|
Ein Jahr nach Kriegsende:
Angolas Weg zum Frieden bleibt explosiv
Afrikas längster Krieg
ist seit einem Jahr beendet. Seit 4. April 2002 schweigen in Angola
offiziell die Waffen, doch das südwestafrikanische Land ächzt
noch immer unter dem Erbe des 27-jährigen Bürgerkriegs.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Luanda/Johannesburg (dpa) - Zwölf
Millionen Minen im Erdreich des Landes machen die Versorgung der
Hungernden im Hinterland zum lebensgefährlichen Risiko. Statistisch
gesehen kommt eine Mine auf jeden Einwohner.
«Im Dezember vergangenen
Jahres sind acht Menschen getötet worden, als ein Lastwagen
aus einem Hilfskonvoi auf eine Panzermine fuhr», sagt Kattrin
Lempp von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF).
Es bahne sich eine humanitäre Katastrophe an.
Obwohl Angola als mittlerweile
größter Ölproduzent Schwarzafrikas von Franzosen
und Amerikanern hofiert wird, ist der Wiederaufbau des völlig
zerstörten Landes eine riesige Aufgabe. Schulen, Straßen,
Bahnverbindungen, Flughäfen, Brücken, Kraftwerke oder
Krankenhäuser sind zerbombt, zerschossen, verfallen oder
verbrannt.
Außerhalb der Hauptstadt
Luanda und weniger Küstenorte ist vermintes Gebiet, das fast
nur per Flugzeug erreichbar ist. Das einzige, was neben den Bodenschätzen
im Überfluss vorhanden ist, sind Waffen.

© dpa
Kinder, die
sich für Essen anstellen, ausgegeben von der Internationalen
Caritans NGO in Huambo in Angola. (Archivbild vom 25.11.2000)
|
Ausländische Investoren
stehen Schlange
Die von Krankheiten und massiver
Unterernährung geplagte Bevölkerung gehört trotz
des enormen Rohstoff-Reichtums zu den ärmsten Menschen der
Welt. Viele Angolaner wurden im Laufe des Konflikts verstümmelt,
vertrieben, zwangsrekrutiert oder ins Exil gedrängt. Ein
Großteil ist vom Hungertod bedroht.
Nach UN-Schätzung sind durch
die Kriegswirren 1,7 Millionen Menschen dringend auf Lebensmittel-Hilfe
angewiesen. Das Kriegsende offenbarte erstmals den Blick auf das
Hinterland, wo ein Zustand permanenter Angst herrschte und auch
Kinder zum Töten gedrillt wurden. Die meisten wuchsen als
Analphabeten auf.
«Etwa 1,1 Millionen Kinder
im Alter von 6 bis 11 Jahren haben in Angola noch nie eine Schule
gesehen», sagt James Elder vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF.
Dieses hat soeben das bisher größte Bildungsprogramm
des Landes aufgenommen. Es sieht die Ausbildung von 4000 Lehrern
vor, den Neu- oder Wiederaufbau von 1300 Klassenzimmern sowie
die Ausstattung der Kinder mit Schreibstiften und Büchern.
Das Kriegsende möglich gemacht
hatte der Tod von UNITA-Chef Jonas Savimbi. Der Führer der
«Nationalen Union für Angolas vollständige Unabhängigkeit»
war im Februar 2002 in einen Hinterhalt geraten und getötet
worden.
Politisch liegt das Land seitdem
auf Versöhnungskurs. Die Demobilisierung der UNITA wurde
im August 2002 beendet, im September wurde eine 23-köpfige
Regierung der nationalen Versöhnung eingesetzt. Die Wahlen
dürften Ende 2004 oder Anfang 2005 stattfinden.
Die ausländischen Investoren
stehen Schlange, vor allem Firmen aus Südafrika. Der Wiederaufbau
Angolas verspricht lukrative Geschäfte und Wachstums-Schübe
für die gesamte Region.
Angolas Erlös aus dem Erdölgeschäft
wird für 2002 auf drei Milliarden Dollar geschätzt.
Bis 2008, so schätzen Experten, dürfte sich die Ölproduktion
von derzeit 900 000 Barrel pro Tag dank geplanter US-Investitionen
verdoppelt haben.
Auch die Deutschen sind aktiv:
In Lobito entsteht mit deutscher Hilfe derzeit für 3,6 Milliarden
Dollar eine Raffinerie. Sie soll eine Tagesleistung von 200.000
Barrel haben.
|