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- 14.05.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

Weltbank: Ursache von Bürgerkriegen öfter Armut als ethnische Fehden

Bürgerkriege gehen nach einer neuen Studie der Weltbank entgegen gängigen Annahmen selten auf ethnische Spannungen und politische Fehden zurück.

Paris/Washington (dpa) - Viel öfter seien Armut und die starke Abhängigkeit vom Export natürlicher Ressourcen Auslöser der Konflikte, stellte die Weltbank in der Studie «Die Konfliktfalle aufbrechen: Bürgerkrieg und Entwicklungspolitik» fest. Sie wurde am Mittwoch in Paris vorgestellt. Die Weltgemeinschaft habe ein starkes Eigeninteresse, Konflikte zu verhindern, weil sie den Terrorismus fördern, den Rauschgifthandel anheizen und zur Verbreitung von Aids beitragen.

«Immer, wenn ein Bürgerkrieg ausbricht, findet ein Historiker die Ursachen im 14. Jahrhundert und ein Anthropologe deckt ethnische Wurzeln auf», sagte der Autor der Studie, Paul Collier. «Uralte Geschichte und ethnische Spannungen sind aber selten die besten Erklärungen. Man sollte lieber auf die jüngere Geschichte des Landes schauen und, noch wichtiger, auf die wirtschaftlichen Umstände.»

Die Weltbank hat für die Studie 52 große Bürgerkriege zwischen 1962 und 1999 untersucht. Dabei habe sich herausgestellt, dass weder ethnische oder religiöse Vielfalt noch scharfe Einkommensunterschiede die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs erhöht hätten. Das Risiko eines Konflikts sei dagegen dramatisch gestiegen, wenn ein Land besonders arm war, die Wirtschaft darnieder lag oder eine besondere Abhängigkeit von Bodenschätzen bestand.

Nach dem Weltbankbericht sind Rauschgifthandel, die Ausbreitung von Aids und der Terrorismus direkte Folgen von Bürgerkriegen. 95 Prozent der internationalen Rauschgiftproduktion komme aus Bürgerkriegsländern. Der HIV-Virus habe sich in Afrika nach jüngsten Studien vor allem nach dem Bürgerkrieg 1979 in Uganda und den Massenvergewaltigungen an der Grenze zu Tansania ausgebreitet. Terroristen nutzten Länder ohne effektive Regierungskontrolle - wie etwa Afghanistan unter den Taliban - als Basis für ihre Aktivitäten.

Die Weltbank fordert die Weltgemeinschaft auf, alles daran zu setzen, das Risiko von Bürgerkriegen zu verringern. Dazu müsse zum einen mehr Entwicklungshilfe gezielter eingesetzt werden. Entwicklungsländer müssten vor Preisschocks auf den Rohstoffmärkten geschützt und Rebellenorganisationen aus dem Handel mit Rohstoffen ausgeschaltet werden. Ländern müsse nach Bürgerkriegen mit Friedenstruppen und Wirtschaftshilfe länger und besser geholfen werden. Vier bis fünf Jahre seien für solche Einsätze nötig.

 

 

 Mehr Informationen:

Weltbank: Breaking the Conflict Trap: Civil War and Development Policy

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