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«Die Opfer sieht man
nicht»:
Hilflose Hilfsorganisationen im Irak
Eine Woche tobt der Krieg im
Irak, die Bilder von der Front gehen um die Welt - nur die Opfer
sieht man kaum.
Von Peer Meinert, dpa
Amman (dpa) - Weder amerikanische
Militärs noch internationale Hilfsorganisationen sind derzeit
in der Lage, einigermaßen verlässliche Schätzungen
über die Zahl verletzter und toter Zivilisten abzugeben.
«Um die Wahrheit zu sagen, die Welt macht sich bisher kein
Bild über die humanitären Folgen des Krieges»,
klagt ein UN-Sprecher am Mittwoch in der jordanischen Hauptstadt
Amman.
Da sind die Bombardierungen in
Bagdad. Nicht mal hier haben die Hilfsorganisationen einen genauen
Überblick über die Zahl der Opfer. «Wir können
lediglich sagen, dass in der Nacht zum Dienstag 60 Verwundete
in Krankenhäuser kamen», sagt Muin Kassis, Sprecher
des Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Amman. Man
wisse aber nicht, ob es nicht noch mehr Opfer gab. Auch Angaben
über Tote habe man nicht. Völlig unklar sei die Lage
um Basra im Südirak, wo es seit Tagen Kämpfe gibt. Hier
macht vor allem akuter Wassermangel für 1,3 Millionen Menschen
Sorge. Ein Experte des UN-Kinderhilfswerks UNICEF warnt: «100.000
Kinder sind in Gefahr, an Durchfall und Wassermangel zu sterben.»

© dpa
Lebensmittelverteilung
in Bagdad: Nach dem Freitagsgebet standen diese Kinder
in der letzten Woche vor einer Moschee um Lebensmittel
an.
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Die Hilfsorganisationen sind
hilflos: Dutzende Organisationen mussten den Irak mit Kriegsbeginn
verlassen. Vor dem Waffengang versorgte das UN-Welternährungsprogramm
(WFP) rund 22 der 23 Millionen Iraker mit Lebensmitteln. Im Zuge
des Programms «Öl für Nahrung» gab es 40.000
Ausgabestellen im Land, 2500 Kalorien erhielt jeder Iraker pro
Tag - seit dem 18. März ist das Programm unterbrochen. Das
WFP hat vorgebeugt und noch kurz vor dem Krieg Extra-Rationen
verteilt. «Doch die reichen nur noch höchstens drei
Wochen», heißt es in Amman. Wann die Hilfsorganisationen
in den Irak zurückkönnen, ist unklar.
«Viele Menschen im Irak
haben ihre Nahrungsrationen verkauft», berichtet Andrea
Hilger von der kleineren Hilfsorganisation «Architects for
people in need» (Architekten für Not leidende Menschen)
aus München. «Die große Mehrheit ist durch 13
Jahre UN-Embargo völlig verarmt.» Die Organisation
ist eine der ganz wenigen, die noch in Bagdad vertreten sind.
15 lokale Helfer hat sie dort, die sich um Sofortmaßnahmen
für Zivilisten und die Situation an Krankenhäusern kümmern.
«Drei Kriege in 20 Jahren haben die Menschen und das Land
einfach völlig erschöpft.»
Am gefährlichsten ist die
Lage für die Kinder. «Hunderttausende sind seit vielen
Jahren unterernährt», warnt UNICEF. «Das macht
sie extrem anfällig für Krankheiten.» Große
Flüchtlingsströme blieben allerdings bisher aus. Die
Zeltstädte, die die UN an der Grenze zu Jordanien und zum
Iran aufschlugen, sind bisher so gut wie leer.
«Den meisten Menschen ist
der Weg zur Grenze zu gefährlich», erklärt Frau
Hilger. «Andere haben nicht genügend Geld, ein Auto
für die Flucht zu mieten. Einige wollen einfach zu Hause
bleiben, um ihr Haus zu schützen.» Peter Kessler, der
Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Amman, hat
einen anderen Verdacht: «Es gibt Berichte, dass Funktionäre
der Baath-Partei Iraker an der Flucht hindern.»
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