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- 04.04.2003 -

 

 

 

 

 

 

Ein Jahr nach Kriegsende:

Angolas Weg zum Frieden bleibt explosiv

Afrikas längster Krieg ist seit einem Jahr beendet. Seit 4. April 2002 schweigen in Angola offiziell die Waffen, doch das südwestafrikanische Land ächzt noch immer unter dem Erbe des 27-jährigen Bürgerkriegs.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Luanda/Johannesburg (dpa) - Zwölf Millionen Minen im Erdreich des Landes machen die Versorgung der Hungernden im Hinterland zum lebensgefährlichen Risiko. Statistisch gesehen kommt eine Mine auf jeden Einwohner.

«Im Dezember vergangenen Jahres sind acht Menschen getötet worden, als ein Lastwagen aus einem Hilfskonvoi auf eine Panzermine fuhr», sagt Kattrin Lempp von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Es bahne sich eine humanitäre Katastrophe an.

Obwohl Angola als mittlerweile größter Ölproduzent Schwarzafrikas von Franzosen und Amerikanern hofiert wird, ist der Wiederaufbau des völlig zerstörten Landes eine riesige Aufgabe. Schulen, Straßen, Bahnverbindungen, Flughäfen, Brücken, Kraftwerke oder Krankenhäuser sind zerbombt, zerschossen, verfallen oder verbrannt.

Außerhalb der Hauptstadt Luanda und weniger Küstenorte ist vermintes Gebiet, das fast nur per Flugzeug erreichbar ist. Das einzige, was neben den Bodenschätzen im Überfluss vorhanden ist, sind Waffen.

 


© dpa

Kinder, die sich für Essen anstellen, ausgegeben von der Internationalen Caritans NGO in Huambo in Angola. (Archivbild vom 25.11.2000)

 

Ausländische Investoren stehen Schlange

Die von Krankheiten und massiver Unterernährung geplagte Bevölkerung gehört trotz des enormen Rohstoff-Reichtums zu den ärmsten Menschen der Welt. Viele Angolaner wurden im Laufe des Konflikts verstümmelt, vertrieben, zwangsrekrutiert oder ins Exil gedrängt. Ein Großteil ist vom Hungertod bedroht.

Nach UN-Schätzung sind durch die Kriegswirren 1,7 Millionen Menschen dringend auf Lebensmittel-Hilfe angewiesen. Das Kriegsende offenbarte erstmals den Blick auf das Hinterland, wo ein Zustand permanenter Angst herrschte und auch Kinder zum Töten gedrillt wurden. Die meisten wuchsen als Analphabeten auf.

«Etwa 1,1 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren haben in Angola noch nie eine Schule gesehen», sagt James Elder vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Dieses hat soeben das bisher größte Bildungsprogramm des Landes aufgenommen. Es sieht die Ausbildung von 4000 Lehrern vor, den Neu- oder Wiederaufbau von 1300 Klassenzimmern sowie die Ausstattung der Kinder mit Schreibstiften und Büchern.

Das Kriegsende möglich gemacht hatte der Tod von UNITA-Chef Jonas Savimbi. Der Führer der «Nationalen Union für Angolas vollständige Unabhängigkeit» war im Februar 2002 in einen Hinterhalt geraten und getötet worden.

Politisch liegt das Land seitdem auf Versöhnungskurs. Die Demobilisierung der UNITA wurde im August 2002 beendet, im September wurde eine 23-köpfige Regierung der nationalen Versöhnung eingesetzt. Die Wahlen dürften Ende 2004 oder Anfang 2005 stattfinden.

Die ausländischen Investoren stehen Schlange, vor allem Firmen aus Südafrika. Der Wiederaufbau Angolas verspricht lukrative Geschäfte und Wachstums-Schübe für die gesamte Region.

Angolas Erlös aus dem Erdölgeschäft wird für 2002 auf drei Milliarden Dollar geschätzt. Bis 2008, so schätzen Experten, dürfte sich die Ölproduktion von derzeit 900 000 Barrel pro Tag dank geplanter US-Investitionen verdoppelt haben.

Auch die Deutschen sind aktiv: In Lobito entsteht mit deutscher Hilfe derzeit für 3,6 Milliarden Dollar eine Raffinerie. Sie soll eine Tagesleistung von 200.000 Barrel haben.

 

 Mehr Informationen:

Angola:
- Auswärtiges Amt
- Spiegel Online

 

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