vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 10.03.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

Irak: Krisenhelfer wollen nicht humanitäre «Putztruppe» des Militärs sein

Amerikanische Strategen haben in ihren Plänen für einen Irak-Krieg und die Bewältigung seiner Folgen auch den privaten Hilfsorganisationen schon einen Platz zugedacht. Doch diese wollen sich von den Militärs nicht als «humanitäre Putztruppe» einspannen lassen.

Von Carsten Hoffmann, dpa

Amman (dpa) - Nach dem Willen der US-Strategen sollen humanitäre Initiativen, die Menschen in großer Not Beistand leisten, von einem in Kuwait stationierten US-Zentrum für humanitäre Hilfe (HOC) koordiniert werden, das «ziviles Gesicht» und Brücke zum Militär sein will. Eine derartige Einbeziehung in die neue Schlachtordnung bereitet allerdings vielen Helfern Kopfzerbrechen, die Erfahrung in Kriegsgebieten der Welt gesammelt haben.

«Die humanitäre Hilfe darf nicht als eine Waffe im Dienste militärischer Ziele betrachtet werden. Sie ist nicht Garantie für einen Reparaturservice nach dem Kriege», heißt es in einer Protesterklärung von sechs französischen Organisationen, darunter «Ärzte ohne Grenzen». Die französischen Helfer pochen auf freien Zugang zu den Kriegsopfern. «Unsere Intervention nur auf "befriedete" Zonen im Kielwasser der Truppen zu beschränken, bedeutet, humanitäre Hilfe zu entstellen», kritisieren sie.

US-Regierungsstellen haben außerdem ein gut 60 Mann starkes Team für Katastrophenhilfe (DART) in den Nachbarländern des Iraks stationiert, dem als Koordinationsstelle eine zentrale Rolle zukommen soll. Ziel ist es, Folgen eines Angriffs für die Zivilbevölkerung zu mildern. «DART ist die Projektion amerikanischer humanitärer Kraft bei großen Katastrophen», erklärt Andrew Natsios von der Agentur für Internationale Entwicklung in Washington. Organisierte Präsenz vor Ort sei nötig, auch um amerikanischen Einfluss auf die Hilfseinsätze auszuweiten.

Geplant ist ein Geben und Nehmen, bei dem Helfer in die Truppen «eingebettet» werden. Das Militär wird auch einschätzen, wo es für Hilfseinsätze schon friedlich genug ist. Bernd McConell, Direktor des US-Büros für Katastrophenhilfe, drückt es so aus: «Wir werden uns auf das Militär verlassen, wenn es um Schutz und Zugang geht. Sie werden sich im Gegenzug auf die humanitäre Arbeit verlassen, die wir machen können.» Das sei auch eine Lehre aus dem jüngsten Krieg in Afghanistan, wo die Sicherheitslage die Arbeit der Helfer stark eingeschränkt habe.

Die Vereinten Nationen sehen drei Zugänge für die Hilfseinsätze im Irak vor. Jordanien, über das 60 Prozent der humanitären Güter transportiert werden sollen, Kuwait und die Türkei. Mit allen Seiten und allen Militärkräften im Irak solle es Kontakte geben, um Zugang zu Hilfsbedürftigen zu erhalten, hieß es bei einer Sitzung in der jordanischen Hauptstadt Amman. Die UN-Organisationen sollen auf eine neutrale Rolle auch dann achten, falls eine Resolution des UN- Sicherheitsrates einen Angriff auf den Irak erlaubt.

Hilfsorganisationen verurteilen das Regime von Saddam Hussein und die Menschenrechtsverletzungen im Irak. Sie wollen aber nur Partei für die Opfer sein. «Wir lassen uns von keiner Kriegspartei für ihre Zwecke instrumentalisieren. Deshalb kommt auch ein Einsatz innerhalb des Iraks für uns derzeit nicht in Frage», sagt Elias Bierdel von der deutschen Organisation Cap Anamur. «Genauso klar aber ist: Wir werden uns nicht in die Einsatzplanung von US- oder britischer Armee einfügen, sondern unabhängig dort Hilfe leisten, wo sie am dringendsten gebraucht wird.»

 

 Mehr Informationen:

Irak-Berichterstattung
der Deutschen Welle

UNICEF

Cap Anamur

UN: Iraq

The White House

 

 Lesen Sie auch:

"Lebensmittel, Medikamente und die Freiheit": USA begegnen Kritik mit großem Hilfspaket für irakische Bevölkerung

Wut im Bauch: Jugendliche protestieren gegen drohenden Irak-Krieg

Weizen und Waffen: Im Schatten des Hungers rüsten USA Äthiopien auf

Vor dem drohenden Krieg: Helfern im Irak wird die Zeit knapp

Protest gegen Krieg: Greenpeace blockiert britische Esso-Zentrale

Irak: "Frauen in Rosa" wollen amerikanische Öffentlichkeit aufrütteln

Menschenrechtler: Kritik an US-Politik im Kampf gegen Terror

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2003
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung