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Hilfsorganisationen: Kritik an US-Vorgehen
im Irak
Hilfsorganisationen haben den
USA und Großbritannien Parteilichkeit und mangelnde Professionalität
bei der humanitären Hilfe im Irak vorgeworfen.
Berlin/Genf (dpa) - Die Organisationen
sehen die kriegsführenden Länder dennoch gemäß
dem Völkerrecht in der Verantwortung für die Bevölkerung.
Auch die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller,
forderte, die humanitäre Hilfe im Irak müsse unabhängig
von den Kriegsparteien geleistet werden. Das UN-Kinderhilfswerk
UNICEF warnte am Dienstag, der Krieg werde vor allem für
Kinder wegen der Mangelversorgung mit jedem Tag lebensbedrohlicher.
Ohne massive Hilfe könnten
viele Kinder und schwangere Frauen nicht überleben, warnte
der Leiter des UNICEF-Programms für den Irak, Carel de Rooy,
in Berlin.
Die deutsche UNICEF-Botschafterin,
die TV-Moderatorin Sabine Christiansen, sagte: «Die Vorstellung
eines sauberen Krieges, der die Bevölkerung schont, ist falsch.»
Im Irak «arbeitet die Zeit gegen die Kinder». Größte
Probleme bereitet nach Angaben von de Rooy vor allem die Wasserversorgung
in den umkämpften Millionenstädten Basra und Bagdad.
Allein im südirakischen Basra seien rund 100.000 Kinder unter
fünf Jahren akut durch Krankheiten bedroht.
De Rooy beklagte, dass es wegen
der Luftangriffe der US-geführten Streitkräfte auf Bagdad
jetzt auch am Tag für Hilfsorganisationen immer schwerer
werde, sich in der Stadt zu bewegen. Die humanitäre Hilfe
darf nach Ansicht von Dietrich Garlichs, Geschäftsführer
von UNICEF Deutschland, nicht unter Leitung des Militärs
stehen, da die Streitkräfte weder neutral seien noch die
nötige Professionalität für die Verteilung besäßen.
Staatsministerin Müller räumte
aber auch ein, dass die Verteilung der humanitären Hilfe
über irakische Stellen ein Problem sei. Die Vereinten Nationen
hätten an das irakische Regime appelliert, die Hilfe zuzulassen.
Die irakische Führung hatte die Fortführung des Programms
«Öl für Nahrungsmittel» abgelehnt.
Mit einem Beitrag von 50 Millionen
Euro für humanitäre Hilfe im Irak sei die Bundesregierung
der drittgrößte Geber nach den USA und Großbritannien,
sagte Müller. Auch wenn die Bundesregierung den Krieg für
falsch halte, so habe Deutschland doch die Pflicht, den Menschen
im Irak zu helfen.
Der ehemalige Leiter des UN-Programms
für die humanitäre Hilfe im Irak, Denis Halliday, sagte
in Berlin, nach den Genfer Konventionen seien die USA und Großbritannien
als Besatzungsmächte «voll und ganz verantwortlich»
für die Menschen im Irak. Wegen der andauernden Kämpfe
seien Transporte mit Hilfsgütern in den Irak kaum möglich,
bedauerte die Sprecherin der Internationalen Ärzte für
die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), Ute Watermann.
Die Diakonie Katastrophenhilfe
sieht die Unparteilichkeit und Glaubwürdigkeit der humanitären
Hilfe auf dem Spiel wegen des Bestrebens der USA, die Koordinierung
an sich zu ziehen. Die Leiterin Hannelore Hensle forderte die
strikte Trennung von militärischen Aktionen und humanitärer
Hilfe.
Im Auswärtigen Amt erörterte
der Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe, dem auch etwa
30 regierungsunabhängige Organisationen angehören, die
Lage im Irak. Aus Teilnehmerkreisen verlautete, der Ausschuss
sei sich einig gewesen, dass die Lage kritisch für Flüchtlinge
im Norden des Irak und vor allem in Basra sei. Es könne aber
noch nicht von einer akuten humanitären Krise größeren
Ausmaßes gesprochen werden.
Größere Flüchtlingsströme
sind im Irak nach Ansicht der Vereinten Nationen erst gegen Ende
des Krieges zu erwarten. «Wenn das Regime von Saddam Hussein
gestürzt ist und die Iraker sich gegenseitig bekämpfen,
dann wird es eine Massenflucht geben,» sagte der Chef der
UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR, Ruud Lubbers, der Madrider
Zeitung «El Pais» (Dienstag).
Der Irak-Krieg hemmt die Spendenbereitschaft
der Deutschen. «Die Spendenwilligen sind verunsichert»,
sagte der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing,
Thomas Röhr, in Magdeburg mit Blick auf den unklaren Verlauf
des Krieges. Auch die wirtschaftliche Lage trage zur Verunsicherung
bei.
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