette, Blätterteig und sogar Weihnachtsstollen
backt. Er hat leuchtende Augen, wenn er von seinen Erlebnissen
erzählt. «Vor allem hatten die jungen Leute, von denen
die meisten nicht mal Lesen oder Schreiben konnten, eine ungeheure
Lerngier und Disziplin. Zum Brotbacken braucht man ja nicht Lesen
und Schreiben.»
Wie Gerhardts fünfmonatiger
Aufenthalt in Vietnam ist die gesamte Bilanz des 1983 gegründeten
Senior Experten Service (SES) wohl eine Erfolgsgeschichte. Tausende
von Fachleuten, vom Top-Manager bis zum Kfz-Mechaniker und Schreiner,
haben in der Ferne Hilfe geleistet und dafür Auszeichnungen
und unzählige Dankesschreiben erhalten. Der SES habe gezeigt,
dass ältere Menschen noch gebraucht werden, sagte der Kuratoriumsvorsitzende
Franz Schoser beim 20. Jubiläum am Freitag in Bonn. Gerade
die reiche berufliche Erfahrung der «Oldies» sei unersetzlich,
weltweit gefragt und «ein großes Kapital».
Seit Gründung haben deutschen
SES-Fachleute in 149 Ländern bei rund 12.000 Einsätzen
mit Rat und Tat zur Seite gestanden. China liegt mit großem
Abstand an der Spitze - vor Russland und Litauen. Die Tätigkeit
ist strikt ehrenamtlich (es gibt nur ein kleines Taschengeld)
und auf sechs Monate begrenzt. Sie besteht meist in der praktischen
Lösung akuter technischer und betrieblicher Probleme und
der Qualifizierung von örtlichem Personal.
Wie Gerhardt schwärmt auch
der badische Winzer Peter Therstappen von seinem Einsatz. In Bulgarien
sorgte er für eine bisher dort nicht gekannte Qualität.
«Die Weine waren zuvor muffig, einfach schrecklich. Dabei
gibt es fabelhafte Weinbaugebiet, doch es fehlte vor allem an
unternehmerischem Geist.» Nach seiner «Kärrnerarbeit»
laufen inzwischen sogar Gespräche für einen Merlot-Import
nach Deutschland.
Die Palette der SES-Einsätze
unter dem Leitmotiv «Erfahrung hat Zukunft!» ist schillernd
und ohne geographische Grenzen. Claudia Kafke etwa half in Kamerun
ein Museum auszubauen und Kunstschätze zu retten. Uwe-Jens
Salzer schulte im Sudan die Mitarbeiter von Fleischbetrieben in
Hygiene. Hermann Siebert erklärte in Togo die Montage von
Solarlampen. Der Kölner Ingenieur Roland Reihlen brachte
Wolgadeutschen in Usbekistan bei, wie man kleinere Betrieb aufbaut
und in Birma unterwies er Schüler im Umgang mit Computern.
«Das Eintauchen in andere Kulturkreise war auch für
mich eine unschätzbare Erfahrung.»
Die Organisation wird vom Bundesentwicklungsministerium
und der Wirtschaft unterstützt. Gezielt wirbt die SES auch
in Unternehmen, die sich mit Arbeitszeitkonten und Vorruhestandsregelungen
vorzeitig von Fachleuten trennen wollen. Zurzeit sind in der Bonner
Zentrale mehr als 5800 berufserfahrene, ältere Fachleute
registriert, darunter rund 400 Frauen. Die Experten kommen aus
allen Branchen, vom Agrarsektor bis zur Elektrotechnik, aus der
Chemie- oder Nahrungsmittelindustrie.
Viele sind nach einem ersten
SES-Einsatz wie von einem Fieber gepackt und wollen wieder losziehen.
Auch «Meister Gerhardt» scharrt schon wieder mit den
Füßen. «Im Juli fahre ich wieder nach Hanoi.
Dort will ich weiter helfen, die Bäckerei aufzubauen.»
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