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Irak: Krisenhelfer wollen nicht humanitäre
«Putztruppe» des Militärs sein
Amerikanische Strategen haben
in ihren Plänen für einen Irak-Krieg und die Bewältigung
seiner Folgen auch den privaten Hilfsorganisationen schon einen
Platz zugedacht. Doch diese wollen sich von den Militärs
nicht als «humanitäre Putztruppe» einspannen
lassen.
Von Carsten Hoffmann, dpa
Amman (dpa) - Nach dem Willen
der US-Strategen sollen humanitäre Initiativen, die Menschen
in großer Not Beistand leisten, von einem in Kuwait stationierten
US-Zentrum für humanitäre Hilfe (HOC) koordiniert werden,
das «ziviles Gesicht» und Brücke zum Militär
sein will. Eine derartige Einbeziehung in die neue Schlachtordnung
bereitet allerdings vielen Helfern Kopfzerbrechen, die Erfahrung
in Kriegsgebieten der Welt gesammelt haben.
«Die humanitäre Hilfe
darf nicht als eine Waffe im Dienste militärischer Ziele
betrachtet werden. Sie ist nicht Garantie für einen Reparaturservice
nach dem Kriege», heißt es in einer Protesterklärung
von sechs französischen Organisationen, darunter «Ärzte
ohne Grenzen». Die französischen Helfer pochen auf
freien Zugang zu den Kriegsopfern. «Unsere Intervention
nur auf "befriedete" Zonen im Kielwasser der Truppen
zu beschränken, bedeutet, humanitäre Hilfe zu entstellen»,
kritisieren sie.
US-Regierungsstellen haben außerdem
ein gut 60 Mann starkes Team für Katastrophenhilfe (DART)
in den Nachbarländern des Iraks stationiert, dem als Koordinationsstelle
eine zentrale Rolle zukommen soll. Ziel ist es, Folgen eines Angriffs
für die Zivilbevölkerung zu mildern. «DART ist
die Projektion amerikanischer humanitärer Kraft bei großen
Katastrophen», erklärt Andrew Natsios von der Agentur
für Internationale Entwicklung in Washington. Organisierte
Präsenz vor Ort sei nötig, auch um amerikanischen Einfluss
auf die Hilfseinsätze auszuweiten.
Geplant ist ein Geben und Nehmen,
bei dem Helfer in die Truppen «eingebettet» werden.
Das Militär wird auch einschätzen, wo es für Hilfseinsätze
schon friedlich genug ist. Bernd McConell, Direktor des US-Büros
für Katastrophenhilfe, drückt es so aus: «Wir
werden uns auf das Militär verlassen, wenn es um Schutz und
Zugang geht. Sie werden sich im Gegenzug auf die humanitäre
Arbeit verlassen, die wir machen können.» Das sei auch
eine Lehre aus dem jüngsten Krieg in Afghanistan, wo die
Sicherheitslage die Arbeit der Helfer stark eingeschränkt
habe.
Die Vereinten Nationen sehen
drei Zugänge für die Hilfseinsätze im Irak vor.
Jordanien, über das 60 Prozent der humanitären Güter
transportiert werden sollen, Kuwait und die Türkei. Mit allen
Seiten und allen Militärkräften im Irak solle es Kontakte
geben, um Zugang zu Hilfsbedürftigen zu erhalten, hieß
es bei einer Sitzung in der jordanischen Hauptstadt Amman. Die
UN-Organisationen sollen auf eine neutrale Rolle auch dann achten,
falls eine Resolution des UN- Sicherheitsrates einen Angriff auf
den Irak erlaubt.
Hilfsorganisationen verurteilen
das Regime von Saddam Hussein und die Menschenrechtsverletzungen
im Irak. Sie wollen aber nur Partei für die Opfer sein. «Wir
lassen uns von keiner Kriegspartei für ihre Zwecke instrumentalisieren.
Deshalb kommt auch ein Einsatz innerhalb des Iraks für uns
derzeit nicht in Frage», sagt Elias Bierdel von der deutschen
Organisation Cap Anamur. «Genauso klar aber ist: Wir werden
uns nicht in die Einsatzplanung von US- oder britischer Armee
einfügen, sondern unabhängig dort Hilfe leisten, wo
sie am dringendsten gebraucht wird.»
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