vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 01.04.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

Hilfsorganisationen: Kritik an US-Vorgehen im Irak

Hilfsorganisationen haben den USA und Großbritannien Parteilichkeit und mangelnde Professionalität bei der humanitären Hilfe im Irak vorgeworfen.

Berlin/Genf (dpa) - Die Organisationen sehen die kriegsführenden Länder dennoch gemäß dem Völkerrecht in der Verantwortung für die Bevölkerung. Auch die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller, forderte, die humanitäre Hilfe im Irak müsse unabhängig von den Kriegsparteien geleistet werden. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF warnte am Dienstag, der Krieg werde vor allem für Kinder wegen der Mangelversorgung mit jedem Tag lebensbedrohlicher.

Ohne massive Hilfe könnten viele Kinder und schwangere Frauen nicht überleben, warnte der Leiter des UNICEF-Programms für den Irak, Carel de Rooy, in Berlin.

Die deutsche UNICEF-Botschafterin, die TV-Moderatorin Sabine Christiansen, sagte: «Die Vorstellung eines sauberen Krieges, der die Bevölkerung schont, ist falsch.» Im Irak «arbeitet die Zeit gegen die Kinder». Größte Probleme bereitet nach Angaben von de Rooy vor allem die Wasserversorgung in den umkämpften Millionenstädten Basra und Bagdad. Allein im südirakischen Basra seien rund 100.000 Kinder unter fünf Jahren akut durch Krankheiten bedroht.

De Rooy beklagte, dass es wegen der Luftangriffe der US-geführten Streitkräfte auf Bagdad jetzt auch am Tag für Hilfsorganisationen immer schwerer werde, sich in der Stadt zu bewegen. Die humanitäre Hilfe darf nach Ansicht von Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, nicht unter Leitung des Militärs stehen, da die Streitkräfte weder neutral seien noch die nötige Professionalität für die Verteilung besäßen.

Staatsministerin Müller räumte aber auch ein, dass die Verteilung der humanitären Hilfe über irakische Stellen ein Problem sei. Die Vereinten Nationen hätten an das irakische Regime appelliert, die Hilfe zuzulassen. Die irakische Führung hatte die Fortführung des Programms «Öl für Nahrungsmittel» abgelehnt.

Mit einem Beitrag von 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im Irak sei die Bundesregierung der drittgrößte Geber nach den USA und Großbritannien, sagte Müller. Auch wenn die Bundesregierung den Krieg für falsch halte, so habe Deutschland doch die Pflicht, den Menschen im Irak zu helfen.

Der ehemalige Leiter des UN-Programms für die humanitäre Hilfe im Irak, Denis Halliday, sagte in Berlin, nach den Genfer Konventionen seien die USA und Großbritannien als Besatzungsmächte «voll und ganz verantwortlich» für die Menschen im Irak. Wegen der andauernden Kämpfe seien Transporte mit Hilfsgütern in den Irak kaum möglich, bedauerte die Sprecherin der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), Ute Watermann.

Die Diakonie Katastrophenhilfe sieht die Unparteilichkeit und Glaubwürdigkeit der humanitären Hilfe auf dem Spiel wegen des Bestrebens der USA, die Koordinierung an sich zu ziehen. Die Leiterin Hannelore Hensle forderte die strikte Trennung von militärischen Aktionen und humanitärer Hilfe.

Im Auswärtigen Amt erörterte der Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe, dem auch etwa 30 regierungsunabhängige Organisationen angehören, die Lage im Irak. Aus Teilnehmerkreisen verlautete, der Ausschuss sei sich einig gewesen, dass die Lage kritisch für Flüchtlinge im Norden des Irak und vor allem in Basra sei. Es könne aber noch nicht von einer akuten humanitären Krise größeren Ausmaßes gesprochen werden.

Größere Flüchtlingsströme sind im Irak nach Ansicht der Vereinten Nationen erst gegen Ende des Krieges zu erwarten. «Wenn das Regime von Saddam Hussein gestürzt ist und die Iraker sich gegenseitig bekämpfen, dann wird es eine Massenflucht geben,» sagte der Chef der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR, Ruud Lubbers, der Madrider Zeitung «El Pais» (Dienstag).

Der Irak-Krieg hemmt die Spendenbereitschaft der Deutschen. «Die Spendenwilligen sind verunsichert», sagte der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing, Thomas Röhr, in Magdeburg mit Blick auf den unklaren Verlauf des Krieges. Auch die wirtschaftliche Lage trage zur Verunsicherung bei.

 

 Mehr Informationen:

UN: Iraq

UNHCR

UNICEF

Aktion Deutschland Hilft

 

 Lesen Sie auch:

Deutschland will helfen: Lage der irakischen Bevölkerung ernst

Irak: Brennende Ölfelder sind Bedrohung für die Umwelt

Sicherheitsrat: Weichen für Versorgung Not leidender Iraker gestellt

"Die Opfer sieht man nicht" - Hilflose Hilfsorganisationen im Irak

Irak: Berlin gegen US-Protektorat - Spendenaufrufe in Deutschland

Wieczorek-Zeul und Annan: USA müssen Wiederaufbau im Irak tragen

Irak-Krieg: Hilfsorganisationen brauchen Geld für Millionen Menschen

Umweltdesaster: Die Iraker müssen die Folgen eines Krieges fürchten

Irak: Krisenhelfer wollen nicht humanitäre "Putztruppe" des Militärs sein

"Lebensmittel, Medikamente und die Freiheit": USA begegnen Kritik mit großem Hilfspaket für irakische Bevölkerung

Wut im Bauch: Jugendliche protestieren gegen drohenden Irak-Krieg

Weizen und Waffen: Im Schatten des Hungers rüsten USA Äthiopien auf

Protest gegen Krieg: Greenpeace blockiert britische Esso-Zentrale

Irak: "Frauen in Rosa" wollen amerikanische Öffentlichkeit aufrütteln

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2003
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung