|
Irak: Berlin gegen US-Protektorat - Spendenaufrufe
in Deutschland
Die USA sollen nach Ansicht
der Bundesregierung den Löwenanteil der Wiederaufbaukosten
nach dem Irak-Krieg tragen.
Berlin (dpa) - «Wer zerstört
hat, trägt auch die Hauptlast der Finanzierung des Wiederaufbaus»,
sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek- Zeul (SPD)
am Dienstag in der ARD. Es dürfe im Irak aber kein «US-
Protektorat» geben. Federführend beim Wiederaufbau
müssten die Vereinten Nationen sein. Angesichts der drohenden
humanitären Katastrophe im Irak rief ein breites Bündnis
deutscher Hilfsorganisationen zu Spenden auf.
Der EU-Außenbeauftragte
Javier Solana sagte, die EU habe hinsichtlich der humanitären
Aspekte eine Verpflichtung, müsse sich aber auch politisch
engagieren. «Aber dafür brauchen wir die entsprechenden
Resolutionen der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrates»,
sagte er in der ARD.
Neun in der «Aktion Deutschland
Hilft» (ADH) zusammengeschlossene Organisationen bereiten
sich nach eigener Darstellung auf den möglicherweise größten
humanitären Hilfseinsatz seit Jahren vor. «Durch das
Kriegsgeschehen im Irak sind bereits jetzt rund zehn Millionen
Menschen vor allem in den Städten Bagdad, Mosul und Basra
von einer Versorgung abgeschnitten», sagte der ADH-Vorsitzende
Heribert Röhrig in Berlin. «Sollte diese Situation
andauern, droht dem Irak eine humanitäre Katastrophe.»
UN rechnen anfangs mit 600.000
Flüchtlingen
Die Vereinten Nationen rechnen
laut ADH in einer ersten Welle mit 600.000 Flüchtlingen.
Nach derzeitigem Stand könnte aber nur rund die Hälfte
davon versorgt werden. Das Bündnis will gemeinsam mit seinen
Partnerorganisationen die Versorgung von bis zu 350.000 Menschen
im Irak und an den Grenzen des Landes unterstützen.
Die Hilfsorganisationen bitten
um Spenden auf das Konto 102030, Bank für Sozialwirtschaft,
Bankleitzahl 370 205 00, Stichwort «Irak-Krise».
Zahlreiche Prominente aus Kultur,
Sport, Politik und Gesellschaft unterstützen den Spendenaufruf.
Zu dem Bündnis «Aktion Deutschland Hilft» haben
sich vor neun Monaten die Organisationen Malteser Hilfsdienst,
Die Johanniter, Arbeiter-Samariter-Bund, Arbeiterwohlfahrt, ADRA,
HELP, CARE, Paritätischer Wohlfahrtsverband und World Vision
zusammengeschlossen.
Luftbrücke der Bundeswehr
gefordert
Ein Lastwagen mit 20 Tonnen Hilfsgütern
für irakische Flüchtlinge soll an diesem Mittwoch von
Hamburg nach Syrien an die Grenze zum Irak starten. Auf Anforderung
des UN-Flüchtlingswerks UNHCR haben drei ADH-Hilfsorganisationen
Zelte, eine Notfallambulanz, Medikamente und medizinisches Material
zur Versorgung von 35.000 bis 50.000 Menschen für zwei Monate
bereitgestellt. Die Göttinger Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) forderte den Aufbau einer Bundeswehr-Luftbrücke
in die Südost-Türkei.
Zahl ziviler Opfer könnte
sich drastisch erhöhen
Nach Einschätzung des früheren
Koordinators für die UN-Irak- Hilfe, Hans von Sponeck, wird
sich die Zahl ziviler Opfer im Irak- Krieg drastisch erhöhen.
Der Versuch, zivile Ziele möglichst zu verschonen, sei den
US-Militärs hoch anzurechnen, sagte Sponeck der dpa. Jedoch
hätten sich im Irak unerwartet viele Widerstandsnester gebildet.
«Die Entscheidung ist offenbar gefallen, diese Ziele unter
Beschuss zu nehmen». Mit einem großen Flüchtlingsstrom
zu den Lagern der Hilfsorganisationen rechnete Sponeck nicht:
«Jordanien ist zu weit, der Norden nur schwer zu erreichen
und der Süden dicht.»
Sponeck leitete von 1998 an das
UN-Programm «Öl für Lebensmittel», bevor
er im Jahr 2000 aus Protest gegen die seiner Ansicht nach große
Verelendung der Iraker durch das Embargo zurücktrat.
|