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Auch Afrikaner Opfer des Irak-Kriegs:
Weniger Hilfe für Hungernde
Wovor viele Hilfsorganisationen
vor dem Beginn des Irak-Kriegs warnten,
ist nun eingetreten: Hilfsgelder für Hungernde in Afrika
werden gekürzt.
Von Antje Passenheim, dpa
Nairobi (dpa) - Auch Afrikaner
sind Opfer des Irak-Kriegs. Wovor viele Hilfsorganisationen vor
seinem Beginn warnten, ist nun eingetreten: Geber drehen am Geldhahn
für Not leidende Menschen auf dem Schwarzen Kontinent, weil
sie Mittel für den Irak benötigen. Für rund 40
Millionen Hunger leidende Menschen in Afrika bleibt vielerorts
gerade noch die Hälfte der ursprünglich zugesagten Hilfe.
James Morris, Direktor des UN-Welternährungsprogramms
(WFP), sieht eine Doppelmoral in vielen Geberländern. «Wie
kann es angehen, dass wir uns an ein Grad von Leiden und Hoffnungslosigkeit
in Afrika gewöhnen, das wir nirgendwo sonst auf der Welt
akzeptieren würden?» fragt er. «Wir dürfen
das nicht dulden.» Doch in der Realität bleibt Bevölkerung,
Helfern und manchmal auch Gebern keine Wahl, meint dazu Iris Krebber
von der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH) in Äthiopien, wo
bis zu elf Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht sind.
Um Nothilfeprojekte zur Bekämpfung
der Dürre auf den Weg zu bringen, hatte ihre Organisation
Ende vergangenen Jahres umfangreiche Geberzusagen bekommen. Nach
dem Irak-Krieg sieht das anders aus: «Nahezu alle Geber
haben 50 Prozent und mehr ihrer Mittel für die Hungerkrise
in Afrika umgeschichtet, um Gelder für die Hilfe im Irak
zu haben», klagt die Projektleiterin in der Hauptstadt Addis
Abeba. «Wir hatten allein bei einem Geber bis zu 5,5 Millionen
Euro beantragt», erklärt Krebber. «Das wurde
uns jetzt auf 2,8 Millionen runtergekürzt - und bei anderen
Gebern sieht es nicht anders aus.» Die Deutsche möchte
die Geber nicht nennen, da sie «weiß, dass viele ganz
einfach Zwängen unterliegen und nicht anders können.»

© dpa
Nahrungmittelhilfe
in Simbabwe: Kinder in einer Grundschule in der Nähe
von Harare, der Hauptstadt Simbabwes, die auf ihr Essen
warten. Sie erhalten mit Hilfe von UNICEF zumindest ein
Mal täglich etwas zu essen (Archivbild vom Juli 2002).
Allein in Simbabwe sind mehr als 600.000 Kinder auf Nahrungsmittelhilfe
durch UNICEF angewiesen.
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Auch Deutschland hält
Gelder zurück
Für den Irak-Krieg zahlen
nach Ansicht zahlreicher anderer internationaler Hilfsorganisationen
auch Millionen Hungeropfer in Eritrea, Burundi, Sambia, Malawi,
Simbabwe sowie in westafrikanischen Flüchtlingszentren wie
Guinea und Liberia. So hätten in den ersten drei Monaten
dieses Jahres viele Geberländer, auch Deutschland, Gelder
zurückgehalten, um die Entwicklung im Irak abzuwarten, kritisierte
kürzlich der Hochkommissar des UN-Flüchtlingshilfswerks
(UNHCR) Ruud Lubbers in Kenias Hauptstadt Nairobi. Das 300 Millionen
US-Dollar umfassende Afrika-Programm des UNHCR habe ein Defizit
von 15 Prozent. «Doch anstatt diese rund 50 Millionen Dollar
aufzufüllen, geht die Bereitschaft der Geber noch weiter
zurück», klagt Lubbers. «Sie müssen der
irakischen Bevölkerung helfen, aber sie dürfen dafür
keine Afrikaner sterben lassen.»
Am Horn von Afrika, meint Helferin
Iris Krebber, wird das unweigerlich der Fall sein. «Bei
meinen Feldbesuchen sehe ich immer schlimmere Dürrefolgen»,
sagt sie. «Die Opfer akuter Unterernährung werden bald
noch mehr leiden, denn wir haben nicht mehr die Mittel, diese
Dürrefolgen zu bekämpfen.» Mit Sorge zitiert sie
Prognosen, die ausgerechnet das US-Handelsministerium herausgab.
Nach dessen Frühwarnsystem wird auch die kommende Anbausaison
in Äthiopien wie in Teilen Somalias und Kenias stark von
der Dürre betroffen sein. «Es wird schlimmer werden,
und wir können in vielen Fällen nur zusehen, weil uns
die Mittel fehlen.»
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