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Deutschland will helfen: Lage der irakischen
Bevölkerung ernst
Fast zwei Wochen nach Beginn
des Irak-Kriegs wächst bei den internationalen Hilfsorganisationen
die Sorge über die Lage der Bevölkerung.
Bagdad/London/Berlin (dpa) -
Die Lage sei zum Teil sehr unübersichtlich. In vielen Fällen
sei es schwierig, die Versorgung der Städte zu gewährleisten.
In Berlin ging am Montag die Debatte um die deutsche Beteiligung
am Wiederaufbau nach Ende des Kriegs weiter.
Entwicklungsministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul und Bundesfinanzminister Hans Eichel (beide SPD)
erklärten, Deutschland werde einen Beitrag leisten. Wieczorek-Zeul
erneuerte die Forderung, dass die finanzielle Hauptverantwortung
für den Wiederaufbau bei denen liegen müsse, die den
Krieg begonnen haben. Nach Eichels Worten muss der entscheidende
Beitrag von den USA geleistet werden. Es könne nicht sein,
dass die einen den Krieg führten und die anderen, die ihn
nicht wollten, den Wiederaufbau bezahlten, sagte Eichel der Zeitschrift
«Super Illu» (Berlin). «Ich erwarte hier ein
Bekenntnis der USA.»
Nach Angaben des Internationalen
Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad haben US-Luftangriffe
das Telekommunikationssystem weitgehend zerstört, wodurch
auch die Arbeit der Hilfsorganisationen weiter erschwert wurde.
Laut IKRK sind seit Kriegsbeginn täglich rund 100 Zivilisten
in der Hauptstadt verletzt worden. Die irakische Seite beziffert
die Zahl der getöteten Zivilisten auf mehr als 350 und der
Verletzten auf rund 3650.
Das Welternährungsprogramm
der Vereinten Nationen (WFP) hat in einem Appell an die internationale
Gemeinschaft um 1,3 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) für
die Not leidende Bevölkerung im Irak gebeten. Das auf sechs
Monate angelegte Projekt sei die «größte Herausforderung
in der Geschichte» der Hilfsorganisation, sagte WFP- Direktor
James Morris am Montag in London.
Mit dem Geld soll ein System
zur Verteilung von Nahrungsmitteln für die irakische Bevölkerung,
mehr als 27 Millionen Menschen, aufgebaut werden. Mehr als 22
Prozent der Kinder im Süden und Zentrum des Landes litten
unter chronischer Fehlernährung, hieß es. Während
der gesamten Operation sollen 1,6 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln
geliefert werden.
Wieczorek-Zeul sagte nach einem
Treffen mit Hilfsorganisationen, die Errichtung eines US-Protektorats
müsse ausgeschlossen werden. «Selbstverständlich
wird es unter diesen Bedingungen eine europäische und auch
eine deutsche Beteiligung geben müssen.» Eichel betonte,
Deutschland werde einen Beitrag leisten, wenn die Anforderungen
von den Hilfsorganisationen und den Vereinten Nationen einträfen.
Die Deutschen Welthungerhilfe
betonte die Verantwortung der UN. Es sei nicht akzeptabel, Hilfe
nur mit einer von Militärbehörden erteilten Genehmigung
zu leisten, sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe,
Hans-Joachim Preuß, in Bonn. Derzeit benötigten Hilfsorganisationen,
die von Kuwait aus im Irak arbeiten möchten, eine Genehmigung
des Pentagon und der kuwaitischen Regierung.
Der Hauptgeschäftsführer
von Misereor, Josef Sayer, forderte, der Wiederaufbau dürfe
nicht allein von der Entscheidung der möglichen Siegermächte
abhängig sein. Heribert Rührig vom Bündnis «Aktion
Deutschland Hilft» warnte, die gesamte Bevölkerung
des Irak werde von humanitärer Hilfe abhängig, wenn
der Krieg noch lange dauere. Darauf müssten die Hilfswerke
vorbereitet sein.
Die befürchteten Flüchtlingsströme
aus dem Irak in die Nachbarländer sind bisher ausblieben.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet sich jedoch auf
die Versorgung von bis zu 600.000 Menschen vor, die den Irak in
den kommenden Wochen verlassen könnten. Jordanien gilt neben
Iran als bevorzugtes Ziel von Flüchtlingen.
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