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«Focus»: Alle deutschen AKW
durch Flugzeug-Terrorangriff verwundbar
Keines der 19 deutschen Atomkraftwerke
würde nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus»
einem Terrorangriff mit einem großen Passagierflugzeug Stand
halten.
Berlin (dpa) - Mindestens zehn
Reaktoren gelten demnach als «besonders unzureichend»
geschützt, berichtet das Magazin unter Berufung auf eine
geheime Studie der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS). Die GRS- Experten schlügen daher unter anderem vor,
diese Gebäude mit einer weiteren robusteren Hülle zu
versehen. Das Bundesumweltministerium hatte die Untersuchung nach
den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA in Auftrag
gegeben.
Ministeriumssprecher Michael
Schroeren lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Er verwies
am Sonntag in Berlin darauf, dass mit den Bundesländern Vertraulichkeit
vereinbart worden sei, um einen Missbrauch der Untersuchungsergebnisse
auszuschließen. Ende Januar hatte das Bundesministerium
den Bericht an Landesvertreter aus Baden- Württemberg, Bayern,
Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein übergeben. In
diesen Bundesländern werden die 19 deutschen Atomkraftwerke
betrieben.
Laut «Focus» kommt
die GRS in ihrem «Gutachten über die Wirkungen terroristischer
Flugzeugabstürze auf Kernkraftwerke» zu dem Schluss,
dass die größte Gefahr nicht von den «gewaltigen
Kerosinbränden» nach der Explosion der Flugzeuge ausginge.
Viel verheerender wirke sich die durch den «Triebwerkdruck»
erzeugte Aufprallwucht aus. Sie zerstöre unverzichtbare Anlagenteile
wie Kühlsysteme, mache den Reaktor unbeherrschbar und könnte
eine Kernschmelze auslösen. Dabei würden große
Mengen Radioaktivität freigesetzt.
Die GRS-Experten regen deshalb
laut «Focus» auch an, die Lufträume über
den Reaktoren als Sperrgebiete auszuweisen und Passagiermaschinen
mit einer Spezialelektronik auszurüsten. Sobald ein Flugzeugentführer
in eine solche Zone eindringen und sich einem AKW nähern
würde, übernähme der Autopilot das Kommando und
würde die Maschine wieder in «erlaubtes Gebiet»
manövrieren.
Einige Empfehlungen der GRS-Experten
haben die meisten Kraftwerksbetreiber nach «Focus»-Informationen
bereits umgesetzt. So könnten etwa in unmittelbarer Nähe
vieler Reaktoren keine Hubschrauber mehr landen. Die bisher für
Noteinsätze vorgesehenen Helikopter-Plätze seien verbaut
worden und könnten Terroristen damit nicht mehr als Anflug-Rampen
dienen.
In einer Stellungnahme der Reaktorsicherheitskommission
hatte es im Oktober 2001 geheißen, die deutschen Atomkraftwerke
seien «in einem unterschiedlichen Maß» gegen
Flugzeugabstürze geschützt. Ob sie einem gezielten terroristischen
Angriff mit einem großen Verkehrsflugzeug standhalten würden,
müsse als fraglich gelten.
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