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- 05.03.2003 -

 

 

 

 

 

 

Wut im Bauch: Jugendliche protestieren gegen drohenden Irak-Krieg

Während ein Krieg gegen den Irak näher rückt, wird der Protest Jugendlicher in Deutschland lauter.

Von Julia Deppe, dpa

Berlin (dpa) - Micha hat Wut im Bauch. Wenn er sieht, wie der amerikanische Präsident George W. Bush seine Soldaten auf Krieg einschwört, fängt es in dem 17-jährigen Berliner an zu brodeln. «Dieser Krieg ist so verlogen. Es geht doch nur um Profite.» Micha sagt das, was viele Schüler denken. Während ein Krieg gegen den Irak näher rückt, wird der Protest Jugendlicher in Deutschland lauter.

An den Schulen schießen Anti-Kriegs-Gruppen nach Angaben der Globalisierungskritiker-Organisation «Attac» wie Pilze aus dem Boden. In Stuttgart, Dortmund und Braunschweig gingen Tausende bei Schüler-Demos auf die Straße, und ohne die Jugendlichen wäre der Berliner Protestzug am 15. Februar wohl nicht die größte Friedensdemonstration der deutschen Nachkriegsgeschichte geworden. «Junge Leute fürchten um ihre Zukunft», sagt Martina Gille, Referentin am Deutschen Jugendinstitut München.

Manch ein Lehrer würde sich die Augen reiben, sähe er seine Schüler beim Aushecken von Anti-Kriegs-Strategien. Bei einem Berliner Treffen ist es mucksmäuschenstill, wenn ein Schüler das Wort ergreift. Nur wenige der Jugendlichen engagieren sich auch in Parteien oder Gewerkschaften. «Die labern doch nur rum», sagt Micha, der bisher keine Friedens-Demo verpasst hat.

Tatsächlich seien nur wenige Jugendliche bereit, sich langfristig in Institutionen zu engagieren, sagt Gille. Sie macht starre Strukturen und feste Hierarchien dafür verantwortlich. Arthur Fischer, langjähriger Mitautor der Shell-Jugend-Studie, sagt: «Sie engagieren sich dort, wo sie den Eindruck haben, etwas beeinflussen zu können.»

Die Kriegs- und Globalisierungskritiker von «Attac» bieten so eine Alternative. Das Bündnis mit bundesweit fast 25.000 festen und sporadischen Anhängern setzt auf flache Hierarchien und spontane Aktionen. «Jeder kann sich problemlos einbringen, ohne sich vom Beisitzer über den Kassenwart hochzuarbeiten», sagt Sprecher Malte Kreutzfeldt.

Die Kommunikation der friedensbewegten Jugendlichen läuft über das Internet. Die Schüler tauschen E-Mail-Adressen aus, ziehen «New York Times»-Artikel aus dem Netz, geben Treffpunkte für Demos auf ihrer Homepage bekannt. Und sie kennen die Spielregeln des Medienzeitalters. «Was, wenn Deutsche als menschliche Schutzschilde in den Irak gingen?», schlägt eine Schülerin vor. «Das bringt Presse.»

Manchmal schimmert die Rhetorik der 70er Jahre durch. Nicht nur, dass Jugendliche wieder Schlaghosen tragen. Selbstverständlich gehen ihnen Worte wie «Solidarität» und «Anti-Kriegs-Komitee» über die Lippen. Selbstbewusster seien Jugendliche geworden, sagt Gille, hätten wenig Respekt vor Autoritäten. Die Supermacht USA ist den Schülern suspekt. «Der Bush» sagen sie, oder «Die Amis». Eine findet, Saddam und Bush seien «vom selben Schlag». Arthur Fischer hält die Proteste aber nicht für Antiamerikanismus. Schließlich sei der Lebensstil Jugendlicher - Mode und Musik - von Amerika geprägt.

Micha ist gegen Krieg, weil er ein «diffuses Gefühl» hat, dass Krieg falsch ist. Das Kreischen der Sirenen, die Angst während langer Bombennächte - all das ist irgendwie weit weg. Sophie ist trotzdem sicher, auf der richtigen Seite zu stehen. «Krieg ist keine Lösung, weil ganz viele Menschen sterben. Punkt!»

 


© dpa

Vor dem Schaufenster eines Szene-Geschäftes in Berlin.


 Mehr Informationen:

Irak-Forum der Bundeszentrale für politische Bildung

Attac

 

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