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Wut im Bauch: Jugendliche protestieren
gegen drohenden Irak-Krieg
Während ein Krieg gegen
den Irak näher rückt, wird der Protest Jugendlicher
in Deutschland lauter.
Von Julia Deppe, dpa
Berlin (dpa) - Micha hat Wut im
Bauch. Wenn er sieht, wie der amerikanische Präsident George
W. Bush seine Soldaten auf Krieg einschwört, fängt es
in dem 17-jährigen Berliner an zu brodeln. «Dieser
Krieg ist so verlogen. Es geht doch nur um Profite.» Micha
sagt das, was viele Schüler denken. Während ein Krieg
gegen den Irak näher rückt, wird der Protest Jugendlicher
in Deutschland lauter.
An den Schulen schießen
Anti-Kriegs-Gruppen nach Angaben der Globalisierungskritiker-Organisation
«Attac» wie Pilze aus dem Boden. In Stuttgart, Dortmund
und Braunschweig gingen Tausende bei Schüler-Demos auf die
Straße, und ohne die Jugendlichen wäre der Berliner
Protestzug am 15. Februar wohl nicht die größte Friedensdemonstration
der deutschen Nachkriegsgeschichte geworden. «Junge Leute
fürchten um ihre Zukunft», sagt Martina Gille, Referentin
am Deutschen Jugendinstitut München.
Manch ein Lehrer würde sich
die Augen reiben, sähe er seine Schüler beim Aushecken
von Anti-Kriegs-Strategien. Bei einem Berliner Treffen ist es
mucksmäuschenstill, wenn ein Schüler das Wort ergreift.
Nur wenige der Jugendlichen engagieren sich auch in Parteien oder
Gewerkschaften. «Die labern doch nur rum», sagt Micha,
der bisher keine Friedens-Demo verpasst hat.
Tatsächlich seien nur wenige
Jugendliche bereit, sich langfristig in Institutionen zu engagieren,
sagt Gille. Sie macht starre Strukturen und feste Hierarchien
dafür verantwortlich. Arthur Fischer, langjähriger Mitautor
der Shell-Jugend-Studie, sagt: «Sie engagieren sich dort,
wo sie den Eindruck haben, etwas beeinflussen zu können.»
Die Kriegs- und Globalisierungskritiker
von «Attac» bieten so eine Alternative. Das Bündnis
mit bundesweit fast 25.000 festen und sporadischen Anhängern
setzt auf flache Hierarchien und spontane Aktionen. «Jeder
kann sich problemlos einbringen, ohne sich vom Beisitzer über
den Kassenwart hochzuarbeiten», sagt Sprecher Malte Kreutzfeldt.
Die Kommunikation der friedensbewegten
Jugendlichen läuft über das Internet. Die Schüler
tauschen E-Mail-Adressen aus, ziehen «New York Times»-Artikel
aus dem Netz, geben Treffpunkte für Demos auf ihrer Homepage
bekannt. Und sie kennen die Spielregeln des Medienzeitalters.
«Was, wenn Deutsche als menschliche Schutzschilde in den
Irak gingen?», schlägt eine Schülerin vor. «Das
bringt Presse.»
Manchmal schimmert die Rhetorik
der 70er Jahre durch. Nicht nur, dass Jugendliche wieder Schlaghosen
tragen. Selbstverständlich gehen ihnen Worte wie «Solidarität»
und «Anti-Kriegs-Komitee» über die Lippen. Selbstbewusster
seien Jugendliche geworden, sagt Gille, hätten wenig Respekt
vor Autoritäten. Die Supermacht USA ist den Schülern
suspekt. «Der Bush» sagen sie, oder «Die Amis».
Eine findet, Saddam und Bush seien «vom selben Schlag».
Arthur Fischer hält die Proteste aber nicht für Antiamerikanismus.
Schließlich sei der Lebensstil Jugendlicher - Mode und Musik
- von Amerika geprägt.
Micha ist gegen Krieg, weil er
ein «diffuses Gefühl» hat, dass Krieg falsch
ist. Das Kreischen der Sirenen, die Angst während langer
Bombennächte - all das ist irgendwie weit weg. Sophie ist
trotzdem sicher, auf der richtigen Seite zu stehen. «Krieg
ist keine Lösung, weil ganz viele Menschen sterben. Punkt!»
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