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- 13.05.2003 -

 

 

 

 

 

 

Aids in Afrika - Testfall, Teufelskreis und Tragödie zugleich

Aids gilt nach Sklaverei und Kolonialismus als eine der größten Herausforderungen für den ärmsten und auch am stärksten betroffenen Kontinent der Welt.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Johannesburg (dpa) - Selina Sewopa ist besorgt um Ruf und Pfunde. «Wenn man heutzutage dünner wird, denken die Leute ja gleich an Aids», sagt die Putzfrau aus Johannesburg, die mit den Pfunden nicht gerade geizt. Eine solche Sorge ist neu in einem Land, in dem 4,7 Millionen Menschen HIV-infiziert sind - mehr als in jedem anderen Staat. Erst zwei Jahrzehnte nach der Entdeckung des Aidsvirus drängt die Immunschwäche-Krankheit nun auch am Kap ins Bewusstsein der Menschen. Lange hatte Südafrikas Bevölkerung es zu verdrängen, verharmlosen oder verleugnen versucht. Die Regierung von Präsident Thabo Mbeki liegt bis heute wegen ihrer konfus-diffusen Aids-Politik mit Hilfsorganisationen über Kreuz.

Dabei gilt Aids nach Sklaverei und Kolonialismus als eine der größten Herausforderungen für den ärmsten und auch am stärksten betroffenen Kontinent der Welt. Es ist Testfall, Tragödie und Teufelkreis zugleich, Stigma, Entwicklungshemmer und Existenzrisiko. Auf Dauer dürfte die schleichende Gefahr eine ganze Generation zu Waisen machen. Tagtäglich sterben dort im Schnitt 6300 Menschen an der Krankheit. Von den mehr rund 42 Millionen HIV-Infizierten weltweit leben mehr als 29 Millionen in den Ländern südlich der Sahara. Die meisten von ihnen werden ohne Behandlung das nächste Jahrzehnt nicht erleben. Das südliche Afrika mit Botswana, Malawi, Simbabwe, Sambia, Swasiland, Mosambik und Südafrikas ist Schwerpunkt der Plage, die Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela eine «Tragödie nie da gewesenen Ausmaßes» nannte.

Trotz Einzelerfolgen in Uganda oder Senegal hat das große Sterben mangels umfassender Strategien bereits begonnen. «Die Wende zum Besseren haben wir in Afrika noch längst nicht erreicht», schätzt Michael Klaus vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Zwar nimmt das Bewusstsein für die Gefahr ebenso wie die Zahl der Selbsthilfegruppen zu, doch auch die Zahl der Betroffenen schwillt weiter. Die nun voll ausbrechende Epidemie trifft Afrika mitten ins Herz. Sie ist eine Gefahr für Demokratie, Stabilität und Sicherheit, ein Risiko für die Wirtschaft und Ursache ungeahnten menschlichen Leidens. Alle Kriege des Kontinents haben nicht so viel Tote verursacht wie die Krankheit, die auch die Entwicklung des Schlusslichts im Welthandel ausbremst.

Sinkende Lebenserwartungen, schrumpfende Produktionszahlen, ausgedünnte Ämter, Lehrkörper und Armeen - die Folgen von Aids sind überall spürbar. In Farmen und Betrieben fehlen Menschen der produktivsten Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren. Am Kap legen große Unternehmen bereits aus eigenem Interesse Aids-Programme auf - die Regierung sperrt sich gegen die landesweite Verteilung wirksamer Medikamente, die den Fortschritt der Krankheit hemmen.

Bis 2010, schätzt eine US-Studie, wird Aids das Bruttosozialprodukt Schwarzafrikas um 20 Prozent reduzieren. 20 Millionen Kinder dürften dann Vater oder Mutter oder beide durch Aids verloren haben. Weltweit wird mit 25 Millionen Aids-Waisen gerechnet - momentan sind es 13,4 Millionen. Entwurzelt schließen sich viele davon Banden an und wachsen in gewaltbereiten Milieus ohne moralische Richtwerte auf. In Südafrika wirkt zudem der Aberglaube, Sex mit Jungfrauen heile Aids, dramatisch: Die Vergewaltigungsopfer werden immer jünger.

 

 Mehr Informationen:

UNICEF

UNAIDS

DIE ZEIT: Die
vergessene Epidemie


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