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Weltbank: Ursache von Bürgerkriegen
öfter Armut als ethnische Fehden
Bürgerkriege gehen nach
einer neuen Studie der Weltbank entgegen gängigen Annahmen
selten auf ethnische Spannungen und politische Fehden zurück.
Paris/Washington (dpa) - Viel
öfter seien Armut und die starke Abhängigkeit vom Export
natürlicher Ressourcen Auslöser der Konflikte, stellte
die Weltbank in der Studie «Die Konfliktfalle aufbrechen:
Bürgerkrieg und Entwicklungspolitik» fest. Sie wurde
am Mittwoch in Paris vorgestellt. Die Weltgemeinschaft habe ein
starkes Eigeninteresse, Konflikte zu verhindern, weil sie den
Terrorismus fördern, den Rauschgifthandel anheizen und zur
Verbreitung von Aids beitragen.
«Immer, wenn ein Bürgerkrieg
ausbricht, findet ein Historiker die Ursachen im 14. Jahrhundert
und ein Anthropologe deckt ethnische Wurzeln auf», sagte
der Autor der Studie, Paul Collier. «Uralte Geschichte und
ethnische Spannungen sind aber selten die besten Erklärungen.
Man sollte lieber auf die jüngere Geschichte des Landes schauen
und, noch wichtiger, auf die wirtschaftlichen Umstände.»
Die Weltbank hat für die
Studie 52 große Bürgerkriege zwischen 1962 und 1999
untersucht. Dabei habe sich herausgestellt, dass weder ethnische
oder religiöse Vielfalt noch scharfe Einkommensunterschiede
die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs erhöht hätten.
Das Risiko eines Konflikts sei dagegen dramatisch gestiegen, wenn
ein Land besonders arm war, die Wirtschaft darnieder lag oder
eine besondere Abhängigkeit von Bodenschätzen bestand.
Nach dem Weltbankbericht sind
Rauschgifthandel, die Ausbreitung von Aids und der Terrorismus
direkte Folgen von Bürgerkriegen. 95 Prozent der internationalen
Rauschgiftproduktion komme aus Bürgerkriegsländern.
Der HIV-Virus habe sich in Afrika nach jüngsten Studien vor
allem nach dem Bürgerkrieg 1979 in Uganda und den Massenvergewaltigungen
an der Grenze zu Tansania ausgebreitet. Terroristen nutzten Länder
ohne effektive Regierungskontrolle - wie etwa Afghanistan unter
den Taliban - als Basis für ihre Aktivitäten.
Die Weltbank fordert die Weltgemeinschaft
auf, alles daran zu setzen, das Risiko von Bürgerkriegen
zu verringern. Dazu müsse zum einen mehr Entwicklungshilfe
gezielter eingesetzt werden. Entwicklungsländer müssten
vor Preisschocks auf den Rohstoffmärkten geschützt und
Rebellenorganisationen aus dem Handel mit Rohstoffen ausgeschaltet
werden. Ländern müsse nach Bürgerkriegen mit Friedenstruppen
und Wirtschaftshilfe länger und besser geholfen werden. Vier
bis fünf Jahre seien für solche Einsätze nötig.
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